Neu als Führungskraft – Tipps aus der Praxis

Frauen in der Führung

Nicole Bastien ist seit über 10 Jahren Geschäftsführerin der mbw, einer Agentur für Kommunikationslösungen mit Sitz in München. Als Sozialwissenschaftlerin hat sie von Beginn an eine andere Perspektive in die Firma und Branche eingebracht. Statt bloßer Zahlenorientierung stehen bei ihr die zwischenmenschlichen Töne im Mittelpunkt. Und das mit Erfolg. Durch ihre vielseitige Coachingausbildung und Coachingpraxis schaut sie anders auf die Menschen und hat dadurch ein umfassendes Wissen zur Inszenierung von Führungskompetenz erforscht

Für Frauen, die neu in Führungspositionen sind, ist es wichtig, sich ihrer Führungsrolle bewusst zu werden, Klarheit über ihr Führungsverhalten zu erlangen und ihren individuellen Führungsstil zu finden. Eine überzeugende Kommunikation und ein authentisches Auftreten stärken die Professionalität. Beides sind wesentliche Faktoren, um sich in neuen Machtstrukturen zurechtzufinden, sich Anerkennung und Akzeptanz im Team zu verschaffen und in Verhandlungen souverän Interessen durchzusetzen. Freuen Sie sich auf einen spannenden Erfahrungsaustausch und hilfreichen Wissenstransfer.

Dieses MeetUp ist Teil der Karriere-MeetUps bei der herCAREER 2018, Ort und Zeitpunkt finden Sie im Programm.

Wie finde ich meinen individuellen Führungsstil? Gibt es Methoden oder Tipps?

Gerade in Unternehmen, die auf standardisierte Weiterbildungsprozesse zurückgreifen, werden junge Führungskräfte oder -aspirantinnen gut auf ihre neue Rolle vorbereitet. Jedoch vermitteln solche Maßnahmen immer auch den Aspekt von „Wenn ich x und y gelernt habe, kann ich führen.“ Das hat aber mit der Realität oft nichts gemeinsam. Gerade Aspekte wie ein gesunder Selbstbezug (ich meine damit den eigenen Emotionshaushalt kennen z.B.), Gespür für das Gegenüber, Mut, Klarheit, Selbstpräsentation, das eigene Menschenbild etc. sind nur bedingt Aspekte, die ich in einem Seminar lernen kann. Wichtig für den eigenen Führungsstil ist es deshalb, sich selbst so gut wie möglich kennenzulernen. Coachings und Mentorings helfen. Nicht zu unterschätzen sind jedoch auch vor allem Achtsamkeitspraktiken wie Yoga und Meditation. Sie helfen zu fokussieren, sich zu konzentrieren und die Gedanken auf das Wesentliche auszurichten. Wer als Führungskraft schon einmal durch turbulente Zeiten gegangen ist (und das tun wir Führungskräfte alle früher oder später), weiß, wie hilfreich Klarheit ist.

Tools zu erlernen, also z.B. Konfliktgespräche führen oder nonverbale Kommunikation in der Führung, rate ich immer erst, wenn die Frau bereits etwas Erfahrung gesammelt hat. Am konkreten Fall arbeitet es sich besser und hat mehr Effekt für die Frau. Alles andere ist dem Trockenschwimmen ähnlich. Oder: Theoretisch weiß man über die Praxis viel. Alles, was einer Frau hilft, strukturierter also effektiver und effizienter zu arbeiten, sind dagegen sehr gute Qualifikationen. Auch wenn man bereits weiß, dass man z.B. ein Team, das agile Methoden nutzt, übernehmen wird, ist es hilfreich, diese Methoden zu kennen und darin firm zu sein. Viele agile Ansätze haben bereits Aspekte von Führung inkludiert und man lernt auf diesem Weg gleich auch für diese Ebene mit.

Führen hängt meines Erachtens auch sehr stark damit zusammen, ob man sich selbst in seiner Persönlichkeit weiterentwickeln möchte. Mehr und mehr Unternehmen wünschen sich Mitarbeiter/innen, die aktiv gestalten, mitdenken, in Frage stellen. Zwangsläufig ist von diesem „in Frage stellen“ auch die Führungskraft und ihre Entscheidung/en betroffen. Das muss man aushalten können oder aber für sich als Ressource begreifen, wachsen zu können. Das hat vielmehr mit Stärke als mit Schwäche zu tun. Der eigene Stil entwickelt sich aus dem heraus fast von selbst. Denn wenn man nah am Menschen ist, arbeitet man mit ihm der Situation entsprechend.

Aus meiner langen Führungspraxis habe ich einen 20-Punkte-Plan entwickelt, der für mich die Quintessenz von Führung ausmacht. Darauf werde ich bei unserem Meetup eingehen. Ansonsten gilt: Locker machen. Niemand möchte mit einer Führungskraft zusammenarbeiten, die verbissen den Job machen will.

Verhandlungstechniken – nicht jeder ist ein Meister. Was für Skills muss ich mir aneignen, um souverän meinen Standpunkt zu vertreten?

