Zu dick, zu dünn, zu laut, zu schüchtern, zu smart, zu modisch. Frauen müssen sich noch immer mit Vorurteilen auseinandersetzen. Ob im Job, als Mütter/Nicht-Mütter und als Frau per se. Studien belegen zum Beispiel auch, dass das äußere Erscheinungsbild und nicht die Qualifikation die Höhe des Gehalts beeinflusst. Es wird also Zeit, die Diversity-Debatte zu erweitern. Empowerment kann erst stattfinden, wenn Frauen endlich so sein dürfen, wie sie sind. Moderatorin Ingeborg Trampe diskutiert mit Influencerin Tanja Marfo und Journalistin Carolin Matzko über die Erwartungsfalle und Wege sich selbst treu zu bleiben.

Thema

Gesellschaft | Wirtschaft, Arbeit & New Work | Wissenschaft, Technik, Digitalisierung & Technologie | Diversity | Body Acceptance | Body Positivity | Fat Shaming

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Auf dem Panel sitzen heute neben der Moderatorin Ingeborg Trampe, ihres Zeichens Journalistin mit eigener Erotik Kolumne für Frauen ab 47+, zum einen die Plus Size Ikone aus Hamburg: Tanja Marfo. Sie ist Mode-Unternehmerin und Autorin hinter dem Blog „Kurvenrausch“. Zum anderen nimmt Caro Matzko, TV-Journalistin mit einem Schwerpunkt im Bereich Wissen und Gesundheit, an diesem Gespräch teil.

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Redaktion und Produktion: Miku Sophie Kühmel
Moderation: Susanne Klingner

00:00:09-6 Moderation: Herzlich willkommen zum herCareer Voice Podcast. Sie sind hier richtig, wenn Sie diverse und vor allem weibliche Perspektiven auf arbeitsmarktpolitische, gesellschaftliche und wissenschaftliche Themen hören wollen. Lernen Sie von Rolemodels, ExpertInnen und Insidern und nehmen Sie wertvolle Anregungen für Ihre eigene Karriereplanung mit. Mit herCareer Voice fangen wir vielfältige Sichtweisen ebenso wie ganz persönliche Einblicke und Erfahrungen spannender Frauen ein. Von der herCareer Expo live und aus der herCareer Community.

00:00:42-2 Moderation: Heute diskutieren miteinander die Moderatorin Ingeborg Trampe, ihres Zeichens Journalistin mit eigener Erotik-Kolumne für Frauen ab 47 und die Plus Size Ikone aus Hamburg, Tanja Marfo. Sie ist Modeunternehmerin und Autorin hinter dem Block „Kurvenrausch“. Sie sprechen gemeinsam mit Caro Matzko, TV-Journalistin mit einem Schwerpunkt im Bereich Wissen und Gesundheit. Das Gespräch betrifft vermutlich uns alle gleich, weil wir alle Körper haben. Zu dünn, zu dick, zu laut, zu schüchtern, zu smart, zu modisch. Frauen müssen sich immer noch mit Vorurteilen auseinandersetzen, ob im Job, als Mütter, nicht-Mütter und als Frau per se. Studien belegen zum Beispiel auch, dass das äußere Erscheinungsbild und nicht die Qualifikation die Höhe des Gehalts beeinflusst. Es wird also Zeit, die Diversity-Debatte zu erweitern.

Empowerment kann erst stattfinden, wenn Frauen endlich so sein dürfen wie sie sind. Ingeborg Trampe und Tanja Marfo sprechen mit Carolin Matzko über die Erwartungsfalle und Wege sich selbst treu zu bleiben. Denn die beiden haben gemeinsam ein Buch zum Thema gemacht, das heißt „Size egal, dein Selbstbewusstsein kann nicht groß genug sein“ und ist 2020 im Verlag Lübbe Live erschienen.

00:02:11-4 Ingeborg Trampe: Studien in Deutschland zeigen, dass jede fünfte Frau eine Essstörung hat und selbst Normalgewichtige fühlen sich zu dick. 80 Prozent der Frauen sind unglücklich mit ihrem Aussehen und das ist nicht nur ein Thema von jungen Frauen, sondern auch durchaus für die Altersgruppe ab 40 plus. Wer kennt nicht diese Sprüche, für dein Alter siehst du ja echt noch ganz gut aus und hast noch eine ganz tolle Figur. Auch wenn Essstörungen inzwischen bei Jungen ein Problem sind, sind es die Frauen, die stark von Stereotypen geprägt sind, wir sollen schön sein, wir sollen schlank sein, wir sollen selbstbewusst sein, aber bitte nicht zu laut. Wir sollen modisch aussehen und werden dann aber nicht ernstgenommen, wenn wir es unter Umständen sind. Gerade im Job ist das Erscheinungsbild eine Gratwanderung. Wie wir aussehen betrifft nämlich auch interessanterweise unser Gehalt, da gibt es auch Studien drüber, als gut aussehend empfundene Menschen verdienen mehr als solche, die nicht einem bestimmten Ideal entsprechen. Es wird also Zeit, dass wir die Diversity-Debatte erweitern. Empowerment kann eigentlich nur stattfinden, wenn Frauen endlich so sein dürfen wie sie sind und sich selber auch so akzeptieren. Ich habe hier zwei ganz tolle Gästinnen bei mir, nämlich zur Linken Tanja Marfo und zur Rechten Carolin Matzko, Caro, genau. Die beiden haben das Buch geschrieben, was man hier vorne auch sieht, über dieses Buch werden wir natürlich sprechen, aber auch über viele andere Dinge. Ich stelle euch mal ganz kurz vor. Ich kenne Tanja, wie lange haben wir uns gesehen, mal vor drei oder vier Jahren, glaube ich.

