Klimafreundlich reisen, abfallfrei einkaufen, bio essen, Energie sparen – wo soll ein normaler Mensch denn bloß anfangen, wenn er nachhaltiger leben will? Und was ist besser: die eingeschweißte Bio-Gurke oder die unverpackte normale?

All das fragte sich auch Fernsehmoderatorin Janine Steeger, als sie 2011 ihren Weg ins grüne Leben begann. Die ausgebildete Journalistin verlies 2015 ihre tägliche RTL-Sendung, um sich auch beruflich komplett den Themen Nachhaltigkeit und Umweltschutz zu widmen. Seitdem nennt sie sich Green Janine, arbeitet als Moderatorin und Speakerin und hat die Seite FUTUREWOMAN.de gegründet.
Im Podcast spricht sie darüber, warum Nachhaltigkeit auch ohne Perfektionismus funktioniert und teilt zudem die erstaunlichen Erkenntnisse über grüne Politik und darüber, wo Green Washing aufhört und grünes Leben anfängt.

Thema

Gesellschaft | Wissenschaft, Technik, Digitalisierung & Technologie

Angaben zur Referent:in

Janine Steeger ist ausgebildete Fernsehjournalistin und hat fast 20 Jahre für private und öffentlich-rechtliche Sender gearbeitet, vor und hinter der Kamera. Bis 2015 hatte sie ihre eigene tägliche Live-Sendung bei RTL. Dann kündigte sie ihren Job, um sich auch beruflich komplett den Themen Nachhaltigkeit und Umweltschutz zu widmen. Auslöser dafür war die Geburt ihres Sohnes. Seitdem nennt sie sich Green Janine, arbeitet als Moderatorin und Speakerin und hat die Seite FUTUREWOMAN.de gegründet. Janine Steeger lebt mit ihrem Mann und dem gemeinsamen Sohn in Köln.

Über den Podcast der herCAREER: Du bist hier richtig, wenn Du diverse und vor allem weibliche Perspektiven auf arbeitsmarkpolitische, gesellschaftliche und wissenschaftliche Themen hören willst. Lerne dabei von Role Models, Expert:innen und Insidern und nimm wertvolle Anregungen für Deine eigene Karriereplanung mit. Mit herCAREER Voice fangen wir vielfältige Sichtweisen ebenso wie ganz persönliche Einblicke und Erfahrungen spannender Frauen ein – von der herCAREER-Expo live und aus der herCAREER-Community.

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Projektleitung: Natascha Hoffner
Redaktion und Produktion: Miku Sophie Kühmel
Moderation: Susanne Klingner

00:00:09-1 Moderation: Herzlich willkommen zum herCareer Voice Podcast. Sie sind hier richtig, wenn Sie diverse und vor allem weibliche Perspektiven auf arbeitsmarktpolitische, gesellschaftliche und wissenschaftliche Themen hören wollen. Lernen Sie dabei von Rolemodels, ExpertInnen und Insidern und nehmen Sie wertvolle Anregungen für Ihre eigene Karriereplanung mit. Mit herCareer Voice fangen wir vielfältige Sichtweisen ebenso wie ganz persönliche Einblicke und Erfahrungen spannender Frauen ein. Von der herCareer Expo live und aus der herCareer Community.

00:00:40-8 Moderation: Klimafreundlich reisen, abfallfrei einkaufen, Bio essen, Energie sparen, wo soll ein normaler Mensch denn bloß anfangen, wenn er nachhaltiger leben will und was ist besser? Die eingeschweißte Biogurke oder die unverpackte normale? Das fragte sich auch Fernsehmoderatorin Janine Steeger, als sie 2011 ihren Weg ins grüne Leben begann. Die ausgebildete Journalistin verließ 2015 ihre täglich RTL-Sendung, um sich auch beruflich komplett den Themen Nachhaltigkeit und Umweltschutz zu widmen. Seitdem nennt sie sich Green Janine, arbeitet als Moderatorin und Speakerin und hat die Seite FutureWoman.de gegründet. Im Podcast spricht sie darüber, warum Nachhaltigkeit auch ohne Perfektionismus funktioniert und teilt zudem die erstaunlichen Erkenntnisse über grüne Politik und darüber, wo Greenwashing aufhört und grünes Leben wirklich anfängt.

00:01:51-7 Susanne Klingner: Als allererstes freue ich mich aber wahnsinnig, hier Janines … Janine oder Janin…

00:01:55-2 Janine Steeger: Janine, ja.

00:01:55-9 Susanne Klingner: Janine Steeger, oh Mann ich habe Mundfasching noch heute früh.

00:01:59-2 Janine Steeger: Nein, alles gut, es gibt auch viele, die das anders aussprechen, aber Janine Steeger.

