Seit fünf Jahren verfolge ich eine Vision: mit echter Gleichberechtigung der Geschlechter Unternehmen in Zukunft noch erfolgreicher zu machen. Damit dies gelingt und Frauen ihr Potential entfalten können, brauchen sie mehr denn je Möglichkeiten des persönlichen Austauschs und der Vernetzung. Auch die momentane Notwendigkeit sozialer Distanz wird daran nichts ändern.

Die messe.rocks feiert fünfjähriges Jubiläum

Am 2. April feiere ich mit meinem Unternehmen messe.rocks und der Messe herCAREER das 5-jährige Firmenbestehen. Viele werden jetzt vielleicht denken: eine Gründung in der Messebranche, ohne kommunale oder länderspezifische Beteiligung, das ist angesichts der aktuellen Corona-Krise wohl nicht gerade das beste Geschäftsmodell. Das sehe ich jedoch anders.

Lassen Sie mich kurz ausholen: Messe ist das Business, dem ich mich seit knapp 20 Jahren mit ganz viel Leidenschaft verschrieben habe. Das was und wie ich es tue, soll immer die Aussteller und die Besucher*innen in den Fokus stellen. Wir stecken, zusammen mit unseren Ausstellern und Partnern, viel Herzblut in das Programm der herCAREER, in die über 60 Vorträge, Diskussionen, Buchvorstellungen sowie rund 350 Meetups, Labs und Talks. Mit der gemeinsamen Auswahl unserer Rednerinnen und Redner möchten wir ein Signal aussenden: Frauen können mehr schaffen als sie oft selbst glauben. Das hat viel mit Erziehung und den Verhältnissen in unserer Gesellschaft zu tun. Deshalb präsentieren wir Role Models unterschiedlicher Hierarchielevel, Insider und Experten/-innen aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik, Kultur und Medien.

Von Anfang an war uns als Veranstalter wichtig, dass jede karriereambitionierte Frau unabhängig von ihren finanziellen Möglichkeiten von der Messe profitieren kann. Studierende und Absolvent*innen zahlen keinen Eintritt und können den Flixbus für die Fahrt zur Messe und zurück kostenfrei nutzen. Denn sonst bleibt die Empfehlung an junge Frauen, früh ein Netzwerk aufzubauen, oft der reine Hohn. Viele große Kongresse und Summits können sie sich schlicht nicht leisten.

Wir denken Messe als Begegnungsstätte. Die herCAREER setzt vor allem auf interaktive Formate, damit sich Besucher*innen mit Experten*innen, Arbeitgebern und Anbietern gezielt in kleinen Gruppen austauschen können. Ich weiß aus persönlicher Erfahrung, dass der verstärkte Austausch, der Aufbau persönlicher Netzwerke und darauf basierende persönliche Empfehlungen Frauen in ihrer Karriere weiterbringen. Zusammen mit den ausstellenden Unternehmen schaffen wir dies auf der herCAREER: dass Frauen sich hierarchieübergreifend vernetzen, sie voneinander lernen und sie ihre Erfolge und Arbeit sichtbar machen. Unseren Ausstellern erklären wir, dass die Besucher*innen Frauen aus ihren eigenen Reihen kennenlernen möchten, um auf diesem Weg mehr über einen Arbeitgeber oder ein Angebot zu erfahren.

Digitalisierung und ihre Grenzen

Beim Networking ist die Digitalisierung ein wichtiges Hilfsmittel. Erst kürzlich wurden wir für unser innovatives digitales Messe-Matching mit dem Deutschen Exzellenz-Preis ausgezeichnet, den jährlich das Deutsche Institut für Service-Qualität, das DUB Unternehmer-Magazin sowie der Nachrichtensender n-tv verleiht. Bei diesem Matching geht es darum, mithilfe von Algorithmen und einer wissenschaftlich fundierten Fragebogentechnik, Menschen mit ähnlichen oder sich ergänzenden Interessen zusammen zu bringen. Messen der Zukunft sind interaktiv und technologieaffin, sie vernetzen Menschen, ermöglichen Partizipation, inspirieren durch neue Sichtweisen und machen Lernen zum Erlebnis. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung des Innovationsverbunds Future Meeting Space, an dem unter anderem das Fraunhofer Institut beteiligt ist (mehr zum Thema neue Art der Karrieremesse).

Digitale Tools helfen uns dabei, den Nutzen der Messe für alle Beteiligten zu verbessern. Und viele Hard Facts bekommen Interessierte übers Internet oft schneller und bequemer. Doch eines kann die Digitalisierung nicht leisten: Sie kann die persönliche Begegnung vor Ort nicht ersetzen. Gerade versuchen viele Veranstalter zwar, die Events, die aufgrund der COVID-19 Pandemie abgesagt werden mussten, in den digitalen Raum zu verlegen. Das ist wichtig und richtig für viele Veranstaltungen, wenn es um die Vermittlung von Inhalten geht. Hier ist inzwischen online vieles möglich und die neuen Online-Events werden zunehmend interaktiv. Allerdings werden sie nicht den sozialen Kit erzeugen können, den die persönliche Präsenz zu leisten vermag. Denn diese Art des sozialen Kontakts schafft Bindung und Vertrauen. Erst wenn ich mit einer anderen Person einmal von Angesicht zu Angesicht gesprochen habe, baut sich wirklich eine substanzielle Beziehung auf.

