Im Interview mit Elke Benning-Rohnke über die Münchner Selbstverständlichkeiten

In Deutschland haben Frauen die gleichen Rechte wie Männer. Sollte man meinen.

In Vorstandspositionen sind knapp 7% Frauen und 93% Männer. 65% der Unternehmen, die FidAR mit dem Women-on-Board Index befragt hat nannten als freiwillige Zielgröße für Frauen im Vorstand eine Null. Keine Absicht, Frauen gerecht und gleichberechtigt zu behandeln?

In Deutschland haben Frauen die gleichen Rechte wie Männer. Das ist gut. In Deutschland sind Frauen so gut ausgebildet wie Männer. Das ist auch gut. In Deutschland verdienen die Frauen jedoch in gleicher Position durchschnittlich 7% weniger. In Vorstandspositionen sind knapp 7% Frauen und 93% Männer. 65% der Unternehmen, die FidAR (Frauen in die Aufsichtsräte) mit dem Women-on-Board Index befragt hat nannten als freiwillige Zielgröße für Frauen im Vorstand eine Null. Keine Absicht, Frauen gerecht und gleichberechtigt zu behandeln? Das wollen wir nicht hinnehmen. Wir wollen in einem Deutschland leben, in dem unsere Rechte beachtet werden – ganz selbstverständlich. Rechte zu haben erfordert sich für diese auch einzusetzen. Gebt Eure Stimme für www.ungleichwargestern.fidar.de fordert Elke Benning-Rohnke, Vizepräsidentin FidAR e.V. im Interview mit herCAREER.

Frau Benning-Rohnke, wenn Sie die Münchner Selbstverständlichkeiten in einem Satz zusammenfassen sollten, wie würde dieser lauten?

In Deutschland können Frauen und Männer sich gleichermaßen beruflich entwickeln und werden für gleiche Arbeit gleich vergütet. Das Geschlecht macht selbstverständlich dafür keinen Unterschied.

Warum geht diese Petition alle Frauen etwas an bzw. was würden Sie Männern auf die Frage antworten, warum diese ebenfalls die Münchner Selbstverständlichkeiten unterzeichnen sollten?

Die Gleichberechtigung von Frauen und Männern ist im Grundgesetz verankert. Viele Frauen und Männer wünschen sich Gleichberechtigung der Geschlechter als gelebte Normalität. Sie wollen weder Benachteiligungen hinnehmen noch in einem Land leben, in dem Gleichberechtigung nur per Gesetz und gegen Widerstände durchgesetzt werden muss. Stattdessen  wünschen sie sich, dass Politik und Wirtschaft die im Grundgesetz verankerte Gleichberechtigung achten und umsetzen. Dafür geben die Unterzeichner ihre Stimme – Frauen wie Männer.

Welchen Hintergrund hat der Name „Münchner Selbstverständlichkeiten“? Warum sollten Menschen, die nicht in München leben, die Petition ebenfalls unterzeichnen und diese mit ihren Kollegen, Freunden und Bekannten teilen?

Jede Idee wird an einem Ort geboren und die Münchner Selbstverständlichkeiten, eine Initiative von FidAR und Frauen aus den Münchner Wirtschaftsunternehmen, sind in München entstanden. Wichtiger als der Ort ist uns allerdings das Wort Selbstverständlichkeit. Die Selbstverständlichkeit ist der Paradigmenwechsel in der Haltung. Wir wollen nicht mehr auf 50% des Talentpools verzichten, denn wir wissen inzwischen alle um den Wert genderdiverser Teams bei Innovationen und in der Lösungskompetenz. Nullquoten halten wir weder für  zeitgemäß noch für zukunftsorientiert. Gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit, genderneutrale Auswahl- und Beförderungsprozesse und die gleichberechtigte Teilhabe an Führungspositionen haben  in anderen Ländern einen hohen Stellenwert und sind fast Normalität. Deutschland hinkt hinterher und befindet sich in der Gleichstellung auch im Vergleich zu anderen Ländern im unteren Drittel und nicht vorne, wo ein wirtschaftlich so gut entwickeltes Land nach meiner Meinung hingehört.  #ungleichwargestern ist das Motto der Münchner Selbstverständlichkeiten, hinter dem sich alle versammeln und unter dem sich alle wiederfinden können, die in einem modernen, zukunftsgewandten Deutschland leben wollen.

Zur Initiative: www.ungleichwargestern.fidar.de