„Wir erleben einen Backlash gegen den Aufstieg der Frauen, mit ganz neuen Formen der Gewalt“, schreibt Susanne Kaiser in „Blätter für deutsche und internationale Politik“. „Von immer mehr Seiten schlägt Frauen Feindschaft entgegen. Eine reaktionäre Gegenbewegung greift sicher geglaubte Frauenrechte in westlichen Demokratien an. Mit dem Ziel, die hart erkämpfte Gleichberechtigung mit Gewalt rückgängig zu machen.“ Beispiele: #HäuslicheGewalt, #Hass im Internet, frauenfeindliche Rhetorik in der Politik und Rückschläge bei den Frauenrechten in autoritären Regimen.

Anders als in früheren Jahren sei der aktuelle Backlash keine Pendelbewegung („Auf Zeiten der reaktionären Feindschaft gegenüber dem Feminismus“ folgten Zeiten der Akzeptanz, dann wieder ein Rückschritt und so weiter), denn Bewegung und Gegenbewegung liefen heute eher wie eine Schere auseinander: „Frauen sind in immer höheren Machtpositionen vertreten, sie (…) setzen gesellschaftliche Themen und lenken Debatten. Sie machen Karriere in ehemaligen Männerdomänen“, werden damit sichtbarer – und erfahren mehr Gewalt. „Feministischer Fortschritt und männliche Gewalt wachsen also gemeinsam.“ Kaiser nennt es das „feministische Paradox“: „Je gleichberechtigter Frauen sind, desto mehr geraten sie unter Druck, desto mehr nehmen Hass und Gewalt gegen sie zu – und nicht ab, wie wir bei fortschreitender #Gleichberechtigung eigentlich erwarten würden.“

Zu lange habe sich die öffentliche Wahrnehmung „nur auf die eine, die erfolgreiche Seite der Schere konzentriert und die andere abgetan, als letztes Zucken des Patriarchats. Wir haben Gleichberechtigung für selbstverständlich gehalten und übersehen, wie viele Bereiche noch einer zutiefst patriarchalen Logik folgen (…).“

Es seien heute gerade sehr junge Männer, die Hass, Sexismus und Gewalt gegen Frauen befürworteten, „die Erwachsenen von morgen, die schon als Heranwachsende extrem frauenverachtende Einstellungen propagieren“.   Die Körper von Frauen, so Kaiser, müssten „als Blitzableiter für unauflösbare Konflikte, Niederlagen und Kränkungen, für männliche Machtfantasien und Überheblichkeit herhalten.“

Das #UN-Entwicklungsprogramm (UNDP) veröffentlichte kürzlich einen Bericht über die Entwicklung von geschlechtsspezifischen Vorurteilen weltweit. „A Decade of Stagnation: New UNDP data shows gender biases remain entrenched. Lack of progress in the Gender Social Norms Index parallels human rights violations and is socially wasteful“, titelt die Organisation. „Half of people worldwide still believe men make better political leaders than women, and more than 40 percent believe men make better business executives than women. A staggering 25 percent of people believe it is justified for a man to beat his wife (…).“

Gegengewichte sind notwendiger denn je!

Ein Beitrag von Natascha Hoffner, Founder & CEO of herCAREER I WiWo-Kolumnistin I LinkedIn-TOP-Voice 2020 I W&V 2019 – 100 Köpfe
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