00:03:46-4 Tanja Marfo: Ja.

00:03:46-6 Ingeborg Trampe: Dann kam Corona, dann hat man niemanden mehr gesehen. Tanja ist nämlich nicht nur in Hamburg, aber in Hamburg besonders eine richtige Ikone. Unter anderem deswegen, weil sie 2018 ihren Blog „Kurvenrausch“ gegründet hat und in Hamburg die Diversity Fashion Days veranstaltet hat. Also sie ist Bloggerin, Influencerin, Unternehmerin, Freigeist, Macherin, man kann viel über dich sagen und du begeisterst jeden Tag immer wieder neu mit deinem wunderbaren Content deine Follower auf den sozialen Medien. Caro Matzko hat parallel zu ihrem Studium der Kommunikationswissenschaft Politik und Soziologie an der Uni hier in München, als Moderatorin bei der Jugendwelle des SWR angefangen zu arbeiten. Du hast wahnsinnig viele Sendungen gemacht, ich nehme jetzt vielleicht mal zwei raus, zum einen von 2009 bis 2017 bist du zusammen mit deinem Kollegen Gunnar Merkner für Arte im Wissensmobil von Xenius durch die Welt gereist. Ich nenne das deswegen, weil das der Punkt war, wo ihr beide euch auch kennengelernt habt. Und im Moment moderierst du unter anderem mit Hannes Ringlstetters seine Sendung Ringlstetter. Das habe ich zweimal geübt diesen Namen heute Morgen, fand ich schwierig. Genau und ihr beide seid die Autorinnen von „Size egal, dein Selbstbewusstsein kann nicht groß genug sein“.

00:05:14-3 Tanja Marfo: Vielen Dank, für diese nette Vorstellung.

00:05:16-0 Carolin Matzko: Das ist so ein bisschen, als wenn das Leben vor dem Tod an einem vorbeizieht.

00:05:20-1 Ingeborg Trampe: Da gibt es aber, glaube ich, hoffentlich noch mehr zu erzählen. Fangen wir vielleicht an bei dem Punkt, wo ihr euch kennengelernt habt. Ihr habt ja sehr lange zusammengearbeitet während dieser Sendung. Du warst, sage ich mal, glaube ich, Maskenbildnerin, Stylistin von Caro und mich würde interessieren, wie war das so, als ihr euch kennengelernt habt? Also es gibt so eine Stelle in dem Buch, wo du ja beschreibst, Caro war eigentlich alles das, was du gerne sein wolltest. Schlank, schön, freche Schnauze, selbstbewusst.

00:05:52-0 Tanja Marfo: Pipi Langstrumpf.

00:05:53-3 Ingeborg Trampe: Genau. Mich würde mal interessieren, wie war euer gegenseitig, wie habt ihr euch gesehen, als ihr euch kennengelernt habt und wie hat sich das verändert durch diese Jahre sozusagen, die ihr zusammengearbeitet habt?

00:06:06-0 Tanja Marfo: Also ich glaube, vor allen Dingen interessant ist, wie wir uns damals selbst gesehen haben und heute vielleicht auch sehen. Ich habe Caro als sehr sehr laut, witzig, sehr manchmal, wie sie es auch heute in WhatsApp getan hat, einfach so ein Wort reingeworfen hat mitten in die Unterhaltung, was gar nicht zusammen passte, möchtest du es sagen?

00:06:24-5 Carolin Matzko: Penis.

00:06:26-8 Tanja Marfo: Und ich habe einfach gedacht, die ist so lustig und witzig und erfolgreich mit dem was sie tut. Und ich habe auch immer gedacht, dass man nur Erfolg haben kann, wenn man halt schlank ist, das war ganz ganz lange von mir so ein … das habe ich ganz lange wirklich auch geglaubt. Und ich habe Caro halt morgens dann vor dem Spiegel, 6 Uhr morgens meistens, sehr früh geschminkt und so haben wir uns halt unterhalten, haben uns über unsere Kinder erzählt, oder erst mal ich über meinen Sohn, du dann später auch über deine Tochter und wie sich unser Leben so entwickelt hat. Und wie wir es aber auch im Buch beschreiben, wir sind halt immer um ein Thema so herumgeschlichen. Also wir haben eigentlich nie über zu wenig oder zu viel essen gesprochen. Und da sind wir dann aber später zu gekommen.

