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Die These für heute lautet: Frauen sind die besseren Unternehmer:innen. Auf jeden Fall leiten sie ihre Unternehmen in der Regel – anders; aber was macht Unternehmerinnentum denn so konkret aus? Auf dem Panel der IHK für München und Oberbayern gehen drei Expertinnen mit Gabriele Lüke ins Gespräch. Sie reflektieren ihre funktionelle und repräsentative Verantwortung und erzählen unter anderem, was das Dasein als Unternehmerin ihnen beigebracht hat in puncto Kommunikation, Flexibilität – und Risikobereitschaft.

Thema
Wirtschaft, Arbeit & New Work | Existenzgründung & Unternehmertum

Angaben zu den Referentinnen
Dr. Gabriele Lüke ist in der IHK für München und Oberbayern als Referentin für die Themenbereiche Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Frauen in der Wirtschaft, Betriebliches Gesundheitsmanagement sowie Menschen mit Behinderung in der Arbeitswelt tätig. Zudem arbeitet die promovierte Slawistin als freiberufliche Journalistin. Zu ihren Schwerpunktthemen gehören Mittelstandsthemen, darunter auch das Thema Nachhaltigkeit.

Petra Göckel, Gründerin der ADJUVA Treuhand GmbH in 2012, Dipl.-Kffr, Steuerberaterin, Wirtschaftsprüferin, Fachberaterin für internationales Steuerrecht, Unternehmerin seit 1999, Tätigkeitsschwerpunkte sind Unternehmenssteuerecht, steuerliche Planung und Gestaltung, Internationales Steuerrecht, Umsatzsteuer und alle Führungsaufgaben im Unternehmen. Göckel ist Mitglied bei der International Fiscal Association, im Verband deutscher Unternehmerinnen, der IHK Vollversammlung, im Export Club Deutschland und anderen. Sie ist leidenschaftliche Unternehmerin, politisch engagiert und Netzwerkerin. Ihr Motto: Jeder Tag gibt einem die Chance, etwas zu verbessern.

Dr. Denise Amrhein, Wohnsitz und berufliche Tätigkeit in Beilngries, Hotel Fuchsbräu (elterlicher Betrieb) // seit 2008: ‎Geschäftsführerin und Inhaberin Fuchsbräu Hotel GmbH und Fuchsbräu Hotel Verpachtung GmbH &Co KG; ‎mittlerweile gehören zur Fuchsbräu Hotel GmbH zwei Hotels (Fuchsbräu und Post Berching) mit mehr als 70 ‎Mitarbeitern: Aktuell beschäftigt die Fuchsbräu Hotel GmbH 18 Azubis, der Frauenanteil im Betrieb ist sehr hoch, ‎alle Abteilungen außer der Küche in beiden Hotels werden von Frauen geführt ‎
Privat: verheiratet mit Christian Amrhein, drei Töchter (die Zwillinge Carla und Lena geb. 2001 und Franka geb. ‎‎2006) // Mitglied bei: FC Beilngries Triathlon, Lions Club Beilngries, VdU Bayern Süd //Ehrenämter: IHK ‎Tourismusausschuss, IHK Regionalausschuss Eichstätt, BHG Kreisstelle Eichstätt, 3.Kreisvorsitzende

Anke B. Mainz ist Münchnerin, Expertin für Immobilien und spezialisiert auf Familienunternehmen: Anke B. Mainz entdeckte ihre ‎Leidenschaft für Immobilien bereits 1998 bei der Stadtsparkasse München, heute ist sie Gründerin und ‎Geschäftsführerin von whitebox Unternehmensberatung. Nach ihrem Studium in den USA, England, Spanien und ‎Deutschland und mit viel Erfahrung als Projektentwicklerin und -managerin in Führungspositionen bei mehreren ‎mittelständischen Immobilienentwicklern (u.a. der ECE Projektmanagement m.b.H. & Co. KG der Familie Otto in ‎Hamburg) gründete sie 2017 ihr eigenes Unternehmen. Ihre Inspiration: Eine Unternehmensnachfolgerin in der 4. ‎Generation, die ihr klar machte, dass sie sich voll und ganz ihrem Herzensthema – der Immobilienberatung für ‎Familienunternehmen.

Über den Podcast der herCAREER: Sie sind hier richtig, wenn Sie diverse und vor allem weibliche Perspektiven auf arbeitsmarkpolitische, gesellschaftliche und wissenschaftliche Themen hören wollen. Lernen Sie dabei von Role Models, Expert:innen und Insidern und nehmen Sie wertvolle Anregungen für Ihre eigene Karriereplanung mit. Mit herCAREER Voice fangen wir vielfältige Sichtweisen ebenso wie ganz persönliche Einblicke und Erfahrungen spannender Frauen ein – von der herCAREER-Expo live und aus der herCAREER-Community.

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Der Vortrag wurde im Rahmen der Messe herCAREER-Expo 2021 aufgezeichnet und steht Ihnen nachfolgend als Podcast zum Download zur Verfügung.

00:00:08-8 Moderation: Herzlich willkommen zum herCareer Voice Podcast. Sie sind hier richtig, wenn Sie diverse und vor allem weibliche Perspektiven auf arbeitsmarktpolitische, gesellschaftliche und wissenschaftliche Themen hören wollen. Lernen Sie dabei von Rolemodels, ExpertInnen und Insidern und nehmen Sie wertvolle Anregungen für Ihre eigene Karriereplanung mit. Mit herCareer Voice fangen wir vielfältige Sichtweisen ebenso wie ganz persönliche Einblicke und Erfahrungen spannender Frauen ein. Von der herCareer Expo live und aus der herCareer Community.

00:00:42-0 Moderation: Die These für heute lautet, Frauen sind die besseren Unternehmerinnen. Auf jeden Fall leiten sie ihre Unternehmen in der Regel anders. Aber was macht Unternehmerinnentum denn so konkret aus? Auf dem Panel der IHK für München und Oberbayern gehen drei Expertinnen mit Gabriele Lüke ins Gespräch. Sie reflektieren ihre funktionelle und repräsentative Verantwortung und erzählen unter anderem, was das Dasein als Unternehmerin ihnen beigebracht hat in punkto Kommunikation, Flexibilität und Risikobereitschaft. Es diskutieren Steuerexpertin und Wirtschaftsprüfungs- und Finanzunternehmerin Petra Göckel, Immobilienberaterin für Familienunternehmen Anke B. Mainz und Denise Amrhein, unter anderem Geschäftsführerin der Fuchsbräu Hotel GmbH.