00:02:03-4 Susanne Klingner: Ich freue mich, Janine Steeger neben mir zu haben und mit ihr über ihr Buch „Going Green – warum man nicht perfekt sein muss, um das Klima zu schützen“ zu sprechen. Falls irgendjemand von euch sie nicht kennt, noch mal kurz die Eckdaten. Bis 2015 warst du RTL Explosiv Moderatorin, heute bist du Speakerin und Moderatorin zu Umweltschutz und Nachhaltigkeit, siehe das Buch. Und auf FutureWoman.de stellst du Frauen vor, die an einer nachhaltigen Zukunft arbeiten. Also auch sehr spannendes Projekt. Heute erst mal über das Buch. Du beschreibst darin eigentlich so deine persönliche Reise hin zu Green Janine, wie du heute heißt und das hatte so einen ganz besonderen Anlass, der so diese Reise ausgelöst hat. Willst du darüber erst mal so ein bisschen erzählen?

00:02:51-6 Janine Steeger: Ja, sehr sehr gerne. Also erst mal herzlich willkommen an alle. Ich freue mich, dass Sie alle zu dieser Buchpräsentation gekommen sind und mein, man nennt das ja immer so großartig, Change-Moment, aber das war wirklich so ein Moment, der mich durchgerüttelt hat. Also ich bin schwanger gewesen 2011 und im März passierte dann ja die Fukushima-Katastrophe und die habe ich also eben mit schwangerem Bauch vom Sofa aus beobachtet und das hat mich tatsächlich durchgerüttelt, weil ich mir zum ersten Mal in meinem Leben, das kann man auch für beschämend halten, aber das war tatsächlich so, zum ersten Mal in meinem Leben halt Fragen gestellt habe zu meinem eigenen Leben, also was mache ich da eigentlich ganz persönlich mit diesem Planeten? Wieviele Ressourcen verbrauche ich eigentlich? Und vor allen Dingen in der Konsequenz natürlich die Frage, was kann ich denn eigentlich ändern sinnvollerweise? Und habe dann in der Folge dessen angefangen, erst mal ganz viel zu recherchieren und habe dann tatsächlich erst mal in meinem Privatleben alles mögliche auf den Kopf gestellt und dann schlussendlich auch versucht, im Sender mit dem Thema durchzudringen. Das war aber so ungefähr 2014, das ist mir nicht gelungen, weil da war ich einfach zu früh dran. Heute sähe das, glaube ich, anders aus. Also ich bin mit den Kolleginnen und Kollegen auch immer noch im Austausch, aber damals hatte ich einfach gar keine Chance. Und habe dann gesagt, dann kündige ich jetzt, weil es mir so wichtig geworden ist und habe mich dann selbständig gemacht als Moderatorin eben in diesem Bereich.

00:04:15-1 Susanne Klingner: Wenn wir noch mal zu dem Anfang zurückgehen, wenn man eben diesen Schockmoment auf eine Art und Weise ja auch hat und denkt, oh Gott ich muss wirklich was tun und dann ist vielleicht der Gedanke da, ich muss jetzt die Welt retten oder ich muss mit ganz vielen anderen zusammen die Welt retten, das überfordert einen natürlich auch erst mal. Wo hast du dann angefangen oder wie hast du auch dieses Gefühl erst mal für dich unter Kontrolle gekriegt?

00:04:39-3 Janine Steeger: Ja, das war tatsächlich nicht so einfach. Also man muss auch sagen, es war sicherlich eine Zeit, in der ich ohnehin durch die Schwangerschaft, aber auch durch die schwere Erkrankung einer Freundin, ich war so ein bisschen auf der Sinnsuche und habe mich halt gefragt, wofür stehe ich eigentlich? Wofür steht meine Generation und ich im ganz Konkreten und was will ich eigentlich mit meiner Arbeit und grundsätzlich auf dieser Welt hinterlassen? Und insofern waren dieser Moment wie so ein Erweckungsmoment. Also das Thema hatte mich plötzlich so gefunden und ich das Thema. Und es war aber tatsächlich genauso wie du gerade gesagt hast, also wenn du dann anfängst zu recherchieren, dann bist du natürlich erst mal vollkommen überfordert, weil du natürlich sehr schnell erkennst, ich kann jetzt an jedem Punkt im Grunde anfangen. Das kriege ich aber natürlich nicht alles gleichzeitig auf die Kette. Und ich habe dann einfach probiert, mal mit den…, also man kann ja sehr viel auch im Internet finden, was so die einfachsten Dinge sind, die man dann mal verändern kann, beispielsweise den Wechsel des Stromanbieters, Lebensmittel war bei uns von Anfang an ein großer Thema, wo wir einfach mal genau hingeguckt haben, wieviel schmeißen wir da eigentlich jede Woche in den Müll? Und das waren alles so Themen, wo ich echt gesehen habe, da kann man ja jetzt einfach mal drüber nachdenken. Und ich glaube, man muss da so die Salamitaktik anwenden und wirklich sagen, ich konzentriere mich jetzt erst mal auf eine Sache und dann gehe ich sukzessive immer einen Schritt weiter, aber es macht überhaupt keinen Sinn, in dieser Verzweiflung zu versinken, ich kann jetzt nicht direkt alles auf einmal lösen. Also das funktioniert auch nicht und da muss man sich auch von frei machen.