Sicherlich helfen rhetorische Kniffe und Schlagfertigkeit, einen Punkt zu machen. Es gibt auch Verhandlungstaktiken, die man erlernen kann. Aus meinen 20 Jahren Berufserfahrung weiß ich aber auch, dass die wirklichen Überraschungen niemals von vorn kommen, sondern immer unerwartet aus der Seitenstraße. Ich will damit sagen, dass man sich noch so gut vorbereiten kann, es aber immer Momente gibt, die man schlecht antizipieren kann.

Was wirklich hilft, ist sich voll im Klaren zu sein, was man erreichen will. Man muss es so klar vor sich sehen können, dass man die eigene Entschlossenheit spüren kann. Und wenn man sie selbst spüren kann, können es andere auch. In unseren Trainings für Auftrittskompetenz haben wir es immer wieder mit genau diesem Thema zu tun. Wir arbeiten mit der Teilnehmerin immer auf drei Ebenen: den emotionalen Zugang, den nonverbalen Ausdruck und die Verbalisierung.

Was ist Ihr persönlicher Top-Tipp, wie ich mit Akzeptanz in einem neuen Team erarbeiten kann?

Kontakt kommt vor Kooperation! Das ist mein absoluter Top-Tipp. Selbst erfahrene Führungskräfte haben das oft nicht auf dem Radar oder waren sich niemals darüber bewusst. Wir kennen das doch auch aus dem Privaten: Bevor ich jemanden Fremdes auf der Straße helfe, mache ich mir ein Bild. Ich kläre für mich, ob ich bereit bin, mich für eine gewisse Zeit einzulassen. Im Unternehmen ist das nicht anders. Gerade Anfangssituationen haben in zwischenmenschlichen Beziehungen eine enorme Bedeutung. Wir kennen alle den alten Spruch: „There is no second chance for a first impression.“ Und genau so ist es. In der Rolle einer neuen Teamleitung z.B. empfiehlt es sich daher, viel Zeit auf das Zwischenmenschliche zu legen. Damit meine ich nicht den berühmten Einstand bei Selbstgebackenem und Prosecco. Sondern es sind die qualitativen Gespräche, in denen man den/die Mitarbeiter/in kennenlernt. Hilfreich sind z. B. Einzelgespräche gleich zu Beginn in den ersten Tagen. Fragen wie „Was ist aus Ihrer Sicht bisher in diesem Team gut gelaufen?“ oder „Welche Ihrer Qualifikationen oder Talente können Sie bislang hier nicht einbringen, würde Ihnen aber Freude bereiten?“ geben sehr viel Auskunft über Haltungen der Mitarbeiter zu Team und Aufgabe und auch über die ungenutzten Ressourcen. Gerade letzteres wollen viele Mitarbeiter/innen sehr gerne in ihrer täglichen Arbeit einflechten.

Im nächsten Schritt ist es gut, wenn man die Arbeitsweise Einzelner bzw. einzelner Bereiche kennenlernt. Mitlaufen, über die Schulter schauen, bei Kundengesprächen dabei sein etc. sind alles Punkte, die helfen. Die meisten Mitarbeiter deuten dies als sehr große Wertschätzung ihnen und ihrer Arbeit gegenüber.

Der dritte Schritt wäre irgendeine Form der offiziellen Ansprache, nachdem man sich einen Überblick verschafft hat. Das kann ein Teammeeting sein. Jedoch sollte es dann z.B. an einem anderen Ort stattfinden als die regulären Teammeetings. Auf der symbolischen Ebene verstehen die Mitarbeiter dadurch sehr schnell, dass es um etwas Wichtiges geht. In dieser Ansprache müssen Inhalte kommen, die für Klarheit und Orientierung sorgen. Außerdem sollte deutlich werden, worin die Führungskraft ihre Schlüsselaufgaben sieht. Und die muss sie dann auch im laufenden Geschäft selbst besetzen und dürfen nicht delegiert werden. Wenn es z.B. um Steigerung der Agilität oder um Innovationen geht, muss die Führungskraft entsprechende Arbeitsgruppen selbst führen, zusammensetzen, organisieren etc.

Im Normalfall tritt nach den genannten Schritten so langsam Routine ein. Die Bedeutung von „Kontakt vor Kooperation“ sollte dabei immer noch hoch sein

Auf der herCAREER geht es vor allem um den fachlichen Austausch, der auf den persönlichen Erfahrungen und dem Wissen der Sparringspartnerinnen aufsetzt. Zu welchen Themen können Sie im Vorfeld / auf der Messe / im Nachgang als Austauschpartnerin fungieren – in Schlagworten?

  • Einstieg Führung
  • Entwicklung Führungskompetenz
  • Inszenierung von Führungskompetenz
  • Selbstpräsentation
  • alles rund um Führung

Gibt es Themen, zu denen Sie persönlich eine/n Sparringspartner/in suchen und einen fachlichen wie persönlichen Austausch weiterführen möchten? Dann benennen Sie uns Schlagworte für ihre Themen.

  • Führen in selbstorganisiertem Umfeld/Organisationen

Wie können oder möchten Sie kontaktiert werden?