00:01:38-7 Gabriele Lüke: Ich würde meine Mitstreiterinnen gerne bitten, sich kurz vorzustellen. Kurz zur Person, zu ihrem Unternehmen, die sie führen und schließlich am Ende, um ins Thema reinzukommen, kurz zwei, drei Sätze zu Ihrer unternehmerischen Vision.

00:01:53-4 Petra Göckel: Dann darf ich anfangen. Liebe Gabi du hast es ja schon vorgestellt, mein Name ist Petra Göckel, ich bin Gesellschafter, Geschäftsführerin der Adjuva Treuhand GmbH. Wir sind eine Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. Konzentrieren uns auf kleinere und mittlere Unternehmen mit einer starken internationalen Ausrichtung und da ist das Wort Vision ein großes Wort. Aber ich habe mir natürlich Gedanken darüber gemacht im Vorfeld und vielleicht ist Vision nicht das richtige Wort, aber man hat natürlich eine gewisse Vorstellung darüber, wie sich der Markt, wie sich die Mitarbeiter, wie sich die Rahmenbedingungen verändern und man muss natürlich sein Unternehmen darauf ausrichten. Da ist eine Steuerberatungs-, Wirtschaftsprüfungsgesellschaft mit Sicherheit nicht anders als ein anderes Unternehmen. Und wir sehen ja gerade in der Digitalisierung, im Fachkräftemangel und auch in den Rahmenbedingungen was das Steuerrecht angeht, Herausforderungen und Veränderungen und da ist natürlich das Thema, wie kann ich mein Unternehmen darauf ausrichten, dass diese Herausforderungen möglichst gut sowohl kurzfristig aber auch mittelfristig bewältigt werden, weil ich muss ja jetzt schon quasi Zeichen setzen, dass die Mitarbeiter sich in die richtige Richtung entwickeln, dass die Mandanten sehen, dass wir auch nach vorne gehen und was neues schaffen. Und ich glaube, das könnte man als Vision schon zusammenfassen, dass die Idee ist, wie richte ich das Unternehmen strategisch drauf aus für die Zukunft. Dann darf ich weitergeben.

00:03:14-8 Anke Mainz: Danke schön Petra. Ich bin Anke Mainz und wir von Whitebox Unternehmensberatung beraten und begleiten Familienunternehmen in allen Themen der Immobilien. Und was immer stärker auch dazukommt ist, dass wir coachen oder als Mentor zur Verfügung stehen von Nachfolgerinnen, insbesondere von Familienunternehmen, wenn die die Aufgabe übernommen haben, das Immobilienportfolio des Unternehmens/der Familie, das lässt sich ja nicht immer ganz trennen, zu managen. Visionen habe ich ganz ganz viele, hätte jetzt schön mein Visionboard mitbringen können und irgendwie hier aufhängen oder einspielen. Von meinem Führungsstil oder das, was ich,… Führung ist ja jetzt eh sehr auch gerade im Wandel, dass man sagt, es geht weg von dieser klassischen Führung und mehr zum Leadership hin, dass ich wirklich sage, ich bin diejenige, die voraus geht und lade meine Mitarbeiterinnen, meine Kunden ein, diesen Weg mitzugehen. Dieses Zitat von der Studie trifft auf das, was ich in meiner Vision, was den Führungsstil jetzt betrifft, trifft es sehr sehr gut, mehr auf die weiblichen Qualitäten und nicht so auf die männlichen Qualitäten des Führungsstils zu setzen. Ich komme aus der institutionellen Immobilienbranche, die doch sehr männlich geprägt ist und da ganz bewusst zu sagen, ich habe die Vision, eher auch einen weiblichen Führungsstil, wo eben Intuition ein ganz großes Thema ist, ja zuzulassen oder den Mut zu haben, für mich selber den Weg zu gehen. Sonst als Unternehmen an sich habe ich die Vision, dass alle Familienunternehmen in Deutschland oder alle Nachfolgerinnen in Deutschland wissen, dass es eine Option gibt mit ihren Immobilien und sie sich da beraten lassen und dann sehen, was für sie und ihr Unternehmen und ihre Familie der beste Weg ist.

00:05:47-1 Gabriele Lüke: Vielen Dank. Frau Amrhein.

00:05:47-0 Denise Amrhein: Ja, mein Name ist Denise Amrhein, ich führe ein Familienbetrieb im Altmühltal in Beilngries. Gehört noch zu Oberbayern. Ich habe eigentlich für die Hotellerie ein bisschen ein ungewöhnlichen Werdegang. Ich habe zunächst in München BWL an der LMU studiert und dann an der TU München, auch am betriebswirtschaftlichen Lehrstuhl promoviert, war auch einige Jahre dann in München als Unternehmensberaterin tätig und dann kam eigentlich relativ zeitgleich zwei wirkliche wichtige Faktoren zusammen. Mein Vater hat also sehr konkret die Nachfolgefrage gestellt, ob wir, also meine Schwester und ich, den Betrieb übernehmen wollen und ich hatte zu dem Zeitpunkt gerade Zwillinge bekommen und mit Zwillingen oder überhaupt mit Kindern Unternehmensberaterin sein und da immer durch die Gegend fahren, eigentlich oft unter der Woche gar nicht daheim zu sein, war ja definitiv keine Option. Und so habe ich mich dann eigentlich, ohne jetzt da spezifisch für Hotellerie vorgebildet zu sein, wirklich entschlossen, nach Hause zu gehen und den Betrieb zu übernehmen und habe auch sehr schnell festgestellt, das war das erste eigentlich, wie gut sich das vereinbaren lässt, wenn man ein eigenes Unternehmen hat, dass man Familie und Beruf unter einen Hut bringt, weil es einfach auch sehr viele persönliche Freiheit ist, die man hat und die man dann einfach auch in der ganzen Arbeitszeitgestaltung, wann macht man was, man ist auch niemandem Rechenschaft schuldig, wenn mal ein Kind krank ist, dann kann man entweder spontan daheim bleiben oder was ich auch mal gemacht habe, mein Kind mit ins Hotel nehmen und im Hotelzimmer untergebracht, weil es ein wichtiger Termin war, wo es krank war. Also solche Sachen kann man einfach nur, wenn man selbstständig ist. Und aus diesen ersten Jahren mit Familie und Beruf ist dann eigentlich immer mehr auch der Ansatz gekommen, dass man auch sehr mitarbeiterorientiert führt. Ich musste mich von Anfang an eigentlich auf unsere wirklich guten Mitarbeiter verlassen. Habe von Anfang an sehr viel delegiert, habe auf die vertraut, habe sehr teamorientiert geführt. Und das ist eigentlich das, wo jetzt im Grunde genommen, finde ich, die Vision entstanden ist, dass es durchaus möglich ist, in so einer Branche, wie Hotellerie und Gastronomie, einen Führungsstil zu haben und auch ein Unternehmen in der Außendarstellung zu haben, wo sichtbar ist, dass es den Mitarbeitern gut geht, dass es den Gästen gut geht. Einfach ein bisschen ein anderer Fokus, dass die Mitarbeiter lange da sind. Wir haben sehr viele Frauen in Führungspositionen, die auch Familie haben. Also einfach auch so ein Zeichen zu setzen, es ist möglich. Und ich würde einfach sagen, unsere Vision ist es, wir haben mittlerweile zwei Hotels, also wir haben uns dann auch noch vergrößert, dass wir eigentlich in dem Dreieck Nürnberg, Regensburg, München das beste inhabergeführte Hotel sind, aber eben nicht nur für Gäste, sondern auch als Arbeitgeber einfach ein Zeichen setzen können, hey da lohnt es sich zu arbeiten, da macht arbeiten Spaß, das sind die Bedingungen. Und eigentlich so auch für die ganze Branche irgendwo zu zeigen, dass Hotellerie und Gastronomie wirklich halt super super tolle Branchen sind.