00:06:10-7 Susanne Klingner: Du musstest ja am Anfang auch viel ausprobieren erst mal so. Und wenn du jetzt aber noch mal so zurückblickst auf diese Anfangszeit, also gerade hast du schon so zum Beispiel den Stromanbieter genannt, was sind so drei Dinge, wo du sagst, die kann wirklich jeder, jede sofort ändern, das macht ganz viel Sinn, die drei Dinge sofort zu tun?

00:06:30-3 Janine Steeger: Also ich beantworte das immer gerne so, dass ich glaube, es gibt eben nicht diese 3-Punkt-Anleitung, also dass man halt sagt, für jeden ist jetzt genau dieser Einstieg optimal und das kann jeder umsetzen. Weil ich glaube, das ist einfach wahnsinnig individuell. Es gibt Menschen, die vielleicht in der Stadt wohnen und schon ganz lange darüber nachgedacht haben, was macht mein Privatauto eigentlich für einen Sinn? Also ich spreche zwischendurch mit Menschen, die sagen, ich benutze das so selten, dass ich gar nicht mehr weiß, wo ich es abgestellt habe und regelmäßig danach suche. Für die kann vielleicht das Abschaffen des Autos, was für mich das große Finale in meinem Privatleben war, der erste Schritt sein, weil die schon lange darüber nachdenken. Für andere ist es aber eben vielleicht, weil sie sehr viel Coffee to go trinken und das irgendwie umständlich finden, an den Mehrwegbecher zu denken oder an einem Pfandsystem teilzunehmen, vielleicht ist das erst mal so eine Hürde, die man nehmen möchte als Einstieg. Also ich glaube, es gibt zahlreiche Hinweise im Internet, in vielen Büchern, auch mein Buch ist ja nur als Inspiration gedacht, dass halt jeder einfach für sich selber gucken kann, wo fange ich jetzt an und ich beschreibe es ganz gerne so wie, stellt euch euer Leben wie so ein Haus vor und dann sucht ihr einfach nach dem Eingang mit der niedrigsten Schwelle, also am besten ebenerdig und da geht ihr rein und dann leckt ihr Blut, das ist meine persönliche These, weil so war es zumindest auch bei mir, weil in den allermeisten Fällen stellt sich raus, dass das wirklich eben Gewinn ist und nicht dieser nervige, vielbeschworene Verzicht, sondern es ist eigentlich einfach das bessere Leben. Und das zeigt sich an so vielen Stellen und deswegen glaube ich funktioniert auch diese These mit dem Blutlecken einfach ganz gut.

00:08:14-3 Susanne Klingner: Und wie sah so dein Alltag aus? Also klar, wenn Leute eben noch gar nicht so damit angefangen haben mit dieser Reise, sagen sie vielleicht, boah der Alltag muss ja super anstrengend sein, wenn man über jedes Ding dann so nachdenkt. Wie sieht dein Alltag dann so aus oder wie hat der sich dann auch so verändert, also wirklich konkret an einzelnen Fragen so?

