„In der Regel wird nur über Geld gesprochen, wenn es so richtig gut läuft – zig Auftraggeber, Millioneninvest… aber kaum jemand macht dem Mund auf, wenn es mal nicht so rosig läuft.“

Geldsorgen in der Selbstständigkeit

In einer Selbstständigkeit wird man nicht ständig unbeschwert und frei in großen Höhen fliegen. Es wird Turbulenzen geben, sei es die Trennung von der Gründungspartnerin oder fehlende Aufträge. Sandra Stabenow, Gründerin von frau, frei&, findet es wichtig darüber zu sprechen, genauso wie über Geldsorgen in der Selbstständigkeit. Gelegenheit, Ihr dabei zuzuhören und sich auszutauschen haben Sie beim MeetUp „Jede Selbstständigkeit hat ihre Höhen und Tiefen – auch finanzielle. Lass Dich davon nicht unterkriegen“ auf der herCAREER.

Was war bisher die schwere Phase Ihrer Selbständigkeit?

Die schwerste Phase in meiner Selbstständigkeit liegt erst wenige Wochen zurück. Die Auftragslage war sehr schlecht und ich hatte kaum Einnahmen erzielt. Das zehrt nicht nur am Geldbeutel, sondern auch an den Nerven. Meine ständige Überlegung war: Wie komme ich an neue Aufträge? Gleichzeitig hatte ich aber das Bedürfnis, mich nicht für jede Aufgabe herzugeben oder in meinem Fachgebiet unter Wert zu verkaufen. Wenn es hart auf hart gekommen wäre, wäre ich eher in einem Café arbeiten gegangen, um laufende Rechnungen zu bezahlen, als mir und anderen die Preise kaputt zu machen. Ich war auch durchaus bereit Teilzeit in die Festanstellung zurückzugehen. Allerdings sind solche Position im Bereich Social Media und Content Marketing rar. In dieser Zeit habe ich versucht meine Kosten weitestgehend zu senken. Ich habe z. B. Mitgliedschaften und Abos gekündigt. Das Herabsetzen meines Krankenkassenbeitrages hat leider nicht funktioniert. Auch die Einzahlungen für meine private Rentenversicherung auszusetzen stand im Raum – soweit musste es dank der Unterstützung meiner Familie allerdings nicht kommen. Auch wenn es mir nicht leicht fiel, habe ich sie um ein privates Darlehen gebeten, dass sie mir glücklicherweise geben konnte. Das hat sehr an meinem Stolz gekratzt – deckt sich natürlich überhaupt nicht mit meinen Vorstellung von der eigenen (finanziellen) Unabhängigkeit. Mittlerweile ist die Auftragslage wieder sehr gut, so dass ich zeitnah damit beginnen kann, das Darlehen zurückzuzahlen – und für eine erneute Flaute in meiner Selbstständigkeit vorzusorgen

 Welche Eigenschaften sind am wichtigsten für Gründerinnen?

Wenn ich mir meine eigene Selbstständigkeit angucke, würde ich sagen, die wichtigsten Eigenschaften für Gründerinnen sind Durchhaltevermögen und die Fähigkeit sich an jede Gegebenheit anzupassen, also Flexibilität. Manchmal erfordern die Zeit oder der Markt sein Geschäftsmodell und die eigene Einstellung anzupassen. Das ist überhaupt nicht schlimm. Aber wer hier starr an dem festhält, was da ist, nur weil man sich etwas vor Zeiten so überlegt hat, wird böse auf die Nase fallen. Beim Durchhaltevermögen geht es darum, nicht gleich bei der ersten schwierigeren Situation aufzugeben, sondern diese zu beleuchten und zu überlegen, wie man sie überwinden kann – und dann auch ins Handeln zu kommen.

 Als Selbstständige ist es natürlich auch wichtig zuverlässig zu sein, unternehmerisch zu denken und wirtschaftlich zu arbeiten und sich in seinem Fachgebiet auszukennen. Wissensdurst, also das Bestreben sich fortlaufend weiterzubilden, halte ich für Gründerinnen unabdingbar.

 Wie findet man Unterstützung und Rat?

Unterstützung und Rat findet man heutzutage überall – online und offline. Es gibt zahlreiche gute Blogs und Podcasts zum Thema Gründen; es gibt Facebook-Gruppen in denen man sich austauschen kann. Wenn man, so wie ich, in einer Großstadt lebt, hat man die Möglichkeit an vielen unterschiedlichen Veranstaltungen teilzunehmen – auch kostenlos –, um sich weiterzubilden, aber auch um neue Leute kennenzulernen. Letzteres finde ich enorm wichtig, besonders als Selbstständige. Die Mehrzahl meiner Aufträge bekomme ich z. B. durch Kontakte, die mich weiterempfehlen. Auch zur Erweiterung des eigenen Horizonts ist das Netzwerken super. Man kann von den Erfahrungen anderer profitieren.

Je öfter man sich in den Austausch mit anderen begibt, egal ob on- oder offline, wird das Netzwerk wachsen. Sei es, weil man sich bei Twitter an Diskussionen beteiligt, Fragen in Facebook-Gruppen beantwortet oder weil man ein bis zwei Mal im Monat zu Events geht, die einen thematisch interessieren und dort in Kontakt mit interessanten Leuten kommt. Dranbleiben ist hier die Devise.

 Sie legen Ihre Einkünfte in Ihrem Blog offen. Warum?

Ich lege meine Einkünfte offen, weil ich es wichtig finde, dass man über Geld spricht – egal, ob festangestellt oder selbstständig. Ich biete anderen, die sich gerade selbstständig machen, eine Orientierung, was den eigenen Preis angeht; außerdem zeige ich, dass zu einer Selbstständigkeit auch (finanzielle) Tiefen dazu gehören. In der Regel wird nur über Geld gesprochen, wenn es so richtig gut läuft – zig Auftraggeber, Millioneninvest… aber kaum jemand macht dem Mund auf, wenn es mal nicht so rosig läuft. Schließlich müsste man zugeben, dass man fehlbar ist. Will ja keiner. Ist in unserer Gesellschaft auch nicht so akzeptiert – das Scheitern meine ich. Aber das ist ein anderes Thema.

Auf der herCAREER geht es vor allem um den fachlichen Austausch, der auf den persönlichen Erfahrungen und dem Wissen der Sparringspartnerinnen aufsetzt. Zu welchen Themen können Sie im Vorfeld / auf der Messe / im Nachgang als Austauschpartnerin fungieren – in Schlagworten?

  • Selbstständigkeit
  • Gründen

Gibt es Themen, zu denen Sie persönlich eine/n Sparringspartner/in suchen und einen fachlichen wie persönlichen Austausch weiterführen möchten? Dann benennen Sie uns Schlagworte für ihre Themen.

  • Gründerinnen
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