00:07:05-4 Ingeborg Trampe: Okay. Wie war dein Eindruck von ihr?

00:07:09-7 Carolin Matzko: Also es ist lustig, weil ich habe das nie so wahrgenommen, dass ich irgendwas war, was Tanja gerne wäre, weil ich selber so sehr mit mir immer gehadert habe, dass ich mich jetzt nicht als besonders irgendwas wahrgenommen habe. Das ist bis heute so geblieben. Ich fand sie einfach super und wir hatten eine Mords Gaudi, weil das war immer eine wahnsinnige Ausnahmesituation.

00:07:32-8 Carolin Matzko: Ich muss mich gleich entschuldigen, ich habe was, was man auch haben kann, ich habe ein Stimmbandödem, das heißt, ich kann nicht besonders laut sprechen.

00:07:41-2 Ingeborg Trampe: Okay, aber ich glaube, wir hören dich gut.

00:07:43-6 Carolin Matzko: Was man alles so haben kann plötzlich, es ist Wahnsinn wenn man älter wird. Genau, deswegen ich habe sie einfach immer als tolle Frau kennengelernt und ich habe halt gemerkt, dass sie in vielerlei Hinsicht zu diesem Zeitpunkt einfach nicht glücklich war. Aber ich habe sie einfach als Tanja wahrgenommen. Ich habe nie gesagt, Mensch Tanja, warum bist du denn so ein großes Mädchen? Sondern sie war halt die Tanja, wir hatten eine gute Zeit. Also ich habe sie nicht wahrgenommen als irgendwas besonderes, sondern einfach als fantastisches Unikum, mit der ich sehr sehr viel lachen kann und wo von Anfang an eine Ebene da war, dass ich jetzt nicht irgendwas so tun muss als ob ich was wäre, was ich nicht bin.

00:08:24-5 Ingeborg Trampe: Interessanterweise, du sagtest ja schon, ihr habt eigentlich dieses Thema mit den Essstörungen schön außen vor gelassen und das kam im Grunde genommen erst als die Sendung zu Ende war, ihr nicht mehr zusammengearbeitet habt. Du hast dann einen Blog gegründet, du bist ihr gefolgt und dann kam dir die Idee, ein Radiofeature zu machen.

00:08:40-3 Carolin Matzko: Ich habe halt gesehen, dass Tanja einfach sehr unglücklich war und das hat man ihr angesehen. Und irgendwann habe ich Bilder von ihr gesehen, wo ich merkte, sie ist jetzt nicht mehr unglücklich und das hat mich sehr gefreut und dann habe ich gesehen, dass sie mit diesem Öffentlichmachen von ihren Untiefen, ihren blinden Flecken, ihren Narben, ihren Verletzungen sehr sehr vielen Frauen und auch Männern aus der Seele spricht und dann habe ich irgendwann die Idee gehabt, dass ich ein Radiofeature über ihre Karriere mache. Und dann war ich mit meinem Mann, der mit dem Thema irgendwie gar nichts zu tun hat, der war mein Produzent für die Radiosendung und wir waren dann zusammen auf einer Veranstaltung von ihr in Berlin bei den

Fashion Days und dann …

00:09:19-6 Tanja Marfo: Und du warst mit mir auf deiner ersten Modenschau bei der Fashion Week.

00:09:22-8 Carolin Matzko: Ja genau, ich war auf meiner ersten und letzten Modenschau ever, ist nicht so mein Ding. Und dann habe ich so meinem Mann zugeschaut, der sehr bayrisch ist und dem eigentlich relativ viel am Arsch vorbeigeht. Und der hat dann aufgenommen einfach nur was, also es mussten sich Leute bewerben als Model bei Tanja. Und sie war quasi die Heidi Klum bei dieser Veranstaltung. Und dann sah er diese Männer und Frauen und ich sage bewusst auch Männer und hat den zugehört und hat das aufgenommen. Und er saß mit dem Mikrofon da und irgendwann sah ich, wie meinem Mann so die Tränen runterliefen. Und dann habe ich gedacht, das war einer der für mich tollsten Momente, weil ich dann auch gesehen habe, was Tanja so vielen Menschen bedeutet.

Und ich war so froh, dass ich da dieses Radiofeature über sie gemacht habe und da haben wir auch wahnsinnig viel Feedback bekommen. Also es lief dann auch im Deutschlandradio, es lief im MDR, es lief im WDR, es lief im Bayrischen Rundfunk und da bin ich sehr happy. Weil manchmal ist es doch wichtig, ich meine, dieses Thema Essstörungen ist ein olles. Und jeder kommt und sagt, ja was schreibt ihr da jetzt auch noch ein Buch drüber, ist doch ein alter Hut und ist doch langweilig und Heidi Klum ist schuld an allem. Aber so einfach ist es nicht. Und zum anderen gibt es immer noch gerade bei Vätern was Kinder angeht unglaublich viel Unwissen und Unverständnis. Und gerade jetzt zu Corona ist die Zahl einfach hochgegangen, gerade auch was Magersucht angeht. Und das hat uns so ein bisschen gewundert, unser Buch ist ja im Lockdown erschienen, warum wir nicht mehr Öffentlichkeit bekommen haben, weil das Thema so wichtig ist. Aber es ist halt kein witziges Thema.

