„Man darf natürlich nicht vergessen, dass ein Unternehmensverkauf ein sehr emotionaler Akt ist.“

Unternehmenskauf und Unternehmensnachfolge

Viele hegen den Wunsch in die Selbstständigkeit zu gehen und stellen sich die Frage, welcher Weg der richtige ist. Unternehmer/in zu werden bedeutet in der Regel gründen. Eine Unternehmensgründung ist allerdings langwierig und mühselig. Welche Alternativen zur Gründung gibt es? Welche Vorteile hat ein Unternehmenskauf beziehungsweise Unternehmensnachfolge? Gibt es auch im Franchise Unternehmensnachfolgen? Was ist dabei zu berücksichtigen? Wo finde ich geeignete Unternehmen? Diese und andere Fragen beantwortet Susanne Schnur, Senior Account Manager bei der Deutschen Unternehmerbörse DUB.de GmbH beim MeetUp „Wege in die Selbständigkeit: Kaufen statt Gründen“ auf der herCAREER.

Was sind denn die Vorteile, ein schon bestehendes Unternehmen zu übernehmen, anstatt es selbst aufzubauen?

Es gibt mehrere Vorteile ein bestehendes Unternehmen zu kaufen: Die langwierige Phase der Gründung entfällt, sie haben schon feste Kundenbeziehungen, einen Mitarbeiterstamm, die Produkte sind am Markt etabliert, die Prozesse sind eingespielt, die Marke existiert und Sie haben langfristige Beziehungen zu Lieferanten. Außerdem haben Sie eine größere Planungssicherheit, da Sie schon auf vorhandene Zahlen der Vergangenheit zurückblicken können, was sich natürlich auch vorteilhaft bei Gesprächen mit der Bank auswirkt.

Wie findet man denn ein Unternehmen, das passt?

Zuerst müssen Sie sich klar werden, welche Stärke, Interessen und Fähigkeiten Sie haben. Identifizieren Sie sich mit dem Geschäft, das Sie übernehmen möchten? Welche Größe sollte das Unternehmen haben? Welche Branche ist interessant? Wie sieht die Zukunft der Branche aus? Wie viel Eigenkapital können und wollen Sie aufbringen? Nachdem Sie alle Fragen geklärt haben, können Sie gezielt auf die Suche nach Unternehmen gehen. Dazu gibt es mehrere Möglichkeiten: Sie können sich einen Berater suchen, der Sie bei der Suche unterstützt oder Sie nutzen gezielt Unternehmensbörsen wie die DUB.de und suchen sich dort ein passendes Unternehmen.

Sobald Sie ein passendes Unternehmen gefunden habe, müssen Sie das Unternehmen nicht nur auf dessen Stärken, sondern auch auf die Schwächen überprüfen. Es beginnt die Due Diligence: Prüfen Sie die Geschäftszahlen – können Sie mit dem Cashflow aus dem operativen Geschäft den Firmenkauf finanzieren? Welche Verträge hat die Firma (Kunden, Lieferanten, Mitarbeiter, Mietverträge)? Gibt es Rechtsstreite? Gibt es Altlasten?

Was sollte man im Übernahmeprozess bedenken?

Es gibt viele Stolperfallen, wobei jede einzelne wichtig ist und zu überprüfen gilt. Dabei treten einige Fragen auf, die zu beantworten sind.

Bilanzen:
Zuerst einmal sollte man die Bilanzen mindestens der letzten drei Jahre auf Herz und Nieren überprüfen, insbesondere steuerliche. Wenn man selbst kein Experte ist, dann sollte man besser einen dazu holen.

Kundenbeziehungen:
Sind die existierenden Kundenbeziehungen abhängig von dem Firmeninhaber / Geschäftsführer oder sind die Kunden an das Unternehmen gebunden? Wie viele Kunden gibt es? Falls es nur ein paar Großkunden gibt, kann das risikoreich sein. Auch wichtig: Wie sind die Laufzeiten der Verträge mit den Kunden?

Entwicklungspotenzial:
Auch hier sollten Sie sich einige Fragen stellen: Welche Zukunftsaussichten hat das Unternehmen? Was muss noch investiert werden, um es zu entwickeln? Was ist Ihre Vision, wo wollen Sie hin? Ist das realisierbar? Und vor allem: Welche Investitionen kommen zukünftig hinzu?

Ausstattung/Standort des Unternehmens:
Das Prüfen der Betriebsmittel wie Geräte oder Maschinen gehört dazu. Überprüfen Sie auch, ob Sie eventuell nachrüsten müssen.

Ist der Standort in Ordnung? Bleibt dieser bestehen, kann dieser eventuell ausgebaut werden? Wie sieht der Bebauungsplan in naher Zukunft aus? Dürfen Sie etwas daran verändern? Wie entwickelt sich das Gebiet bzw. die Region, in der das Unternehmen steht? Was steht im Mietvertrag / Pachtvertrag, falls keine Immobilie dazugehört?

Mitarbeiter:
Setzen Sie sich auch mit den Mitarbeitern auseinander. Wie sehen die Arbeitsverträge aus? Gibt es noch offene Klageprozesse?

Einarbeitungszeit:
Ganz wichtig nach der Übernahme ist die Frage der Übergangszeit für Verkäufer und die Einarbeitungszeit für den Käufer. Wer informiert die Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten über den Unternehmensverkauf? Wann ist der richtige Zeitpunkt? Wie werden die Aufgaben in der Anfangszeit mit dem alten Unternehmer geteilt?

Man darf natürlich nicht vergessen, dass ein Unternehmensverkauf ein sehr emotionaler Akt ist. Meistens haben die Verkäufer ihr Unternehmen aufgebaut und müssen dieses jetzt altersbedingt an einen völlig fremden Menschen mit einer eventuell unterschiedlichen Meinung abgeben. Da geht es nicht immer reibungslos und ohne Emotionen über die Bühne. Deswegen sind eine klare Rollenverteilung und eine klar definierte Aufgabenverteilung am Anfang der Übergabezeit enorm wichtig.

Auf der herCAREER geht es vor allem um den fachlichen Austausch, der auf den persönlichen Erfahrungen und dem Wissen der Sparringspartnerinnen aufsetzt. Zu welchen Themen können Sie im Vorfeld / auf der Messe / im Nachgang als Austauschpartnerin fungieren – in Schlagworten?

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