00:09:18-5 Gabriele Lüke: Vielen Dank, ich finde, da sind schon ganz viele spannende Stichworte gefallen. Digitalisierung, Ausrichtung auf die Zukunft, Fachkräftesicherung, weiblichere Führungspolitik oder wie Sie gesagt haben, eine ganz spezifisch mitarbeiterorientierter Führungsstil bzw. auch Wachstum als Vision. Man hat die Vision, man hat sie entwickelt, aber man muss sie auch umsetzen. Wie machen Sie das konkret? Bildet man ein Team, zieht man vielleicht Stakeholder mit dazu, Lieferanten, Lieferantinnen, Partner, Partnerinnen, wie macht man das in der Praxis? Geben Sie uns doch einfach mal Beispiele, damit wir uns vorstellen können, wie am Ende die Vision auch Wirklichkeit wird. Frau Mainz.

00:09:55-4 Anke Mainz: Also bei mir ist es in der Tat so, dass ich mich in dem Prozess der Umsetzung der Visionen unterstützen lasse. Ich bin selber in drei Coachings in unterschiedlichen Bereichen sozusagen und habe auch selber eine Coaching-Ausbildung absolviert für unternehmensinternes Coaching, so dass ich diese Prinzipien also nicht nur von dem was ich selber für mich erfahren habe in meinen Coachings durch meine Ausbildung auch an die Mitarbeiter weitergeben kann. Dann ist es bei den Themen, die ich habe, wirklich so, dass es sehr sehr viel von der Umsetzung damit beginnt zu sagen, das will ich wirklich machen und das ziehe ich auch durch. Dass es letztendlich bei mir beginnt zu sagen, ich setze es um und ich mache das und ich gehe den Weg und da wären wir eben dann auch wieder bei der Verantwortung, deswegen passen diese zwei Themen wirklich sehr gut zusammen.

00:10:55-8 Gabriele Lüke: Also Commitment von oben ist ganz wichtig, Sie als Geschäftsführung sagen, ich will den Weg gehen und dann binden Sie eben interne und externe Partner und Partnerinnen mit ein?

00:11:02-2 Anke Mainz: Genau.

00:11:05-2 Denise Amrhein: Also bei uns ist es eigentlich, da kommt später auch noch eine Frage, aber es ist eine Mischung, also so richtige Visionsentwicklung das habe ich tatsächlich auch mal gemacht mit externer Unterstützung, aber ich habe jetzt schon mehrfach festgestellt, dass sich dann trotzdem sehr kurzfristig und sehr flexibel ganz andere Konstellationen ergeben. Manchmal kommen die Situationen auf einen zu und man muss sie einfach ergreifen und was draus machen. Also ich finde, das wichtigste ist, das gehört einfach auch dazu, dass man aufgeschlossen ist, bereit für neues, auch im Team eine Innovationskraft hat. Und bei uns ist es jetzt echt eine Mischung. Wir haben wirklich einmal im Jahr mit unseren Führungskräften eine Jahreszielplanung, wo wir auch immer wieder die Vision kurz projizieren und sagen, wo stehen wir, sind wir noch auf dem Weg? Aber dann haben sich jetzt gerade über Corona, aber eigentlich auch schon mit dem zweiten Hotelprojekt, das war überhaupt nicht geplant. Also es kommen dann oft Situationen auf einen zu, da kann man sich so oder so entscheiden, aber das ist absolut wegweisend, wie es dann mit einem Betrieb weitergeht. Man kann da risikoscheu sein und lieber so weitermachen wie immer oder seinen Weg entsprechend der Planungen oder man sagt, Mensch das mache ich jetzt anders, das ergibt sich gerade und stellt dann sehr kurzfristig um. Und so ist bei uns die Mischung.

00:12:34-8 Gabriele Lüke: Das finde ich auch einen schönen nutzwertigen Tipp, einfach zu sagen, ich muss auch flexibel sein. Wenn ich das jetzt total bissig durchziehe, bringt es das letztendlich auch nicht, weil das führt auch zur nächsten Frage, ich muss ja auch meine Mitarbeiter einbinden und meine Mitarbeiterinnen, ich kann es ja nicht alleine machen. Und Vision bedeutet auch immer Veränderung und nicht jeder ist veränderungsbereit. Ich muss also überzeugend sein und dann, wie Sie sagen, eben auch flexibel.

00:12:56-9 Petra Göckel: Aber das ist für mich jetzt ein echt gutes Stichwort, weil das hätte ich in der Umsetzung der Vision sowieso als erstes genannt. Bei uns ist es ja so, dass der Bereich fachliche Anforderung steigt, weil Standardarbeiten immer mehr automatisiert werden und auch die technische Anforderung an die Mitarbeiter steigt. Also müssen die sich ganz anders weiterbilden, sowohl fachlich als auch technisch. Und an der Stelle kann ich nur nach vorne gehen in der Kanzlei, wenn ich die Mitarbeiter von Punkt A gleich mitnehme und ihnen erkläre, warum das für ihre eigene berufliche Zukunft nicht nur innerhalb unserer Firma, sondern generell, absolut notwendig ist, sich da sowohl fachlich als auch technisch weiterzuentwickeln. Und beim Technischen habe ich natürlich den Vorteil, dass meine Mitarbeiter deutlich jünger sind als ich und die mir da auch viel mehr Input reingeben können, als ich vielleicht das von oben her machen könnte und von daher ist es eine fruchtbare Situation von beiden Seiten her. Und ich halte es gerade in den jetzigen Zeiten auch für echt wichtig, dass man den Input von unten mitnimmt, weil ansonsten bleiben wir stehen.