00:10:56-0 Tanja Marfo: Ja.

00:10:57-3 Ingeborg Trampe: Jetzt muss man dazu sagen vielleicht zur Erklärung, deine Essstörung, sagst du, ist Binch-Essen, vielleicht kannst du kurz erklären was das ist für die, die nicht wissen was das ist.

00:11:07-8 Tanja Marfo: Also Binch-Eating bedeutet halt, dass man viel Nahrung zunimmt innerhalb kürzester Zeit, also vermehrt Essanfälle hat, aber dann nicht präventiv dagegensteuert. Also man nimmt jetzt keine Abführmittel oder erbricht sich, das sind ja alles Maßnahmen, die man bei anderen Essstörungen, oder auch Mischformen, ja auch macht. Das mache ich nicht.

00:11:27-0 Ingeborg Trampe: Ja und bei dir ist es Magersucht gewesen.

00:11:28-6 Carolin Matzko: Gewesen ja.

00:11:30-3 Ingeborg Trampe: Gewesen. Dann dieses Radiofeature hat ja sozusagen auch bei dir plötzlich ausgelöst, dich mit deiner eigenen Essstörungsgeschichte noch mal intensiver auseinanderzusetzen.

00:11:41-7 Carolin Matzko: Genau, also das war eigentlich, ich hatte das so ad acta gelegt, weil das einfach die Vergangenheit ist so. Und das ist eigentlich der große Unterschied. Und ich finde aber auch das, was unser Buch ausmacht, dass die Tanja, sie sagt immer, sie ist auf dem Weg und ich bin mit Brief und Siegel und TÜV Süd Stempel geheilt davon.

00:11:58-9 Ingeborg Trampe: Wie schön.

00:11:59-6 Carolin Matzko: Wobei ich sagen muss, ich habe mit 30, also jetzt auch schon wieder vor zwölf Jahren, noch mal einen Rückfall gehabt in einer Lebenskonstellation, die mir nicht gut getan hat und da habe ich dann gemerkt, dass man vielleicht so was ist wie ein trockener Alkoholiker. Wobei ich jetzt dann durch das Buch noch mal einfach das dann rausgeholt habe. Also ich hatte das so weggelegt und habe damit nichts mehr zu tun, auch nicht mit dieser Person, die ich damals war, wo ich in der Psychiatrie war so lang. Und dann habe ich gedacht, für das Buch hole ich das noch mal raus, auch damit ich noch mal schaue, wo sind unsere Parallelen. Wo sind dieselben Gefühle und Schmerzen, die so was ausmachen. Vielleicht ist das dieselbe scheiß Quelle aus der diese Kacke kommt. Und dann habe ich mir das alles noch mal angeschaut und das war, ich hatte das alles in Tagebüchern aufgeschrieben, die auch zitiert werden im Buch. Und ich habe diese Person, die ich damals war, nicht leiden können. Also diese Mensch, der ich damals war, ich habe damals versucht, jemand anders zu sein, weil ich nicht wusste, wer ich sein will. Ich habe immer nur gehört, wer ich sein soll. Und ich fand mich echt kacke und voll unsympathisch. Und ich habe mich echt viel geschämt, aber ich weiß jetzt woher es kommt und deswegen habe ich da jetzt noch eine ganz andere Ruhe.

00:13:19-6 Ingeborg Trampe: Stichwort, was sollte ich, du hast das gemacht, was du dachtest, du sein sollst, was so ein bisschen natürlich der Einfluss auch ist. Das Buch fängt ja auch an damit, eure Geschichte in der Kindheit zu erzählen. Da fing ja für euch beide auch das Thema an. Wir haben bei der Vorbesprechung auch mal darüber gesprochen, was wir für Botschaften von unseren Müttern auch mitbekommen haben. Ich habe erzählt, dass, wann immer ich nach Hause komme, die erste Frage, die meine Mutter mir stellt, hast du zugenommen oder hast du abgenommen, also auch wenn sich gar nichts getan hat.

00:13:53-0 Carolin Matzko: That’s a warm welcome.