00:08:33-0 Janine Steeger: Also wir haben zu Hause ganz viel auch diskutiert und gesprochen. Und ich bin eigentlich in dieser Anfangsphase auch, wo ich so das Gefühl hatte, okay jetzt schnappe ich gleich über, weil natürlich irgendwie ich mir ständig, wenn ich irgendwas konsumiert habe, ob jetzt Lebensmittel oder Blumen oder Kleidung oder sonst irgendwas, habe ich mir halt immer die Frage gestellt, geht das vielleicht auch nachhaltiger, geht das vielleicht auch anders? Und habe dann jeweils wieder zum Thema recherchiert und viele Dinge waren aber damals, als ich damals angefangen habe, es sind ja jetzt zehn Jahre. Unser Sohn ist jetzt zehn Jahre alt, deswegen weiß ich das natürlich sehr genau und die Fukushima-Katastrophe ist eben auch zehn Jahre her. Waren viele Dinge auch tatsächlich noch schwierig. Also wenn ich so an das Thema Kleidung zum Beispiel denke, nachhaltige Kleidung, da hat sich wahnsinnig viel getan. Auch Kosmetik da hat sich unfassbar viel getan in den vergangenen Jahren und das ist dann schon auch ein Rechercheaufwand und deswegen ist das schon auch anstrengend. Und ich glaube deswegen, dass es eben auch gut ist, wenn irgendjemand so ein Stück weit Pionierarbeit leistet, und wie gesagt, da gibt es ja neben mir ganz viele andere, die einfach schon viel für sich ausprobiert haben, recherchiert haben und einfach auch gute Hinweise geben inzwischen, damit jetzt nicht jeder und jede wieder von vorne anfangen muss. Also dass man sich da natürlich auch was abgucken kann, weil das muss man schon auch ehrlichkeitshalber sagen, es ist natürlich in der Anfangsphase anstrengend und es führt logischerweise auch zu Diskussionen innerhalb der Familie. Aber gerade zum Beispiel das Thema Lebensmittel, was ich vorhin angesprochen habe, also das war wirklich absurd, dass wir da so lange nicht hingeguckt haben. Und wir haben halt so ein Leben geführt, also beide Journalisten, beide ständig unterwegs, gerade auch bis zur Geburt unseres Sohnes und wir haben halt, weil ich bin auf dem Land aufgewachsen und wir hatten so diesen klassischen Wocheneinkauf und so habe ich das einfach fortgesetzt, als sei das total normal und in meiner DNA verankert. Und dann haben wir immer so einen Wocheneinkauf gemacht und dann waren wir aber ständig weg und dann ist das Zeug im Kühlschrank vergammelt, was natürlich total bescheuert ist, sowohl ökologisch als auch ökonomisch. Also was man da auch an Geld in die Tonne schmeißt, ist natürlich unfassbar. Und dann musst du einfach anfangen, Strukturen zu verändern. Und da müssen dann natürlich auch alle mitmachen. Also unser Sohn war ja noch ein Baby, aber natürlich mein Mann. Wir sind dann umgeschwenkt auf, wir kaufen einfach das ein, was wir für die nächsten ein, zwei Tage brauchen, das geht in der Stadt sicherlich auch leichter als im ländlichen Raum. Aber nichts desto trotz sind wir da einfach umgeschwenkt und haben das an unseren Bedarfen orientiert und deswegen hat das dann auch irgendwann funktioniert. Aber es ist natürlich auch viel Arbeit so innerhalb der Familie und da ist es auch so gewesen, dass ich mir nur bei meinem Mann rausgenommen habe, also bei allen anderen Menschen um mich rum habe ich nie irgendwie gefragt, warum machst du das nicht anders oder guck mal, was ich hier tolles verändert habe, sondern habe immer auf deren Fragen gewartet und habe mich da ganz ruhig verhalten. Aber bei meinem Mann habe ich mir rausgenommen, immer irgendwie zu sagen, hier nicht mehr diese Jeans kaufen, andere Jeans kaufen, Mülltrennung so geht das nicht. Und das hat natürlich zu einer totalen Antihaltung geführt, das fand der natürlich genauso scheiße, wie alle anderen das auch blöd gefunden hätten. Und dann habe ich irgendwann das verstanden, habe damit aufgehört und jetzt ist auch die Situation zu Hause vollkommen entspannt. Also er fragt mich jetzt dann auch manchmal, in dem Moment, wo es ihn aber interessiert und ich glaube, dass es auch nur darüber funktioniert. Also man kann nicht rumlaufen und die Menschen versuchen zu bekehren, das ist leider einfach der falsche Weg, glaube ich.

00:12:15-1 Susanne Klingner: Aber bei deinem Mann hast du dann irgendwann gesehen, dass sie dann irgendwann von alleine hinterherkommen.

00:12:18-7 Janine Steeger: Ja, er hat sich komplett auch da nochmal gedreht.

00:12:20-3 Susanne Klingner: Okay, sehr gut. Und was war so das schwerste? Also gibt es so ein paar Sachen, wo du auch sagst so, also das war wirklich schwer umzustellen?

00:12:31-5 Janine Steeger: Also ich glaube, deswegen habe ich es auch bis zum Finale aufgespart. Für mich war das Abschaffen des eigenen Autos schon wirklich die größte Hürde, weil ich einfach auf dem Land aufgewachsen bin. Für mich war das total normal auch. Ich habe ja dann ab Anfang meiner 20er Jahre auch in vielen unterschiedlichen Städten gelebt und man hätte überall den öffentlichen Personennahverkehr nutzen können, habe ich aber nicht gemacht. Für mich war das völlig normal, ins Auto zu steigen. Und der Moment, das Auto abzugeben, das zu verkaufen, das war schon ein besonderer Moment, aber er war auch unfassbar toll gleichzeitig, weil wir hatten, also in Berlin ein Lastenrad gesehen. Also wir saßen draußen mit Freunden und haben das irgendwie vor die Füße gefahren bekommen und dann haben wir das ganze Wochenende irgendwie darüber gesprochen, was wäre denn eigentlich, wenn wir das Auto abschaffen würden und uns auch so ein, weil uns das auch optisch so gut gefiel, so ein Lastenrad kaufen würden. Und wir kamen eigentlich ständig zu dem Schluss, das ist ja super. Und dann haben wir das zu Hause auch erzählt und meine Eltern, die ja immer noch auf dem Land wohnen, haben natürlich gedacht, jetzt spinnen sie total, also jetzt wird es echt anstrengend. Die hatten direkt tausend Befürchtungen. Wie geht das mit Kind? Wie wollt ihr einkaufen gehen? Kommt ihr dann überhaupt noch zu uns? Also die wohnen so 40 Kilometer entfernt von Köln. Besucht ihr uns dann überhaupt noch? Wir haben aber alles, wir haben das für uns natürlich auch separiert in Plus- und Minuslisten und haben dann den Entschluss getroffen und das war einfach super. Und ich erlebe meine Mobilität heute als so was positives. Ja, also das, was ich früher im Grunde doof fand, mit Bus und Bahn zu fahren und viel zu Fuß zu gehen, mit dem Fahrrad unterwegs zu sein, auch zu jeder Wetterlage, das empfinde ich heute wirklich als totale Freiheit, nämlich in den ganzen Momenten, wo du eben nicht einen Parkplatz suchen musst, wo du an den Staus vorbeifährst mit dem Fahrrad, wo du in der Bahn Menschen beobachten kannst. Du kriegst ja auch ein ganz anderes Gefühl dafür, was lesen Menschen, worüber unterhalten die sich, was ist denen wichtig? Und das ist ja für mich als Journalistin schon immer die Motivation auch gewesen in meinem Berufsleben. Und ich kriege da draußen natürlich, desto mehr ich eben auch bei diesen neuen Mobilitätsangeboten oder alten Mobilitätsangeboten unterwegs bin, kriege ich auch viel mehr mit. Und ich erlebe das wirklich als total positive Entwicklung in meinem Leben.