00:13:56-4 Gabriele Lüke: Das finde ich auch ein wichtiges Stichwort wirklich in Bezug auf die Einbindung der Mitarbeiter, wirklich top-down und bottom-up beides, also dass man tatsächlich aufeinander zugeht und voneinander lernt und dann sozusagen dieses lebenslange Lernen auch hierarchieübergreifend etabliert. Sehr spannend. Sie haben es schon angesprochen, Visionen muss man ja dann auch weiterentwickeln. Wie macht man wiederum das? Man kann natürlich mal eine Auszeit nehmen, ans Meer oder in die Berge fahren, man kann sich ins stille Kämmerlein zurückziehen, man kann netzwerken und ins Team gehen. Sie haben von Führungskräfteseminaren gesprochen, wo Sie sich zusammensetzen und einfach mal austauschen, wo stehen wir, wo wollen wir hin. Machen Sie das ähnlich oder?

00:14:35-9 Anke Mainz: Das machen wir auch und ich würde sagen, es ist dennoch auch noch ein laufender Prozess. Also dass die Veränderungen oder der Wachstum laufend ist und jetzt nicht nur zu festen Tagen, wo wir sagen, wir nehmen uns eine Auszeit und fahren irgendwo hin und haben Strategietage oder so.

00:14:59-8 Gabriele Lüke: Also so was gibt es schon, Strategietage, aber auch so ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess?

00:15:03-1 Anke Mainz: Das gibt es absolut, aber es ist schneller oder es ist ongoing und nicht nur zu den Strategietagen. Und das merkt man insbesondere bei so Themen wie, also die geschrieben sind wirklich, Webseite oder so, wieviel schneller wir uns entwickeln wie das, was wirklich mal aufgeschrieben ist, so schnell kann man seine Webseite gar nicht immer umändern als unsere Entwicklung ist, momentan zumindest.

00:15:28-4 Gabriele Lüke: Und das heißt, auch bei Ihnen ist es hierarchieübergreifend, die Mitarbeiterinnen, Mitarbeiter können auf Sie zukommen, einen guten Vorschlag machen, das wird offen aufgenommen?

00:15:35-7 Anke Mainz: Absolut ja.

00:15:40-1 Denise Amrhein: Also bei uns ist es zum Beispiel auch institutionalisiert, wöchentlich ein Jour Fixe und da kommen oft schon so gute Ideen, also das ist eigentlich so ein komplett offenes Format, wo jeder einfach mit Themen kommen kann, die gerade aktuell sind und das sind oft wirklich total operative Sachen, aber manchmal sind es auch Sachen, die dann sich zu was viel größerem entwickeln, was man auch irgendwann mal auf diesem Dienstags- oder Mittwochsmeeting besprochen haben und ich würde sagen, generell ist wahnsinnig wichtig, in einem guten Austausch mit den Mitarbeitern zu sein, dass es auch jederzeit möglich ist, wenn die Ideen entstehen, dass man die sofort besprechen kann und dann auch sofort umsetzen kann und nicht auf die nächste Zielplanung wartet. Also ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass das Schriftliche oder irgendwas groß auch in einer bestimmten Struktur dann niederzuschreiben, das ist das gute Stück Papier, das landet in irgendeiner Schublade, die wichtigsten Sachen behält man zwar eh im Kopf, aber es ist ganz wichtig, dass man da immer dranbleibt und wirklich auch unter dem Jahr sich austauscht und auch unter dem Jahr noch anpasst.

00:16:53-3 Petra Göckel: Ja, ich wollte ergänzen, dass für Mitarbeiter, da stimme ich dir völlig zu, dass das ein konstanter Prozess ist, weil nicht nur einmal im Jahr Ideen entwickelt werden. Aber was ich noch ergänzen wollte ist, für mich Input auch ist ganz wichtig netzwerken außerhalb der Firma und Input von außerhalb der Firma zu holen. Sei es in den entsprechenden Berufsverbänden, ich bin in der internationalen Organisation für Steuerberater und Wirtschaftsprüfer, wo ich ein bisschen die internationalen Entwicklungen nicht nur fachlich, sondern auch wo geht dort der Beruf hin, miterlebe. Und auch jetzt bei der IHK oder beim Verband deutscher Unternehmerinnen andere Unternehmer und Unternehmerinnen, die von ihren Seiten was berichten, das dann auch für mein eigenes Unternehmen entsprechenden Input haben kann. Sicher mit anderen Branchen andere Schwerpunkte, aber trotzdem man kommt zurück und bringt halt einen Input mit, der dann im Team besprochen wird, was kann man dann irgendwo umsetzen und nach vorne bringen.

00:17:47-7 Gabriele Lüke: Also tatsächlich über den Tellerrand schauen, nicht nur im Betrieb, sondern auch darüber hinaus und dann insbesondere die Netzwerke anzapfen, einfach voneinander lernen, sich in einen guten Austausch begeben. Nun haben wir seit anderthalb Jahren eine Pandemie, die vieles verändert hat. Ist Ihnen die ein oder andere Vision, das ein oder andere Ziel verhagelt worden oder ist vielleicht durch die Pandemie auch was neues entstanden, womit Sie gar nicht rechnen konnten? Also es gibt ja immer diese Ambivalenz. Wie war das bei Ihnen? Sie haben genickt.