00:13:54-6 Ingeborg Trampe: Genau. Und Tanja deine Erfahrung ist ja so ein bisschen, du erzählst, deine Großmutter hat dich eigentlich immer so akzeptiert wie du warst. Du warst ein ein bisschen dickeres Kind, aber jetzt auch nicht irgendwie, gerade für damalige Verhältnisse gab es da auch noch eine ganz andere Toleranz irgendwie, aber du hast natürlich auch so Botschaften von deiner Mutter so ein Stück mitbekommen und wir sind alle fein damit zu sagen, die haben das so gemacht wie sie das konnten, das ist ja nicht böswillig gewesen, aber es hat natürlich, sprechen wir auch gleich noch drüber, Konsequenzen auch für heute, wie geht man mit Kindern um, was gibt man denen für Botschaften mit, weil damit fängt es ja irgendwie an. Weil ich glaube, du hast deine erste Diät mit acht gemacht.

00:14:35-8 Tanja Marfo: Nein, also mit acht hat man mich darauf hingewiesen, dass ich zu dick bin. Also da gibt es, beschreibe ich auch im Buch, dieses grüne Ensemble aus einer kurzen grünen Baumwollhose mit einem ärmellosen passenden giftgrünen Top dazu und mir wurde halt damals in der dritten Klasse schon gesagt, ich bin zu dick dafür, das zu tragen. Jetzt nicht so von meiner Mutter oder von meinen Eltern, sondern eher von meiner Umgebung, also meine Mitschüler, meine Lehrer, sicherlich auch meine Tanten, je nachdem wer da gerade so eine Meinung zu hatte. Ich muss aber sagen, ich würde meinen Eltern nicht unterstellen, dass sie das absichtlich gemacht haben. Eltern machen das ja immer aus einer gewissen Sorge. Und ich habe meine erste Diät mit 12/13 gemacht und das ist ja, ich sage mal so, die Eltern erden ja auch von außen sehr beeinflusst. Da kommt dann ein Arzt daher und sagt, Ihre Tochter ist zu groß oder Ihre Tochter ist zu dick. Dann glaubt man das und dann kriegt man das auch von der Schule mit gespiegelt und dann hört man das aus dem ganzen Umfeld. Dann glaube ich das natürlich als Kind. Ich habe mich damals gefühlt als wäre ich ein Monster. Also wenn ich mir die Fotos aus heutiger Sicht angucke, sehe ich halt, ich war ein bisschen pummelig aber das war es. Aber wenn man das immer von außen suggeriert bekommt, ich glaube, da entsteht auch ein gewisser Druck bei den Eltern, das zu änder oder ändern zu wollen. Und klar, ich habe von meinen Eltern einiges gehört. Gerade meine Mutter, einfach weil ich so anders bin als sie, also meine Mama ist 1,68 und wiegt ihr Leben lang, keine Ahnung, 60 Kilo oder so, hat gar kein Problem mit Essen und dann kriegt sie da so ein großes Mädchen, 1,86 und irgendwie immer schon mehr. Das ist auch was anderes dann auch, das macht auch, glaube ich, was mit einem. Also ich glaube, ich würde Eltern unterstellen, dass sie es nicht absichtlich machen.

00:16:15-9 Carolin Matzko: Ja.

00:16:16-9 Tanja Marfo: Und ich sehe das ja auch heute als Mutter, dass ich dann auch manchmal Muster meiner Eltern mit übernommen habe für meinen Sohn. Aber weiß, wenn manchmal solche Sachen von früher herauskommen, manchmal kann ich mich dann auch sofort entschuldigen, weil ich weiß, da hat jetzt einfach meine Mutter aus mir gesprochen, das gibt es ja auch.

00:16:35-9 Ingeborg Trampe: Ja genau. Bei dir war es so, du bist ja in einer Kleinstadt groß geworden oder Dorf fast eher, dörflicher Umgebung.

00:16:41-9 Carolin Matzko: Ein Dorf, was so eingemeindet wurde, damit es auch wie eine Stadt ist, aber ist ein Dorf.

00:16:47-0 Ingeborg Trampe: Und du hast ja auch relativ früh die Erfahrung gemacht schon als Kind, wenn du was abnimmst, kriegst du Anerkennung dafür.