00:15:04-3 Susanne Klingner: Und wie fährst du zu deinen Eltern mittlerweile? Carhsharing?

00:15:06-1 Janine Steeger: Zum einen gibt es eine sehr gute Verbindung mit der Regionalbahn.

00:15:08-7 Susanne Klingner: Okay.

00:15:09-6 Janine Steeger: Und ansonsten gibt es natürlich auch Carsharing-Möglichkeiten. Da finde ich, dass Carsharing, also auch die längeren Strecken und die leicht verfügbaren Autos, da muss noch nachjustiert werden. Das ist im Angebot eigentlich noch im Vergleich zu teuer, weil dafür sollte es ja auch brauchbar sein, aber auch da passiert natürlich total viel auf dem Markt.

00:15:28-7 Susanne Klingner: Ja, weil das gibt es ja eigentlich schon ziemlich lange, aber man muss sagen, der Bereich ist noch so ein bisschen stiefmütterlich behandelt oder die Leute gucken noch nicht so drauf. Die haben dann auch in der Stadt lieber ihr eigenes Auto.

00:15:40-5 Janine Steeger: Ja total. Und es ist eigentlich, es spart auch wahnsinnig viel Geld, auch da wieder.

00:15:45-9 Susanne Klingner: Du hast ja vorhin schon erwähnt, dass man erstmal auch wirklich überfordert ist von der Masse an Informationen oder auch, wo kriege ich denn Informationen her. Also kaum jemand von uns wird jetzt anfangen, ständig irgendwelche Studien zu lesen, was hat welche Auswirkungen oder so. Hast du so ein paar Tipps, wo und wie man sich gut informieren kann? Also wo fängst du an zu recherchieren, wenn dich die Umweltbilanz von irgendeiner bestimmten Sache wieder interessiert?

00:16:14-3 Janine Steeger: Also es gibt natürlich tolle Seiten zu unterschiedlichen Themen, vom Umweltbundesamt beispielsweise oder auch Utopia, finde ich, ist auch eine Seite, wo man natürlich immer mal drauf schauen kann. Also es gibt schon wirklich gute Seiten, wo man auch einfach nachschauen kann zu den unterschiedlichen Themenbereichen. Es ändert aber nichts daran, dass wir, glaube ich, auch eine radikale Veränderung im Markt brauchen in Bezug auf die vielen Siegel, die es gibt und dass es auch für Verbraucherinnen und Verbraucher halt deutlich leichter sein muss. Und insofern, ich glaube, auch da ist die nächste Bundesregierung gefragt, die Entscheidung einfach leichter zu machen an der Stelle.

00:16:53-9 Susanne Klingner: Es ist ja immer so ein Abwägen zwischen Idealismus und Pragmatismus. Also das kommt in deinem Buch ja auch immer wieder raus, dass man halt schon an einem gewissen Punkt, wenn man wirklich jedes kleine Ding optimiert, ist man einfach auch überfordert oder man kommt zu nichts anderem mehr in seinem Leben. Wie hast du da so deinen Zwischenweg gefunden? Also einerseits hast du ja sehr radikal und idealistisch entschieden, zum Beispiel deinen Job aufzugeben an einer Stelle. Wie findet man da so einen guten Weg zwischen Idealismus und Pragmatismus?