Zukunft der Messebranche und der Frauen in der Arbeitswelt

Sobald die Pandemie eingedämmt werden kann und wir zu einer Form der Normalität zurückkehren, werden auch Veranstaltungen live und vor Ort zurück sein. Wahrscheinlich wird die Realität eine andere sein. Wir werden Dinge, die wir nun schmerzlich vermissen, noch mehr zu schätzen wissen. Messen werden auch in Zeiten der Digitalisierung und Globalisierung einen festen Platz haben, denn der Mensch ist ein soziales Wesen.

Auch die Notwendigkeit, auf die Situation von Frauen in der Arbeitswelt hinzuweisen, wird nach der Krise nicht vom Tisch sein. Manche feiern nun schon den Großversuch in Sachen Homeoffice als große Chance für Frauen. Schließlich könnten sie auf dem Weg Beruf und Familie besser verbinden. Doch das ist ein Trugschluss! Care-Arbeit und Homeschooling lässt sich nicht mal nebenbei organisieren. Die Doppelbelastung geht durch Homeoffice nicht automatisch weg. Frauen sind dann nur vermeintlich selbst schuld, wenn sie es nicht in Führung schaffen.

Meine Befürchtung ist eine andere: dass die Gleichberechtigung der Geschlechter angesichts von Wirtschaftskrise und Personalabbau von der Agenda rutschen könnte und wir viele Jahre dafür werden arbeiten müssen, um wieder da weiter zu machen, wo wir heute stehen. Das möchte ich unbedingt verhindern!

Gemeinsam das Ziel ins Visier nehmen

Ein Unternehmen zu gründen, war ursprünglich nicht mein Plan. Ich wollte aber schon immer gestalten, Verantwortung übernehmen und nötige Entscheidungen treffen. Seit nunmehr fünf Jahren bringe ich unendlich viel Zeit und Engagement ein, um mit vielen weiteren Beteiligten die Arbeitswelt so zu verändern, dass auch Frauen darin einen gleichberechtigten Platz haben. Jeden verdienten Euro stecke ich in die Weiterentwicklung der Messe und in die nötige Digitalisierung. Inzwischen beschäftige ich ein kleines Team, das mich dabei unterstützt. Wenn alles so laufen würde wie geplant, könnten wir in 2020 unsere Verluste aus den ersten Jahren abtragen. Krisenbedingt werden wir es vielleicht erst ein oder zwei Jahre später schaffen.

Die herCAREER ist inzwischen die Leitmesse für die weibliche Karriereplanung in Deutschland. Das möchte ich weiter ausbauen. Die Zeit der wirtschaftlichen Verlangsamung nutze ich mit meinem Unternehmen, um Anlauf zu nehmen und unser Ziel noch besser ins Visier zu nehmen. Veranstaltungen, auf denen wir zusammen Ideen schmieden, wie wir die Zeit nach der Krise gestalten können, werden wir bald nötiger brauchen denn je.

Niemand kann in die Zukunft sehen, natürlich auch ich nicht. Aber ich glaube weiterhin an meine Vision, an mein Team und an die herCAREER, tun Sie es doch auch. Unsere Aussteller bleiben uns auch in dieser schwierigen Zeit treu, neue Unternehmen melden sich bei uns an und Besucher*innen registrieren sich jetzt schon für die Veranstaltung. Gemeinsam werden wir noch vieles schaffen können. Auf ein Kennenlernen oder Wiedersehen am 29. und 30. Oktober 2020 in München freue ich mich schon jetzt. Bis dahin: Bleiben Sie gesund!

Über die Autorin:

Natascha Hoffner ist Geschäftsführerin der messe.rocks GmbH, die sie im Jahr 2015 gegründet hat. Mit der messe.rocks GmbH veranstaltet Natascha Hoffner die jährlich stattfindende Karrieremesse herCAREER. Mit mehr als 20 Jahren Erfahrung in der Messebranche war Natascha Hoffner bereits im Jahr 2000 Teil einer Neugründung in der Messebranche. Sie hat maßgeblich am Auf- und Ausbau von zahlreichen Leitmessen im In- und Ausland mitgewirkt. In Spitzenzeiten war Sie gemeinsam mit dem damaligen Gründer für bis zu 20 Messen und Kongresse jährlich und rund 100 Mitarbeiter verantwortlich. Über fünf Jahre war sie als Geschäftsführerin tätig, zuletzt davon zwei Jahre bei einer Tochtergesellschaft der Deutschen Messe AG. Natascha Hoffner ist zweifache Mutter und lebt mit ihrer Familie in München.