00:16:53-4 Carolin Matzko: Naja, das ist ja heutzutage immer so. Also wenn man irgendwo reinkommt und Leute haben einen länger nicht gesehen, dann sagen sie meistens, du siehst aber toll aus, hast du abgenommen? Also abgenommen wird immer als was positives verkauft und das ist ja auch der Punkt, was glaube ich viele Frauen haben heute noch und auch Männer, wenn ich dann abgenommen habe, dann geht das gute Leben los. Also dieses Glücksversprechen, was von der körperlichen Form ausgeht, das ist ja eine völlige Utopie. Aber na ich habe halt das anders vorgelebt bekommen. Bei mir war es eher so ein krasser Leistungsdruck. Deswegen du hast gerade gesagt, Eltern machen das nicht bewusst, ich glaube auch, trotzdem viele Eltern wollen, auch wenn sie es gut meinen, aber es zahlt vielleicht auch auf ihre Dachmarke ein, also bei meinen Eltern definitiv, dass das Kind erfolgreich sein soll, schön sein soll, irgendwelchen Sehgewohnheiten entsprechen soll. Und Kinder wollen dann oft auch ein Minimi der Eltern sein, wenn die Eltern irgendwie erfolgreich sein wollen. Die gucken einen an und orientieren sich erst mal an einem, bis die Pubertät kommt. Und bei mir war das einfach so, dass ich aus einem sehr autoritären und bisweilen gewalttätigen Elternhaus komme und einfach meine Eltern sehr viele Probleme miteinander und auch mit sich selber hatten und es war kein Platz dafür, dass ich auch noch Ärger mache, ich musste einfach funktionieren. Und es wurde subtil, aber deutlich ein Leistungsdruck ausgeübt. Und damit habe ich von vornherein verstanden mit so einer totalen Hybris und Überhöhung von Intellekt, du musst besonders gut sein. Und speziell mein Vater hat mir immer gesagt, es reicht nicht, wenn du gut bist, du musst besser sein als alle anderen. Heute kann ich das verstehen, dass es sehr viel mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstruktur so grundsätzlich zu tun hat. Also er hat mir jetzt auch wieder zum Geburtstag gratuliert und meinte, alles Gute an mein Produkt. Dann habe ich auch so verstanden, wie er mich da sieht. Aber es ist mir jetzt Wurst, dann bin ich jetzt sein Produkt, wenn ihm das weiterhilft, dass er einen guten Tag hat, viel Spaß. Aber es war kein Raum. Und das ist so ein Punkt, oftmals ist gerade um jetzt mal schematisch zu werden und systemisch, Magersucht entsteht oftmals, ich weiß nicht wie das bei Binch-Eating ist, das musst du dann sagen, entsteht oft, wenn kein Raum ist für Rebellion. Es ist kein Platz, um sich auszuprobieren, um zu überlegen, wer man sein möchte, um Dinge zu wagen und zu scheitern dran. Sondern gerade magersüchtige Mädchen speziell und auch Jungs, gibt es ja auch, möchten eigentlich immer funktionieren und wollen besonders gut sein und möchten die Eltern glücklich machen. Oftmals ist zu einem Elternteil eine besonders enge Bindung, die nicht gut ist. Und es gibt da ja auch fernab von sexuellem Missbrauch gibt es auch, würde ich sagen, ein übergriffiges Psychoverhalten. Und ich wurde speziell jetzt zum Beispiel zur Vertrauten meiner Mutter gemacht, die mir quasi ihr ganzes Seelenleid mitgegeben hat und ich habe versucht das zu lösen. Also ich wollte das Raumspray in der Familie sein, das Harmonie und gute Laune versprüht, deswegen funktioniere ich, glaube ich, als Moderatorin auch ganz gut, weil ich das immer noch herstellen kann. Aber man muss es halt dosieren können. Man darf sich selbst nicht dabei vergessen.

00:20:27-6 Ingeborg Trampe: Es gibt im Buch eine Stelle, die mich sehr berührt hat, du hast eine Tochter, die ist acht, glaube ich, wo deine Tochter mit sechs Jahren nach Hause kommt und weint, weil sie meint, dass sie einen zu dicken Bauch hat. Was ja eine schwierige Situation ist, weil einerseits du hast ja ein Bewusstsein dafür, wie sensibel so ein Thema ist und ich denke mal, du tust alles, um deine Tochter da auch in irgendeiner Form zu beschützen und gut durch den Weg zu bringen. Wie kannst du aber am Ende deine Tochter schützen…

00:20:58-0 Carolin Matzko: Ich finde es eben so schwierig. Ich hatte genau die Diskussion gestern wieder mit ihr, als sie vor dem Kühlschrank stand und überlegt hat, was sie gerne für eine Nachspeise hätte und dann den Kühlschrank zugemacht hat jetzt mit acht und gesagt hat, sie will abnehmen. Und neulich hat sie mir wieder gesagt, dass sie blöde Sprüche bekommen hat von Mitschülern. Und das ist fürchterlich für mich. Und sie ist wirklich ein bissl a gewamperte, das ist halt so in dem Alter. Aber wir waren beim Kinderarzt und da musste ich an dich denken wieder, und der Kinderarzt oder die Kinderärztin hat vor ihr gesagt, also Ihre Tochter ist übergewichtig, Sie kommen bitte im November noch mal, dass wir sie wiegen. Das war der Moment, in dem ich gesagt habe, wir wechseln sofort den Kinderarzt. Also dass mein Kind mit acht zu mir sagt gestern, Mama wachse ich noch, dass ich dünner werde?

00:21:58-1 Tanja Marfo: Und vor allen Dingen dieser Arzt, muss ich ganz rein, der guckt ja dann auch wieder nach Schema F, nach dem BMI einer völlig veralteten Skala und sagt einem Kind, dass es abnehmen muss oder dass es eine Diät machen soll. Das ist unglaublich. Weil wenn dieser Kreislauf einmal anfängt, man kommt da nicht mehr raus oder man kommt sehr schwer da raus. Und das ist auch genau das, was ich dann mitgekriegt habe so von meinen Eltern oder von meiner Mutter dann, ah du musst abnehmen, du bist zu dick oder Ihre Tochter ist zu groß. Ich meine, an der Größe kann man nichts ändern. Aber das darf man einem kleinen heranwachsenden Lebewesen nicht sagen.