00:18:19-2 Denise Amrhein: Ja, also bei uns war wirklich beides und es war auch ein absolutes von wirklich ganz hoch erst mal tief runtergefallen, aber dann eigentlich sehr schnell Fuß gefasst und wir haben tatsächlich neue Geschäftsfelder. Also wir haben am Anfang einfach mit ToGo-Business angefangen, was ja sehr viele gemacht haben, wir haben es aber nach wie vor und es läuft auch nach wie vor. Und aus diesem ToGo-Geschäft ist dann draus geworden, dass wir der größten Firma am Ort die komplette Mittagsverpflegung jetzt mitmachen. Und das passt, wir mussten da nicht mal neue Mitarbeiter einstellen, weil die kriegen ihr Essen schon vor 12 Uhr und im Restaurant geht es sowieso erst nach 12 Uhr richtig los. Also beißt sich das überhaupt nicht. Das liefern wir denen hin. Wir sind über dieses Thema dann auch ganz stark in diese Mehrwegthematik reingekommen. Also alle unsere ToGo-Essen kommen jetzt mit Mehrweg, das hat einen unheimlich positiven sozialen Effekt auch gehabt. Also wir haben eine richtige Fangemeinde auch von Abholern entwickelt und sind eigentlich auch dieses Jahr, obwohl dann das Restaurant wieder angefangen hat, vermehrt als Caterer gebucht worden, also wo auch große Firmen ihr Firmenfest, damit sie ja keine Auflagen jetzt erfüllen müssen, es war ja jetzt bis zuletzt trotzdem noch recht streng, dann haben wir einfach Firmenfeste am Firmenhof mit gecatert. Große Hochzeiten im eigenen Garten gecatert und da werden wir mit der Zeit immer professioneller. Und es wird auch für die Zukunft jetzt einfach auch noch ein Standbein sein, dass wir Catering einfach jetzt auch können. Und das zweite ist, ich war überrascht, wie sehr wir profitieren von dem Trend Urlaub im eigenen Land. Wir sind ja eigentlich ein sehr seminarlastiges Hotel, sehr viele Geschäftsreisende. Vor zwei Jahren war der August noch ein wirklich ruhiger Monat, weil keine Tagungen im August sind. Und jetzt plötzlich letztes Jahr schon und eben auch dieses Jahr hatten wir so dermaßen viele Urlauber wieder im Altmühltal und wir sind richtig also wieder in dieses, so wie das Altmühltal auch groß geworden ist, Radfahrer, Kanufahrer, Wanderer und das Haus konnten wir wirklich komplett voll auslasten mit Urlaubsgästen. Es war wirklich überraschend und es ist eigentlich auch ein positiver Effekt. Das wird uns auch bleiben, dass es attraktiv ist, im eigenen Land zumindest einen Kurzurlaub zu machen.

00:20:51-7 Gabriele Lüke: Total spannend, also wirklich zwei neue Geschäftsideen. Und auch was Sie am Anfang gesagt haben, darauf zahlt das ja auch noch mal ein, wirklich, man hat eine Vision, aber man muss auch flexibel umschwenken können, wenn der Weg dann vielleicht nicht mehr gangbar ist und in dem Fall auch offen sein für neues und das dann aufnehmen. Ist es Ihnen ähnlich ergangen, haben Sie auch Erfahrungen in diese Richtung?

00:21:09-4 Anke Mainz: Also uns war Corona positiv, was die Vision betrifft, wir haben also von der Führungsstruktur, die im Ganzen, das hatte ich davor auch schon, durch Corona und gerade letztes Jahr März/April, dass es doch mal ruhiger wurde erst mal, ich mehr Zeit hatte, mich wirklich auf mich und die Firma zu besinnen und nicht nur auf das operative Tun, und ich dann dadurch auch den Mut hatte zu sagen, damit mache ich das und damit gehe ich.

00:21:45-5 Gabriele Lüke: Also auch noch mal ein wichtiges Stichwort, in dem ganzen operativen Alltag, den man als Unternehmerin hat, dann einfach mal durchschauen zu können und zu gucken, wo will ich denn eigentlich noch mal hin und wo ich kann vielleicht auch noch mal ein paar Sachen feinjustieren, die ich mir schon vorgenommen habe.

00:21:55-7 Anke Mainz: Also von dem her war diese Pause sehr positiv, weil wir dadurch mit dieser neuen Vision wirklich durchgegangen sind und gesagt haben, so machen wir das.

00:22:05-6 Gabriele Lüke: Können Sie auch noch eine Idee vielleicht nennen, die entstanden ist in dieser Zeit, wo Sie sagten, da machen wir uns jetzt ran? Sie haben ja auch schon von mehr weiblicher Führung gesprochen als Teil Ihrer Vision.

00:22:15-7 Anke Mainz: Genau, also das war jetzt, also ich habe gesagt, in dem Vortrag beschränke ich mich jetzt auch auf den Part und das war ein sehr sehr großer. Wirklich zu sagen, wir ziehen das durch und wir lassen uns auch einmal, also mit Mitarbeitern zum einen, aber auch bei Auftraggebern, bei Kunden, bei Projekten, bei Themen, die wir bearbeiten wollen, das eben so durchzuziehen.

00:22:40-6 Gabriele Lüke: Da einfach noch mal tiefer reingehen, vertiefen.

00:22:42-5 Anke Mainz: Ja.

00:22:43-6 Gabriele Lüke: Frau Göckel.

00:22:44-4 Petra Göckel: Also bei uns hat es, glaube ich, wie bei vielen Unternehmern, vor allem die Digitalisierung noch mal richtig beschleunigt, das war eh schon ein Thema bei uns. Aber wir haben dann wirklich jeden Prozess noch mal durchgeguckt, ob das ein interner oder ein externer Prozess ist, ob das bei der Jahresabschlusserstellung oder bei der Erstellung von Steuererklärungen noch mal zu überprüfen, gibt es da ein Tool, das uns digital weiterhilft, weil wir auch relativ schnell Mitarbeiter ins Homeoffice geschickt haben. Und naja den Pendelordner von Mandanten, den man von früher, er ist dann nach Hause, da ist kein Datenschutz dahinter, das funktioniert so nicht. Und da konnten wir noch mal ordentlich beschleunigen und man hat auch gemerkt, dass … na Akzeptanz ist zu wenig, sondern das Mitwirken der Mitarbeiter an diesen Prozessen, dass die Begeisterung dafür größer geworden ist, weil sie gemerkt haben, dass sie im Homeoffice auch viel besser und sinnvoller arbeiten können und dass das einfach auch zweckmäßig ist. Und von daher war das schon ein positiver Effekt. Ich meine, als Steuerberater und Wirtschaftsprüfer hatten wir jetzt umsatzmäßig kein echten Einschränkungen, da war es im März mal ein bisschen ruhig, weil alle irgendwie in der Schockstarre waren, aber wir hatten sonst keine größeren Einbrüche.

00:23:52-6 Gabriele Lüke: Also Digitalisierung, aber auch eben noch mal Vision in Richtung Mitarbeiterführung, neue Möglichkeiten, new work und da einfach noch mal zu schauen, was kann man denn …

00:24:00-3 Petra Göckel: Homeoffice ist in dem Bereich unglaublich gut umsetzbar. Was uns da eher eine Restriktion ist, ist der Gesetzgeber, der die Arbeitszeiten sehr starr geregelt hat. Aber die Mitarbeiter können Homeoffice sehr sehr gut bei uns machen, weil man eigentlich fast alles digital erledigen kann und die Technik erlaubt es inzwischen auch sehr gut.

