„Heute werden Talente von Frauen häufig nicht gesehen oder falsch beurteilt, so dass sie trotz Begabung und Einsatz nicht in Top-Positionen gelangen.“

„Mein Weg in den Vorstand und warum ich mich für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen in Führungspositionen einsetze“

Trotz aller Diskussionen über Quoten und anderer Lösungsansätze: Immer noch schaffen es wenige Frauen in die Aufsichtsräte und Vorstände großer Unternehmen.

Trotz aller Diskussionen über Quoten und anderer Lösungsansätze: Immer noch schaffen es wenige Frauen in die Aufsichtsräte und Vorstände großer Unternehmen. Der Verein Frauen in die Aufsichtsräte e.V. (FidAR) möchte das ändern. Auf der herCAREER spricht die Vizepräsidentin des Vereins, Elke Benning-Rohnke,  die derzeit ebenso Aufsichtsrätin der Daiichi Sankyo Europe ist, in ihrem Vortrag „Mein Weg in den Vorstand und warum ich mich für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen in Führungspositionen einsetze“ über ihre Erfahrungen auf dem Weg in den Vorstand der Wella AG und warum und auf welche Weise sie sich für Frauen in Führungsetagen stark macht.

Warum ist Ihnen das Thema gleichberechtigte Teilhabe so wichtig?

Gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern in der Wirtschaft ist im Idealfall das Ergebnis einer vorurteilsfreien Auswahl und Förderung von Talenten in den Unternehmen sowie der Gestaltung gesellschaftlicher Rahmenbedingungen. Heute werden Talente von Frauen häufig nicht gesehen oder falsch beurteilt, so dass sie trotz Begabung und Einsatz nicht in Top-Positionen gelangen. Das ist ein Zustand, der uns davon abhält, die Besten einzusetzen und die Kraft und Lösungskompetenz gender-diverser Teams zu nutzen. Das lohnt sich zu ändern.

Ich selbst hatte das Glück auch in Umfeldern zu arbeiten, in denen es nicht darauf ankam, ob man Mann oder Frau war. Hauptsache, die Leistung stimmte. In derartigen Umfeldern sind Karrieren für Frauen gut möglich. Ich habe jedoch auch Umfelder erlebt, die es Frauen sehr schwer machen,  in obere Positionen zu gelangen. Die Mechanismen und Prozess der Ungleichbehandlung sind wissenschaftlich gut belegt, man kann sie benennen und auch ändern.

Bei FidAR habe ich vor zehn Jahren Frauen und Männer getroffen, die die Chancen für Unternehmen und Gesellschaft durch ein Mehr an gleichberechtigter Teilhabe genauso sehen wie ich.  Gemeinsam mit aufgeschlossenen Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Medien haben wir bereits viel erreicht. So schafft der von FidAR initiierte WOB Index regelmäßig öffentlich Transparenz  über den Anteil von Frauen und Männern in Aufsichtsräten auf Unternehmensebene und zeigt, wie viel oder eben auch wie wenig sich tut. Seit FidAR aktiv ist, tut sich deutlich mehr und ich wünsche mir, dass viele Frauen und Männer erkennen, dass sich der Einsatz für die gleichberechtigte Teilhabe für alle lohnt.

Wie wichtig ist „Sisterhood“ im Berufsleben, also dass sich gerade Frauen füreinander einsetzen?

Die gegenseitige Unterstützung von Frauen ist sehr wichtig und auch sehr wirkungsvoll. Gerade souveräne Frauen – und das sind ja diejenigen, die oft auch die erfolgreichen sind, erlebe ich diesbezüglich als sehr engagiert. Jede Frau sollte andere Frauen unterstützen, ins Gespräch bringen, empfehlen. Es finden sich dazu mehr Möglichkeiten als man denkt. Christine Lagarde ist mir hier ein Vorbild: In ihrer Zeit als Wirtschaftsministerin hatte sie immer eine Liste von Frauen dabei, die in das Unternehmen passten, dessen Vertreter sie traf.

 Sie waren langjährig in großen Konzernen tätig und haben sich dabei auch ganz nach oben gearbeitet. Wie haben Sie das geschafft?

Meine sehr schnelle und steile Konzernkarriere bis in ein Vorstandsmandat konnte zum einen gelingen, weil ich in Unternehmen gearbeitet habe, für die die Leistung entscheidend war. Zum anderen hatte ich das große Glück, zeitweise auch in Kanada als junge Mutter arbeiten zu können. Die kanadische Arbeitswelt in meiner Firma war geprägt von weiblichen Führungskräften, die  gemeinsam mit ihren Männern Karrieren und Familienleben ohne großes Aufhebens gut vereinbarten. Ich konnte dort einige Glaubenssätze meiner Sozialisation hinterfragen und mich auch von ihnen verabschieden. Jedoch muss auch klar sein: „There is no free lunch“, jeder langfristige berufliche Erfolg, ob als Gründerin, im Konzern oder sonstwo, verlangt viel Zeit und Energie. Jungen Frauen mit einer beruflichen Ambition rate ich: Trau Dich und schau gut hin, wen Du traust. Jenen, die sich lieber dem Wohle der Familie verschreiben, rate ich zu einem guten Ehevertrag.

Warum können unsere Wirtschaft und die Gesellschaft von Vielfalt profitieren?

Ja, uns geht es gut und wir sind eine Gesellschaft, die in der Gleichberechtigung weit vorne ist. Es spricht alles dafür diesen Weg weiter zu gehen und Männern und Frauen vorbehaltslos die Optionen freizuschalten, für die sie Begeisterung und Talent mitbringen. Die Abschaffung von Diskriminierung jedweder Art ist doch sowohl für den Einzelnen wie für Unternehmen und Gesellschaft nur von Vorteil. Also ja, weiter so!