00:22:32-0 Carolin Matzko: Sie ist da rausgegangen wie ein geprügelter Hund und ich habe so eine Wut gehabt und ärgere mich im Nachhinein, dass ich es nicht in dem Moment formuliert habe, weil ich war so vor den Kopf gestoßen, dass dieses Gespräch vor meinem Kind stattfindet, weil ich kriege es ja bei ihr mit, sie ist so auf der Suche nach ihrem Platz in der Klassengemeinschaft. Sie hat die Schule gewechselt während Corona, sie meistert viel, sie sehen sich nicht, sie haben die Masken auf, die Kinder sind einfach in dieser Zeit so beschissen alleine gelassen und müssen in diesem Klassengefüge funktionieren, müssen in den Hort gehen, damit die Eltern arbeiten können, haben den ganzen Tag diese Maske auf und versuchen, dabei eine Persönlichkeit zu entwickeln und miteinander Kontakt aufzunehmen. Und sie ist so beschäftigt damit, sich zu finden und wo ihr Platz ist und was sie ausmacht. Ich habe ihr jetzt einen Hund gekauft, jetzt ist sie halt das Mädchen mit dem Hund, seitdem läuft es viel besser. Ich kann nur zur Anschaffung von Tieren raten, weil sie jetzt was hat, weil ich bin die, die hat den großen Hund. Also sie brauchen irgendein Attribut, was von außen kommt, um sich zu festigen und zu entwickeln. Und wenn dann so ein Satz kommt, bis November kommen Sie wieder und dann wiegen wir sie, dann denkt sie, es ist was falsch mit ihr und da geht es los.

00:23:54-6 Carolin Matzko: Oder im Kindergarten, das kann ich auch noch kurz erklären, von meiner Freundin, die hat drei Kinder, der größere ist jetzt aus dem Kindergarten raus und geht zur Schule, holt mit seiner Mama zusammen die beiden jüngeren Geschwister ab und das erste, was der Erzieherin einfällt ist, auf den Bauch des Jungen zu klopfen und zu sagen, na da hast du aber viel Süßigkeiten gegessen. Und da denke ich, das ist einfach so falsch, weil der Junge hadert da. Er ist acht und man merkt, er hat damit schon zu kämpfen. Und wenn du ihn aber einfach in dem bestätigst wie er ist und ihn in Ruhe lässt, das würde, glaube ich, ganz andere Maße annehmen als es sich vielleicht entwickelt.

00:24:32-0 Ingeborg Trampe: Okay, das ist der eine Aspekt, eben auch wie Ärzte, Familie, Umfeld damit umgehen. Jetzt haben ja die Kinder, ich muss sagen im Nachhinein, ich bin ziemlich froh, dass ich groß geworden bin zu einer Zeit, wo es keine sozialen Medien gab. Ich glaube, man war viel beschützter.

00:24:49-1 Carolin Matzko: Ich auch, es gibt keine Beweise.

00:24:49-5 Ingeborg Trampe: Genau, irgendwie also man hat vielleicht seine Freundin mal angeguckt und hat gedacht, die gefällt mir vielleicht ein bisschen besser als ich mir selber, aber das war es dann auch. Der Druck ist natürlich heute durch die sozialen Medien, das fängt ja sehr früh an, dass auch Kinder in den sozialen Medien unterwegs sind, das kann man ja auch gar nicht verhindern, ist natürlich noch mal besonders groß. Jetzt bist du ja, man kann fast sagen, ein bisschen ironischerweise machst du dein Business auch sozusagen mit den sozialen Medien. Und du bist ja auch, ich meine, du bist immer super geschminkt, wir haben schon deine Haare auch bewundert, du hast Spaß an Mode und da ist ja auch alles irgendwie wunderbar damit. Auf der anderen Seite sieht man natürlich auf den sozialen Medien sehr viele Frauen, die sich inszenieren auf eine bestimmte Art und Weise, weil sie eben darüber wieder hoffen, eine bestimmte Bestätigung zu bekommen und das ist natürlich oft so ein Klischeebild. Wie ist das für dich selber, in diesem Umfeld ein eigenes Business zu machen, ohne dich zu verleugnen, ohne aber auch vielleicht in irgendwelche Klischeefallen zu laufen?