00:24:19-9 Gabriele Lüke: Ich finde es auch noch mal schön zu zeigen über Ihre Beispiele, wie groß eigentlich eine Vision oder wie unterschiedlich Visionen sein können. Dass es was ganz operatives sein kann, dass es was strategisches sein kann, dass es aber auch wirklich was sein kann auf der Ebene Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Diversity, Gesundheit oder was auch immer. Also dass es sehr sehr vielfältig ist und dass man vielleicht auch immer mal wieder dann Aspekte der Vision verändert. Wir haben aber noch ein zweites wichtiges Stichwort, über das wir diskutieren wollen und das ist eben das Stichwort Verantwortung. Da haben Sie im Grunde auch schon übergeleitet in Ihren Antworten, aber auch da noch mal so die Grundsatzfrage am Anfang. Was ist Verantwortung für Sie, wie übernehmen Sie sie, mit welchen Maßnahmen? Vielleicht zunächst mal so ein bisschen Betriebsinterna.

00:25:03-3 Denise Amrhein: Also grundsätzlich habe ich mir bei der Frage gedacht, was heißt Verantwortung eigentlich? Also ich sehe es so, Verantwortung ist, ich bin zuständig, es liegt an mir, ich kann entscheiden, und ich habe auch die Freiheit, so oder so zu entscheiden, aber ich muss halt auch mit der Entscheidung, die ich getroffen habe, oder mit dem Handeln, was ich gemacht habe, das liegt dann auch an mir. Aber ich sehe eigentlich eher das gestalterische, auch die freiheitliche Entscheidung im Vordergrund, und es ist ja auch oft so, dass man Verantwortung so definiert, wenn irgendwas schief gelaufen ist, dann ist irgendjemand verantwortlich und keiner möchte dafür verantwortlich sein. Und das ist es für mich eigentlich nicht. Wenn ich eben Verantwortung übernehme und das erwarte ich auch von den Mitarbeitern, dann übergebe ich damit Entscheidungsfreiheit oder ich habe die Entscheidungsfreiheit und ich mache das Beste draus. Und wenn dann auch mal was schief geht, dann trage ich dafür die Verantwortung, aber mir wird der Kopf nicht abgerissen und es geht immer weiter und nur aus Fehlern lernt man. Also das mal vorweg, was ich eigentlich unter Verantwortung verstehe. Und ich finde, ich habe für mich selber Verantwortung, ich habe es für meine Familie und ich habe es für den Betrieb, den ich habe und damit auch für die Mitarbeiter. Also ich sehe das einfach auch, was ich vorher schon gesagt habe, unser größtes Kapital sind die Mitarbeiter, also das macht unseren Betrieb aus. Und ich möchte, dass es denen bei uns im Betrieb gefällt und dass alle so mitziehen und auch dann in dem Rahmen, den sie haben und die haben oft einen großen Rahmen, eben auch die Verantwortung übernehmen. Weitergesponnen ist es dann natürlich auch noch, ich habe Verantwortung auch für die Umwelt und für die Gesellschaft an sich und da muss man einfach so seinen Betrieb führen, dass er nachhaltig ist und dass man eigentlich auch, sage ich mal, ein sozialer Arbeitgeber ist, der gute Bedingungen hat.

00:27:05-2 Gabriele Lüke: Ja, auf den letzten Aspekt würde ich auch später gerne noch kommen, aber ich finde es interessant. Sie haben im Grunde drei Aspekte von Verantwortung, für das Unternehmen und die Mitarbeiter aus Ihrer Sicht der Geschäftsführerin, dann natürlich Delegation von Verantwortung und damit auch Vertrauen in die Mitarbeiter, aber auch, den Aspekt habe ich auch bisschen raugehört, Verantwortung für sich selbst als Person oder? Selbstfürsorge, damit Sie dann am Ende auch diesen stressigen Job als Unternehmerin durchhalten und weiterbringen können.

00:27:30-6 Denise Amrhein: Ja, also das versuche ich auch immer. Manchmal jetzt in letzter Zeit war es wirklich extrem stressig, aber wenn ich dann merke, dass ich jetzt selber mal grantig und genervt bin, dann nehme ich mich dann echt raus. Es gibt schon Mechanismen, wie ich dann wieder zurechtkomme, dann kann auch mal irgendwie und wenn es bloß ein Tag Auszeit ist oder einen Sport zu machen oder sonst was, sich es einfach auch bewusst dann mal gutgehen lassen in dem ganzen Stress, das finde ich, ist auch eine Form von Verantwortung, weil ich merke, hoppla ich muss was dafür tun, dass es mir wieder besser geht.

00:28:06-0 Gabriele Lüke: Und wenn man dann noch Mitarbeiter hat, denen man das vertrauensvoll delegieren kann, umso besser oder, wenn das vorher so eingespielt ist.

00:28:11-2 Denise Amrhein: Bei denen muss ich natürlich dann auch schauen, dass die ihren Tag frei bekommen oder ihren Urlaub kriegen.

00:28:19-8 Gabriele Lüke: Darf ich noch weiter fragen?

00:28:21-5 Petra Göckel: Also ich habe mich mit dem Thema Verantwortung und was ist die Definition von Verantwortung auch auseinandergesetzt und kam zum gleichen Ergebnis, es steht erst mal eine Entscheidung. Eine Entscheidung trifft jemand und dann versucht er mit seiner Entscheidung natürlich seine Sachen richtig und gut und natürlich auch ohne Schaden für andere zu treffen. Ob das jetzt ein Mitarbeiter oder Geschäftsführer oder Inhaber selber ist. Und wir haben natürlich in großem Maße Verantwortung schon berufsbedingt, wir müssen die Aufgaben der Mandanten zeitgerecht und zuverlässig und richtig erledigen, sonst gibt es nämlich Schaden. Wir müssen aber auch auf die Mitarbeiter aufpassen, dass die Verdichtung, die sich durch die Digitalisierung ergibt, der Arbeitszeit. Das ist nicht so ganz ohne. Dass die konzentrierte Arbeitszeit echt zunimmt, ist auch ein echt wichtiges Thema, der Entscheidungsfindung zugunsten zu einer richtigen Entscheidung zu kommen und eine richtige Umsetzung zu machen und eben keinen auch zum Schaden zu gereichen. Ganz wichtiges Thema. Und in der Verantwortung steht derjenige, der entscheidet. Da stimme ich völlig zu.