00:17:26-1 Janine Steeger: Ich glaube, die Antwort darauf ist der Untertitel des Buches „warum man nicht perfekt sein muss“. Also ich glaube, man muss für sich halt einfach akzeptieren, also ich finde schon das Wort Perfektion, erstens klingt es für mich nach Langeweile und zweitens, was ist das überhaupt? Also wann ist denn der Perfektionsgrad von irgendetwas erreicht? Von einem Zustand oder von einem Ding oder sonst irgendwas. Also ich glaube, das kann der Weg halt nicht sein und das darf auch nicht der Anspruch sein. Also ich habe in dem Buch ja auch mit der Psychologin Ines Imda(?) gesprochen und die vergleicht es mit einer Diät, wo sie auch sagt, also wir müssen uns kleine Steps setzen und wir brauchen auch Cheatdays zwischendurch. Und ich habe irgendwann für mich beschlossen, ich habe gar nicht den Anspruch an mich, perfekt zu sein in allen Bereichen und bin damit auch in der Öffentlichkeit ziemlich offensiv umgegangen. Weil wir haben ja dann oft natürlich, auch wenn Menschen sich für etwas einsetzen, da habe ich gestern noch bei einer Veranstaltung auch mit Herrn Lahm drüber gesprochen, Fußballer Lahm. Und dem habe ich auch die Frage gestellt, der setzt sich nämlich jetzt für die Europameisterschaft 2024 für das Thema Klimaschutz ein, dass auch diese Europameisterschaft klimafreundlicher sein soll. Da habe ich auch gesagt, Herr Lahm, wenn man sich da so für einsetzt, dann setzt man sich natürlich auch der Gefahr aus, dass jetzt alle ganz genau gucken, wie Sie sich eigentlich bewegen, mit welchem Auto oder zu Fuß oder sonst irgendwas. Da hat er gesagt, ja klar, aber er kennt das natürlich aus der Öffentlichkeit, er stand immer in der Öffentlichkeit und er weiß, dass auch immer irgendwas kommt. Und ich glaube, dass es ein guter Weg ist, einfach auch offensiv mit der Unperfektion umzugehen. Also ich zeige auch ganz bewusst zwischendurch, wenn ich nicht nachhaltige Klamotten anhabe, wenn ich einen Einwegkaffeebecher dabei habe, weil es vielleicht einfach doch gerade dringend einen Kaffee brauchte und es keinen Mehrwegbecher gab, weil ich keinen mitgenommen hatte. Also ich glaube, das ist eine ganz gute Herangehensweise, um selber auch nicht verrückt zu werden und weil es einfach auch total menschlich ist. Also ich glaube, wir brauchen einfach diese Nahbarkeit auch beim Thema Nachhaltigkeit. Und wir müssen uns ja auch immer die Frage stellen, wieviel können wir wirklich mit den einzelnen Dingen auch erreichen? Und wir müssen, glaube ich, mehr die positiven Dinge auch in den Vordergrund stellen. Also Professor Maren Urna(?), die ja auch nachher hier bei dir im Gespräch sein wird, die durfte ich ja auch für mein Buch interviewen, und dieses, also constructive journalism nennt sie es, und das ist natürlich auch, wir brauchen das auch in den Medien und so ist auch der Ansatz in dem Buch, also wirklich zu zeigen, was funktioniert, was macht Spaß, wo sind Lösungen auch in dieser Gesellschaft und nicht immer nur den Fokus zu richten auf, was funktioniert alles nicht. Das ist ja ein totaler Hemmschuh, den wir uns selbst halt nicht anziehen dürfen. Also wir müssen ja lösungsorientiert denken und ich finde auch jetzt, dass wir viel zu sehr den Blick immer zum einen zurück richten und auch einfach zu sehr auf das Negative und auch immer auf die Frage, oh Gott, was wird das alles kosten dieser Klimaschutz? Und auch selten die Frage stellen, was wird es kosten, wenn wir ihn nicht ernst nehmen? Und vor allen Dingen auch viel zu wenig über Lösungen berichten. Und insofern es braucht einfach viel mehr positive Vibes auch bei diesem Thema.

00:20:52-4 Susanne Klingner: Und wie ist da so das Feedback von der Öffentlichkeit? Also zum Beispiel du sagst, du zeigst es auch, also ich vermute mal bei Instagram, darauf beziehst du dich.

00:21:00-4 Janine Steeger: Genau.

00:21:01-2 Susanne Klingner: Da sieht man dich ja tatsächlich viel in deinem Alltag und du beschreibst immer, was du tust du da gerade so. Was kommen da so für Reaktionen? Sind die Leute dann auch erleichtert auf eine Art, dich zu sehen, wie du das Thema angehst

