„Micromanagement führt nicht weit und nimmt gerade sehr guten Teammitgliedern die Motivation.“

Vom Start-up zum Mittelständler

In jungen Unternehmen mit schneller Wachstumsgeschwindigkeit kommt irgendwann der kritische Punkt: Abläufe, Strukturen, Systeme sind nicht mehr ausreichend für die erzielte Unternehmensgröße und müssen verändert werden. Wie sieht Projektmanagement in einem solchen Kontext aus? Was sind die wichtigsten Erfolgsfaktoren? Wie erzielt man die richtige Balance in Projekten aus notwendigen Strukturen einerseits, Freiheitsgraden und einer „kreativen“ Führungskultur andererseits? Darum soll es im MeetUp „Vom Start-up zum Mittelständler: Projekte erfolgreich managen in einer wachsenden Organisation“ gehen, das von Dr. Julia Dittrich, Head of Projects bei windeln.de SE, geleitet wird.

Wie balancieren Sie zwischen Freiheit und Struktur bei windeln.de? Was war ihr wichtigstes Learning in diesem Prozess?

Ich versuche, einige zentrale Eckpfeiler in Projekten von Beginn an sehr klar zu definieren, z.B. was ist der Kundennutzen eines neuen Features, wer ist für welche Themen im Projektteam verantwortlich. Gleichzeitig lasse ich viele Freiheitsgrade in der Umsetzung zu, Micromanagement führt nicht weit und nimmt gerade sehr guten Teammitgliedern die Motivation.
Mein wichtigstes Learning: es sind die alltäglichen und scheinbar kleinen Routinen, z.B. eine Meeting-Agenda, die langfristig helfen Struktur zu etablieren.

 Welche Fähigkeiten haben Ihnen dabei am meisten geholfen?

Die in der Unternehmensberatung erworbenen Kenntnisse sind für mich auch im Startup-Umfeld extrem hilfreich: Lösungsorientierung, Neugier auf Themen, und das Wissen darum: die Entwicklung eines starken Teams hat oberste Priorität.

 Wie finden Sie Unterstützer? Wie bauen Sie Ihr Netzwerk? Wie wichtig sind Mentoren?

Ich bin davon überzeugt, dass man das Finden von Unterstützern oder Mentoren nicht erzwingen kann; es ergibt sich von selbst, wenn man – vielleicht auch zufällig – auf die richtigen Personen trifft und dabei Freude hat.

Wie gelingt es Ihnen, immer am Ball zu bleiben und fachlich auf dem Laufenden?

Am effektivsten ist ein gutes Lunch-Date; darüber hinaus unterrichte ich an der Hochschule und halte so den Kontakt zur Wissenschaft.

Gerade in der Wachstumsphase – wie schaffen Sie das, auch an sich selbst und Familien und Freunde zu denken?

Ich kann einen Vollzeitjob mit der Familie nur vereinbaren, da mein Ehemann und ich uns zu gleichen Anteilen um unsere vierjährige Tochter kümmern. Beide von uns können so Familie und Beruf verbinden – das ist manchmal anstrengend, aber immer erfüllend und deshalb für uns das richtige Lebensmodell.