00:29:32-1 Gabriele Lüke: Aber auch mit einer gewissen Fehlertoleranz, weil jedem können Fehler passieren. Wir haben in Deutschland keine besondere Fehlerkultur. Vermeiden selbstverständlich, so gut arbeiten nach bestem Wissen und Gewissen, gehört das auch dazu zur Verantwortung?

00:29:47-4 Petra Göckel: Also bei uns ist es natürlich so, dass die Termineinhaltung und die fachliche, da ist die Fehlertoleranz nicht allzu hoch.

00:29:56-6 Gabriele Lüke: Das ist klar.

00:29:57-1 Petra Göckel: Da muss ich aber gucken, dass ich entsprechend Kontrollen einziehe, dass das vier-Augen-Prinzip gewahrt wird, dass zumindest zwei gemeinschaftlich den Fehler dann vielleicht nicht sehen. Hoffentlich nicht, aber da muss ich einfach dafür Sorge tragen, dass dort die Fehlertoleranz relativ klein ist. Nicht dass keiner keinen Fehler machen kann, sondern durch Kontrollen die Entdeckung größer ist. In anderen Bereichen, muss ich sagen, gibt es natürlich eine Fehlertoleranz, wenn man jetzt sagt, man könnte jetzt irgendwie einen Prozess anders gestalten und alle sagen, das hört sich gut an und stellt sich raus, dass der nachher eben doch nicht sachgerecht ist, dann ist es so, dann muss man halt daran arbeiten, ihn zu ändern.

00:30:35-5 Gabriele Lüke: Und gemeinsam Lösungen finden, genau.

00:30:38-7 Petra Göckel: Also man muss bei Fehlern schon gucken, wo sind die relevanten Fehler, die man wirklich vermeiden muss und wo sind welche, wo man tolerant sein kann.

00:30:43-8 Gabriele Lüke: Ist auch sicherlich nur ein Seitenaspekt, der sich sozusagen gerade ergab. Frau Mainz.

00:30:48-4 Anke Mainz: Das ist jetzt eine ganz spontane Antwort auf die Antwort von der Frau Dr. Amrhein. Die Verantwortung für einen selber, wie wichtig die doch ist. Das will ich in der Tat noch mal unterstreichen. Und was man jetzt leider sehr schnell und leicht vergisst, und das war in der Tat auch so ein Corona-Benefit, dass ich da noch mal sehr sehr überlegt habe, welchen Weg wir gehen. Und das interessante ist ja, dass, wenn man dann den Mut hat, das zu tun, dass es dann viel besser läuft wie davor. Für alle Beteiligten.

00:31:29-3 Gabriele Lüke: Für alle Beteiligten. Sie haben es schon angesprochen, Verantwortung heißt heute natürlich auch ins eigene Unternehmen zu schauen, das haben wir anschaulich beschrieben, aber wir müssen auch darüber hinausschauen. Also ich habe jetzt ein Buch von Eckhard von Hirschhausen gelesen, der gleich von drei Krisen zum Preis von einer sprach. Die Klimakrise, die Gesundheitskrise, die Biodiversitätskrise. Wir sprechen viel über Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Welche Rolle spielt das in Ihrem Verantwortungsgefüge? Und Sie haben schon gesagt, gerade dieses Thema Take Away fand ich sehr spannend, immer das eigene Material mitbringen und sich dann das Catering abholen. Ich nichts desto weniger, was können Sie da noch erzählen, wie fließt das ein in Ihre Entscheidungen und in Ihre Verantwortung?

00:32:09-4 Denise Amrhein: Also ich finde, Nachhaltigkeit heißt auch Denken in Generationen. Und das ist jetzt, wir sind ein echter Familienbetrieb, ich selber bin die fünfte Generation in dem Betrieb und habe auch wieder drei Töchter und natürlich immer in manchen Überlegungen schon eine Rolle spielt, nehmen die mal den Betrieb oder aber auch selbst wenn sie es nicht nehmen, das ist trotzdem eine Form von Betrieb, den wird es auch noch geben. Also Hotellerie und Gastronomie, glaube ich, ist eine zeitlose Branche, weil die Leute brauchen Übernachtungen und die brauchen auch Restaurants, da bin ich absolut sicher und das wird es in 100 Jahren auch noch geben. Und ich finde, nachhaltig ist auch, wenn man sich immer entscheidet, dass man entweder in der Region bleibt, regionale Handwerker, regionale Lieferanten einbindet, auch echte Materialien, wenn man jetzt zum Beispiel was baut, dass man kein Plastik einsetzt, dass man ressourcenschonende Materialien verwendet. Also solche Sachen spielen dann bei mir eine Rolle. Aber nachhaltig ist auch, wenn Mitarbeiter ein Leben lang in einem Betrieb sein können. Also ich sehe das unter vielen Aspekten. Und wenn vielleicht von Mitarbeitern wieder die Kinder das erstrebenswert finden, wieder im gleichen Betrieb wie schon die Eltern vielleicht eine Ausbildung zu machen, auch wenn es altmodisch erscheint, aber ich finde, das ist eigentlich was schönes.

00:33:34-4 Gabriele Lüke: Also wirklich in allen drei Dimensionen, ökologisch, wirtschaftlich, sozial.

00:33:36-3 Denise Amrhein: Ja.

00:33:37-8 Anke Mainz: Ja, da schließe ich mich auch gerne an. Weil einmal hat man den Nachhaltigkeitsaspekt, was man ja gerade im Bau oder in der Immobilienwirtschaft auch sehr kontrovers diskutiert. Und wenn man das jetzt auf das reine Produkt oder auf das, was wir beraten, bezieht, ja sind wir im DGNB, also der deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen, bin ich auch Consultant und wir können in diesen ganzen Aspekten beraten. Und ich möchte auch darauf hinweisen, dass eben das, was uns antreibt, oder das, warum wir unseren Job machen, eben ist, dass die Unternehmen nachhaltig auch ihre Immobilien und ihre Liegenschaften im Familienbesitz halten. Das ist nicht immer möglich, aber wenn es möglich ist, ist das umso schöner. Und nicht an irgendeinen Projektentwickler verkaufen, der es dann ganz schnell billig irgendwie aufbaut und an irgendeinen Fond oder sonstiges verkauft. Und das ist eben auch dieser Nachhaltigkeitsaspekt.