00:21:13-0 Janine Steeger: Ja, ich bekomme wirklich ganz viele Rückmeldungen, wo genau diese Erleichterung eine ganz große Rolle spielt, also wo die Menschen sagen, ich bin dir wirklich dankbar dafür, dass du da einfach so offen auch damit umgehst, dass du natürlich nicht perfekt bist, weil mir das auch den Druck nimmt. Und wir dürfen ja nicht vergessen, wenn Menschen diesen Druck empfinden, dann hält es sie ganz oft davon ab, überhaupt anzufangen und das ist ja das schlimmste was passieren kann. Und im Übrigen gilt es auch für Unternehmen. Also wenn wir jetzt mal weggehen von der persönlichen Ebene. Ich hatte gestern zum Beispiel ein Gespräch, wo ich mit einer Frau von Nestlé gesprochen habe und jetzt ist natürlich gerade in dieser Nachhaltigkeitsszene Nestlé eines der roten Tücher. Und ich finde, so können wir an die Sache nicht rangehen. Weil wenn wir uns Nestlé und auch VW war auch bei diesem Podium gestern dabei, wir können jetzt auch da zurückblicken und sagen, alles scheiße, ihr klaut den Menschen Wasser und ihr hattet diesen Abgasskandal, aber diese Unternehmen haben auch ganz viele tolle Strategien für die Zukunft und die setzen sich wirklich auch für das Thema Nachhaltigkeit ein. Und da gilt im Grunde das gleiche, wenn wir immer nur das Haar in der Suppe suchen, dann können wir auch diese Unternehmen nicht unterstützen, weiter voranzugehen. Und es gibt zum Beispiel, das will ich an der Stelle einmal sagen, weil es mich gestern selber so durchgerüttelt hat. Also Nestlé hat zusammen mit Oatly und das ist eine ganz verrückte Konstellation eigentlich, dazu kommt noch Veganz(?), Frosta und MyMüsli, glaube ich, und die haben gemeinsam mit der noch jungen NGO German Zero eine Allianz gebildet, wo es darum geht, wir wollen quasi eine Klimadefinition auf den Lebensmitteln. Also inwieweit ist dieses Lebensmittel schon klimaneutral oder wie viele Emissionen wurde da eingespart. Und die hatten sich an die Politik gewendet schon vor einem Jahr mit einer Petition und es gab bislang keine Antworten. Und jetzt haben sie gesagt, wir machen es selber. Und dieses, wir machen es selber, in Kombination mit dieser ja eigentlich wirklich verrückten Art von Zusammenschluss. Da würde ja kein Mensch denken, dass die zusammenarbeiten. Und das finde ich eben auch so ermutigend und das sind genau diese positiven Geschichten, die wir meiner Meinung nach auch erzähle müssen und wo wir dann auch natürlich sagen müssen, wir müssen auch solchen Unternehmen zugestehen, dass die eben sich entwickeln.

00:23:43-8 Susanne Klingner: Wenn du jetzt schon lauter so Namen dropst, sage ich mal, also eben du erwähnst so, du hast mit denen gesprochen, mit denen gesprochen, mit den Unternehmen und so, hat das denn einen Vorteil für dich, also merkst du auch, dass du einfachere Zugänge zu Personen, also die auch wieder Influencer sind oder halt zu Unternehmen oder auch in der Politik, weil du bekannter bist, dass die dann auch dir eher zuhören, dass sich da was bewegt?

00:24:11-5 Janine Steeger: Ja, also den Eindruck habe ich schon, also bei Influencern weiß ich es nicht ganz genau.

00:24:13-4 Susanne Klingner: Ich meine so Multiplikatoren tatsächlich.

00:24:15-9 Janine Steeger: Genau. Es ist tatsächlich so, dass ich inzwischen, glaube ich, einen ganz guten Einblick auch so in den Bereich der Wirtschaft habe in Deutschland und auch sehr viel selbst lerne, auch über die Komplexität von Zusammenhängen. Das ist ja gerade im Bereich der Nachhaltigkeit, weil du mich das vorhin auch so gefragt hast, wo recherchiere ich dann eigentlich? Das Problem an Nachhaltigkeit ist ja auch oft, dass man glaubt, jetzt habe ich es verstanden und jetzt mache ich das und das und dann erfährst du wieder irgendwas neues und denkst, das war jetzt auch noch nicht das Gelbe vom Ei. Und ich finde das so bereichernd, dass ich eben auch in so vielen Bereichen verstehe, dass Dinge einfach komplexer sind und dass man da auch noch mal genauer nachfragen muss. Also ich will es jetzt gar nicht ausführen im Einzelnen, aber grundsätzlich zu sagen, ich kaufe keine Produkte, in denen Palmöl ist, ist quatsch beispielsweise, einfach nur mal, ich leite es ganz kurz her, weil wir brauchen Fette für unterschiedlichste Dinge und das was wir brauchen ist zertifiziertes Palmöl, weil alle anderen Fette würden beispielsweise viel mehr Fläche im Anbau einnehmen, dann hätten wir wieder einen viel größeren Flächenbedarf. Es gibt aber ganz viele Menschen auch in dieser Nachhaltigkeitsszene, die halt rumgehen und rausbrüllen, Palmöl ist per se scheiße, kauft keine Produkte, in denen Palmöl ist. Und das ist der falsche Ansatz, weil man dann eben nicht richtig nachgefragt hat, wo ist eigentlich das Problem und wie machen wir es besser? Und insofern das finde ich wirklich total spannend für mich und ich sehe auch, wie so viele andere Expertinnen und Experten auch, ein ganz großes Wollen, vor allen Dingen in der Wirtschaft, tolle Pläne, die da eben jetzt gerade darauf warten, auch politische Rahmenbedingungen zu bekommen. Und ich finde, ich muss nochmal auf diesen Wahlkampf auch zurückkommen, dass eben diese ganzen Lösungen, die da auch in den Schubladen liegen oder auch schon offen da liegen, so ein bisschen auch durch den Journalismus, wir haben gerade auch noch mal drüber gesprochen, im Moment wirklich auch ein Stück weit nicht berücksichtigt werden. Also wenn wir den Journalismus beobachten, dann wird auch da viel zu wenig über Lösungen gesprochen und eben auch was es jetzt an Rahmenbedingungen braucht, um halt wirklich das voranzutreiben. Und ich finde, da werden im Moment oft die falschen Fragen gestellt, auch sehr rückwärtsgewandte Fragen und auch da wird oft die Frage gestellt, was kostet uns Klimaschutz, was kostet das jeden einzelnen und eben selten die Frage, was kostet es, wenn wir es nicht tun, und das finde ich tatsächlich verheerend. Also da habe ich auch ein Stück weit Kritik an meiner eigenen Branche, weil ich glaube, dass das einfach nicht der richtige Weg ist und wir den Menschen eigentlich ständig das Gefühl geben, es ist alles nur total kompliziert und es ist quasi aussichtslos. Es ist alles ganz ganz schlimm. Und so funktioniert es nicht.

