Wie du eine Rebellion anzetteln kannst!

Oder: Wie ich meine erste Demo organisierte!

Carina Kontio ist Wirtschaftsjournalistin beim Handelsblatt. Als Redakteurin schreibt sie vor allem über Karriere- und Managementthemen, außerdem leitet sie das Business-Netzwerk Leader.In. Wenn sie nicht arbeitet oder über Arbeit nachdenkt, treibt die studierte Volkswirtin am liebsten Sport oder sich im Internet herum. Doch egal ob im Büro oder zu Hause: Kaffee muss sein

Es ist eine spontane Idee, diese Demonstration gegen den Krieg in Syrien zu organisieren. Wir sind vier Menschen, die sich 2016 aus rein persönlicher Empörung online zusammentun – und sich bis dahin noch nie im richtigen Leben getroffen haben. Was 24 Stunden später in Köln passiert, übertrifft unsere Erwartungen völlig: Es nehmen über 1.500 Menschen an der Demonstration teil. Auch ihr seid über etwas empört, möchtet ein Zeichen setzen und Aufmerksamkeit auf ein Thema lenken? Das funktioniert nur, wenn gewisse Regeln beachtet werden. Welche das sind, das verrate ich euch auf der herCAREER.

Dieses MeetUp ist Teil der Expert-MeetUps bei der herCAREER 2018, Ort und Zeitpunkt finden Sie im Programm.

Was sind die ersten drei Schritte, wenn man eine Demonstration organisieren will?

Das sind zunächst recht praktische Dinge, die ich für mich persönlich als besonders nützlich empfunden habe: Erstellt eine Veranstaltung bei Facebook, richtet eine geschlossene Gruppe ein zur Abstimmung mit weiteren Mit-Organisatoren und – ganz, ganz wichtig – meldet die Demonstration mit den geschätzten Teilnehmerzahlen bei der Polizei an. Natürlich wäre es obendrein noch super, wenn Ihr jemandem im Team habt, der gut schreiben kann, sich einen # ausdenkt, die Social-Media-Kanäle damit bespielt und eine Pressemitteilung an die lokalen Zeitungen, Radio- und TV-Sender schickt.

Eine Alternative zur Organisation über Facebook ist die Crowdmoving-Plattform Helpteers – hier könnt Ihr mit wenigen Klicks ganz konkrete Aufgaben verteilen, Euch vernetzten und vor allem den Überblick behalten.

Was raten Sie Frauen, die sowas gern auf die Beine stellen möchten, sich aber nicht trauen?

Ich würde das Frauen wie Männern gleichermaßen raten: Traut Euch! Macht es einfach! Oder wie der verstorbene französische Widerstandskämpfer und Buchenwald-Überlebende Stéphane Hessel es unermüdlich in seiner kleinen Streitschrift betont: Empört Euch! Und ja, das darf man durchaus wörtlich nehmen, denn wenn man sich über etwas empört, wie Hessel der Naziwahn empört hat, wird man aktiv, stark und engagiert. Neues schaffen heißt Widerstand leisten und unsere demokratischen Freiheiten, die Menschenrechte oder die Umwelt zu verteidigen. Widerstand leisten gegen Populismus, Nationalismus oder andere humane Dummheiten heißt Neues schaffen. Wenn Ihr formal alles gut vorbereitet, Euch organisiert, Aufgaben klar verteilt und eine klare Botschaft habt, kann eigentlich gar nichts schief gehen.

Was war Ihr größtes Learning aus der Aktion?

Dass es möglich ist, das Unmögliche in extrem kurzer Zeit auf die Beine zu stellen. Dass es möglich ist, mit mir bis dahin drei nahezu unbekannten Menschen für eine gemeinsame Sache, für die Menschen in Aleppo und gegen den wahnsinnigen Krieg in Syrien, auf die Straße zu gehen – und mit uns mehr als 1.500 Menschen! Wir dürfen unsere Freiheiten nicht als selbstverständlich betrachten. Das Recht, für alles Mögliche demonstrieren zu dürfen, wurde uns nicht einfach gegeben. Nein, wir müssen uns das jeden einzelnen Tag verdienen und verteidigen. Also los, traut Euch! Empört Euch!