00:34:48-6 Petra Göckel: Also wir sind jetzt als Branche nicht diejenigen, die wahnsinnig CO2 produzieren. Bei der Digitalisierung ist das natürlich ein schöner Nebeneffekt, dass durch Homeoffice Fahrzeiten reduziert werden, durch den Digitalisierungsprozess Papier und Porto und mit Porto natürlich auch die Versendungskosten und den CO2-Ausstoß durch hin und her transportieren von Akten und ähnlichem reduziert wird. Aber es war ja noch ein anderer Gesichtspunkt, nämlich Gesundheit von Mitarbeitern und das hatte ich ja vorher schon mal so ein bisschen angesprochen, wir merken schon, dass die Verdichtung durch die Digitalisierung der Konzentration auf die Arbeit und die Belastung da schon zunimmt. Und da sind wir jetzt gerade dran zu überlegen, wie wir das wieder ein bisschen entzerren. Das ist jetzt mit Homeoffice und Digitalisierung auch echt eine Schwierigkeit, da sind wir jetzt noch nicht zu Ende beim Denken. Aber wir merken, dass wir da was tun müssen, weil das schon die Arbeitsbelastung erhöht.

00:35:45-7 Gabriele Lüke: Ja, ich finde auch, das ist ein wichtiger Aspekt, Nachhaltigkeit hat ja auch eben noch diese soziale Seite. Wie Sie sagen, in der Region einkaufen, soziale Zuliefererbeziehung, aber eben auch wirklich auf den Mitarbeiter schauen, ist er gesund. Und dieses Thema Verdichtung finde ich total interessant. Weil das stimmt, im Homeoffice organisiert man sich noch anders, arbeitet viel noch konzentrierter durch. Und das führt natürlich auch zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen.

00:36:08-5 Petra Göckel: Aber nicht nur im Homeoffice. Wir merken es auch im Büro. Früher ist man zum Briefkasten runter, hat vielleicht noch jemanden getroffen, hat die Post aufgemacht, das war nicht so wahnsinnig konzentriert. Und jetzt sitzt jeder vor seinem Bildschirm und ist unglaublich konzentriert, ob zu Hause oder im Büro ist gar nicht mal so der Unterschied. Man muss irgendwo mehr eine Pausenkultur wieder reinbringen. Aber da sind wir noch nicht so weit, wie wir das gut hinkriegen.

00:36:32-0 Gabriele Lüke: Das ist aber ein interessantes Stichwort, finde ich, also wirklich auch so die Schattenseiten der Digitalisierung im Blick zu halten und zu schauen, wie mache ich das für meine Mitarbeiter gut, dass sie sich wohlfühlen, dass sie entspannt sind, dass sie gut arbeiten und dann ja auch konzentriert arbeiten können, das geht ja nur unter guten Bedingungen. Vielen Dank für die Antworten bis hierhin. Jetzt würde ich gerne noch eine Abschlussrunde mit Ihnen machen. Man hat schon gemerkt, Sie sind leidenschaftliche Unternehmerinnen, Verantwortung, Visionen sind wie wir gesagt haben wichtige Parameter Ihres unternehmerischen Handelns. Wir haben möglicherweise auch Gründerinnen im Publikum. Geben Sie ihnen doch ein bisschen Leidenschaft ab mit einem Statement zum Thema, warum sind Sie eigentlich so gerne Unternehmerin, was ist das Tolle daran, was reizt Sie, warum können Sie sich gar nichts anderes vorstellen als Unternehmerin zu sein?

00:37:16-5 Petra Göckel: Wenn ich anfangen darf.

00:37:17-4 Gabriele Lüke: Gerne.

00:37:18-3 Petra Göckel: Also Denise hat es am Anfang gesagt, dass Verantwortung ja mit Entscheidung zu tun hat. Wir verbringen so viel Zeit am Tag mit arbeiten. Ob man angestellt ist oder Unternehmerin, beide. Aber dass man die Entscheidungsfreiheit hat, einen wesentlichen Teil seines Tages selbst zu gestalten und seine eigenen Ideen umzusetzen, das ist unschlagbar.

00:37:40-6 Anke Mainz: Dem schließe ich mich an, und da Sie ja hier heute alle da sind, ist das die beste Voraussetzung, weil 2016 auf der herCareer habe ich beschlossen, meine Firma zu gründen. Also wenn Sie hier heute auf der herCareer sind, dann sind es die besten Voraussetzungen, dass Sie gründen und Unternehmerin werden.

00:38:02-8 Denise Amrhein: Also ich bin ja zur Unternehmerin geworden, weil die Eltern eben einen Betrieb hatten und ich den übernommen habe, aber ich hätte nie für möglich gehalten, dass es mir auch wirklich Spaß macht. Also ich habe wirklich Spaß an meiner Arbeit, ich finde, das ist eine wunderbare Branche, die mir einfach auch wirklich sehr gut gefällt. Und diese Gestaltungsmöglichkeiten und auch die Entscheidungsfreiheiten, das ist einfach, das möchte ich niemals mehr missen. Und ich kenne auch, zumindest einige Jahre habe ich ja auch als Angestellte gearbeitet, also ich bin jetzt eigentlich richtig erfüllt und damals halt eigentlich, ja kann man nicht vergleichen, wie ein Arbeitstag ausschaut, wenn man selber dafür verantwortlich ist oder wenn man in irgendwelchen Zwängen ist.

00:38:51-2 Gabriele Lüke: Wunderbar.

00:39:00-7 Moderation: Wenn Sie jetzt Lust haben, in die Unterhaltung einzusteigen, dann besuchen Sie uns auf der nächsten herCareer Expo in München und netzwerken Sie zusammen mit tausenden ExpertInnen aus den verschiedensten Branchen und Fachbereichen. Oder fangen Sie gleich von zu Hause aus an, zum Beispiel über www.hercareer-lunchdates.com. Ob virtuell oder im Reallife, wir vernetzen Sie gern. Wenn Sie gerade eine neue Herausforderung suchen, dann probieren Sie unbedingt www.hercareer-jobmatch.com aus. Bei Fragen zum Podcast schreiben Sie uns einfach eine Mail an podcast@her-career.com. Abonnieren Sie den herCareer Voice Podcast auf Apple Podcasts, Spotify oder wo immer Sie Ihre Podcasts hören und empfehlen Sie uns an Ihre liebsten KollegInnen. Alle Episoden gebündelt finden Sie zum Beispiel unter www.her-career.com/podcast. Wir sind glücklich und stolz, dass Sie ein Teil der herCareer Community sind. Danke, dass Sie anderen zuhören, um uns alle weiter zu bringen. So klingt female Empowerment.