„In manchen Ländern ist die bipolare Erziehung der Mädchen und Jungen in den Familien nicht der Fall, zumindest nicht so stark wie in Deutschland.“

Talentförderung nutzt der Wirtschaft und den Talenten, hier sind sich alle einig. In der Praxis ist das aber nicht so einfach: Obwohl unter den Studentinnen in MINT-Fächern überdurchschnittlich viele Migrantinnen sind, sind diese in geringerem Maße am deutschen Arbeitsmarkt beteiligt. Diese berufstätigen Frauen sind oft nicht sozialversicherungspflichtig, in Teilzeit und auf Werkvertrags- und Saisonarbeit beschäftigt. Sie sind von höherer Erwerbslosigkeit und Langzeitarbeitslosigkeit betroffen (etwa doppelt so hohe Quoten). Seit 2015 kommen dazu hochqualifizierte Frauen aus MINT-Berufen. Eine beidseitig angemessen Lösung für die Aufnahme und das Miteinbeziehen dieser Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt ist zu erörtern und zu finden. Dies alles war Thema des MeetUps „Wie tickt der deutsche Arbeitsmarkt in den MINT-Berufen für Migrantinnen und auch weibliche Geflüchtete? Bleiben sie noch lange ‚Hidden Figures‘?“, das vom deutschen Ingenieurinnenbund präsentiert wurde, sein. Als Referentin fungiert Soheila Afsar Sattari, Koordinatorin des Projekts MINT FM-FM und Inhaberin der Goal-Electonic Print Media & Training Services.

Studentinnen in MINT-Fächern

herCAREER: Warum sind denn unter den Studentinnen in MINT-Fächern so viele Migrantinnen? Wie können gerade Migrantinnen in diesem Bereich reüssieren?

Sattari: In manchen Ländern ist die bipolare Erziehung der Mädchen und Jungen in den Familien nicht der Fall, zumindest nicht so stark wie in Deutschland. Das heißt, die Mädchen werden nicht unbedingt an linguistischen oder geisteswissenschaftlichen Fächern und die Jungen an technischen Fächern herangeführt, sondern nach ihren Interesse und Leistungen. Die Eltern sind an der Entwicklung ihrer Kinder interessiert und auch daran, dass sie in Zukunft ihren Lebensunterhalt gut verdienen können. Da die technischen Berufe gute Möglichkeiten dazu bieten, versuchen die Eltern ihre Kinder, ob Mädchen oder Junge, an technische Fächer heranzuführen. Wenn das Kind dann das Interesse daran und die Begabung dazu hat, gelingt es ein technisches Fach zu erlernen und auszuüben. Somit haben die Eltern von einer bipolaren Erziehung abgesehen und die Leistung ihrer Kinder in Vordergrund gestellt. Daraus resultiert dann, dass die Anzahl der Frauen in MINT-Fächern steigt.

herCAREER: Warum kann der deutsche Arbeitsmarkt denn so sehr gerade von Migrantinnen und geflüchteten Frauen profitieren, was bringen sie mit?

Sattari: Migrantinnen und geflüchteten Frauen bringen vor allem Fachkenntnisse im MINT-Bereich mit, sowohl im Lehrbereich in Bildungsinstitutionen als auch auf dem Arbeitsmarkt. Gleichzeitig haben diese Menschen eine Hürde überwunden, sich auf dem Weg gemacht und sind nach Europa gekommen. Das heißt, diese schwierige Lebensphase hat ihre Ausdauer und ihren Willen gestärkt. Sie wollen ihr Leben ganz aktiv verbessern, sie wagen einen Neuanfang und geben alles – und so wird es ihnen auch gelingen ihr Leben zu optimieren und den Unternehmen nützlich zu sein.

herCAREER: Wie kommt man aus den „prekären“ Arbeitsverhältnissen heraus, wie Teilzeit oder Saisonarbeit?

Sattari: Eine Migrantin oder weibliche Geflüchtete kann aus prekären Arbeitsverhältnissen herauskommen, indem sie ihr Bildungsniveau und ihre Qualifikation steigert, denn dann wird sich ihre Arbeitssituation verbessern. Wichtig ist dabei, dass sie den Arbeitsmarkt genau analysiert, wo Fachkräftemangel besteht und sie sich dann genau in dieser Arbeitsmarktlücke qualifiziert. Relevant ist an dieser Stelle auch ein Netzwerk. Und wer die Ergebnisse seiner Analyse in diesem Netzwerk veröffentlicht, sorgt dafür, dass alle davon profitieren können. Unterstützung ist auch wichtig, zum Beispiel Mentorinnen, die den Migrantinnen und weiblichen Geflüchteten zur Verfügung gestellt werden, um sie beim Herauskommen aus prekären Arbeitsverhältnissen zu unterstützen.

Auf der herCAREER geht es vor allem um den fachlichen Austausch, der auf den persönlichen Erfahrungen und dem Wissen der Sparringspartnerinnen aufsetzt. Zu welchen Themen können Sie im Vorfeld / auf der Messe / im Nachgang als Austauschpartnerin fungieren – in Schlagworten?

In den Bereichen Bildung und Berufseinstieg kann ich gerne Sparringspartnerin sein.

Gibt es Themen, zu denen Sie persönlich eine/n Sparringspartner/in suchen und einen fachlichen wie persönlichen Austausch weiterführen möchten? Dann benennen Sie uns Schlagworte für ihre Themen.

Wir suchen kein konkretes Thema. Aber ich bin daran interessiert an einem bestehenden Netzwerk des Sparringspartners teilzunehmen oder wenn es nicht existiert, beim Aufbau mitzuhelfen.

Wie können oder möchten Sie kontaktiert werden?