00:27:13-8 Susanne Klingner: Weil wir gerade so bei der Politik waren und dass es eigentlich so Rahmenbedingungen jetzt bräuchte, was sind denn so Punkte, die du wirklich konkret siehst, das muss jetzt passieren, da muss die Politik einfach wirklich Ansagen machen?

00:27:25-9 Janine Steeger: Also es braucht ganz klare Rahmenbedingungen insofern, nehmen wir mal als Beispiel die Stahlindustrie. Also Stahlindustrie, die haben beispielsweise ein ganz konkretes Programm, wie sie Klimaneutralität erreichen können bis 2045. Und die brauchen aber natürlich jetzt zum einen Wettbewerbsschutz, dafür brauchen sie natürlich, hat einen speziellen Namen auch, aber im Grunde brauchen sie bei der Preisgestaltung Unterstützung und Subventionen beispielsweise vom Staat. Das wird eine Übergangsphase sein, aber die brauchen sie definitiv, um sich gegen Wettbewerber aus dem Ausland, die halt immer noch schmutzigen und günstigeren Stahl dann produzieren, müssen sie sich natürlich irgendwie wehren können und bestehen können. Es sichert aber natürlich auf der anderen Seite Arbeitsplätze bei uns im Land und insofern eine total relevante Sache, weil die Arbeitsplätze in der Stahlindustrie die können und sollten wir retten, anders als jetzt beispielsweise in der Kohle, da können wir sie nicht retten, weil daraus müssen wir aussteigen. Aber die Stahlindustrie sollten wir zwingend im Land halten und deswegen müssen wir an der Stelle auch entsprechende Subventionen dann und Wettbewerbsvorteile schaffen, um halt wirklich zu sagen, wir halten diese Industrie im Land und wir sorgen da auch für Lösungen. Insgesamt braucht es, glaube ich, auch in der Politik mehr Mut, das setzt aber natürlich auch eine Akzeptanz in der Bevölkerung voraus. Ich glaube aber, dass es oft auch so ein vorgeschobenes Argument ist von Politik, dass dieser Mut dann irgendwie nicht offensiv gezeigt wird oder einfach nicht da ist. Weil eigentlich haben wir ja eine sehr große Bestätigung auch durch Umfragen, viele Menschen sind wirklich auch offen für große Veränderungen und sind bereit dazu. Und ich glaube, es braucht auch den Mut und das Standing letztendlich, einfach mal zu sagen, ich halte das jetzt aus. Also ich treffe Entscheidungen und ich halte das jetzt mal aus. Also ein Beispiel finde ich immer toll, die Bürgermeisterin von Paris hat diese Stadt ja komplett mobilitätsmäßig umgebaut. Also die hat die im Grunde zur Fahrradstadt gemacht. Und diese ganzen unglaublichen Staus, die jeder wahrscheinlich schon mal erlebt hat, der mal in Paris unterwegs war, damit eben deutlich reduziert. Und man hat der gesagt, als sie damit angefangen hat, vergiss es, du wirst niemals wiedergewählt, Katastrophe was du hier gerade machst. Sie ist mit einem deutlich größeren Anteil wiedergewählt worden und sie hat es einfach ausgehalten. Sie hat es einfach gemacht. Guter Hinweis von einigen Politikerinnen und Politikern, mit denen ich gesprochen habe, ist auch, vielleicht geht man einfach dann mal, taucht man mal zwei Wochen unter. Also man trifft eine Entscheidung und geht einfach mal zwei Wochen weg und guckt, was darauf wird, aber ich finde, dass Politikerinnen und Politiker verdammt noch mal auf die Pflicht haben, diesen Mut zu beweisen. Und ich weiß, es geht immer um Wählerinnen und Wählerstimmen, aber es ist halt, wir brauchen das. Wenn wir die Zukunft gestalten wollen, dann muss es auch diesen Gestaltungswillen haben und ich glaube, da braucht es dann den Mut, auch wirklich einfach mal was zu wagen.

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