00:25:49-7 Tanja Marfo: Also ich habe gemerkt, sowieso bin ich eine Nische. Also mit Plus Size ist eine Nische in der deutschen Fashion oder generell im deutschen Medienbereich, obwohl wir gar nicht nischig sind, es wird uns aber eingeredet. Und solange sich da nichts ändert und solange man nicht diese Sichtbarkeit erschafft für alle Körper, ändert sich nichts. Und ich habe gedacht, das ist mein Thema. Also das war 2013 für mich ein großer Augenöffner, in New York auf einer Fashionshow zu sein, wo ich alle Konfektionsgrößen in Plus Size Bereich gesehen habe. Also wir sind ja nicht divers. Also das, was man aktuell auf der Berlin Fashion Week sieht und was als Diversity verkauft wird ist ein Witz. Da läuft dann eine Person of Colour, ein Curvy-Model, was auch vielleicht eine Konfektion 44 hat und der Rest ist „normschön“. Also für mich ist einfach wichtig, dass so wie ich bin, so bin ich. Also auf den sozialen Medien wie auch im privaten Leben. Und für mich ist einfach wichtig, eine Stimme zu sein. Ich möchte Frauen einen Weg, eine Abkürzung bieten, wenn sie sich vielleicht mit ihrem Körper oder sich selbst nicht gut fühlen. Das möchte ich halt sein. Und ich finde, das ist manchmal schwierig, diesen Grad auch von Nacktheit, wieviel zeige ich, wieviel nicht, weil Reichweite, Bestätigung bedeutet ja auch Sichtbarkeit, ergo wenn du mehr Follower hast, verdienst du auch mehr Geld, das muss man ja auch so sagen. Aber ich glaube, ich kriege das ganz gut hin. Also mir war einfach wichtig zu wissen, wie geht mein Kind damit um, der ist zwar jetzt aus der Schule raus, hat Abitur gemacht dieses Jahr, aber wie ist es für ihn? Kann ich das rechtfertigen vor ihm? Das war eigentlich für mich das einzige wichtige, alles andere muss ich vor mir selber rechtfertigen können. Und klar ist es auch irgendwie witzig, dass ich, die eben mit ihrem Körper zu tun hat, auch noch so ein Business daraus macht, aber es ist auch ein Stück Heilung für mich. Also ich konnte durch meine Arbeit ganz ganz viel aufarbeiten für mich selber. Ich habe mich Dank Kurvenrausch und auch dieser ganzen Bewegung so anders kennengelernt und so anders annehmen können, also das ist für mich ein ganz großes Geschenk.

00:27:42-9 Ingeborg Trampe: Ich erinnere mich, du sagst, finde ich, zurecht, das, was heute unter Diversity oft angepriesen wird, ist sehr oft Marketing.

00:27:53-4 Tanja Marfo: Immer.

00:27:54-6 Ingeborg Trampe: Oder sehr eingeschränkte Nische. Ich erinnere mich an ein Cover von Barbara, also das Magazin von Barbara Schöneberger, die ja gemeinhin, ich weiß immer nicht genau warum, aber als so ein moderneres Frauenmagazin gilt, wo sie einen Fatsuit an hat. Also die hat ja immer so ein Schwerpunktthema, das Thema war da eben auch, sollte eigentlich sich positiv damit auseinandersetzen, dass Frauen verschiedene Körpergrößen haben dürfen, aber wie gesagt, man macht dann eigentlich so ein Cover, was dann irgendwie lustig sein sollte.

00:28:23-7 Tanja Marfo: War es nicht.

00:28:25-3 Ingeborg Trampe: Dann gab es ja eine Aktion, du und viele andere Mitstreiterinnen, die sich dann auch haben in diesem Fatsuit abbilden lassen. Was war für dich da so der Trigger, dass du gesagt hast, oh das müssen wir jetzt unbedingt machen?

00:28:36-3 Tanja Marfo: Ja, also diesen Shitstorm, den sie dann danach bekommen hat, völlig zu recht wie ich finde, haben Julia von Schönwild und ich damals gestartet, indem wir uns einfach in Shapewear hingesetzt haben, quasi also nur Shapewear Hose und BH und das Bild dann quasi gekreuzt haben mit dem Fatsuit von Barbara. Also meins war erschreckend ähnlich mit dem Fatsuit. Und ich habe halt gedacht, ich kann halt dieses Kostüm auch nicht ausziehen. Das schlimme ist ja einfach, dass in den Videos zu sehen war, wie sie sich drüber lustig gemacht haben, wie schmal jetzt auf einmal die Füße aussehen. Ich meine, wäre da jetzt nur diese Ironie dabei gewesen und dieser bisschen Witz, wäre ja nicht so schlimm gewesen. Aber wie damit umgegangen wurde. Also dass sie dann mit einer großen Schüssel da und einer großen Schaufel sagt, Entschuldigung ich bin selber dick, nein bist du nicht. Also das sind so Sachen, da wird dann immer drauf rumgetrampelt.
Vielleicht ist sie in ihrer Blase dick oder kurvig, das kann gut sein, aber wir wissen auch alle, dass Barbara Schöneberger sehr gerne provoziert. Das ging von Fatsuit bis Männer dürfen sich nicht schminken. Also sie findet immer ein Thema, um halt auch in die Presse zu kommen. Und ich finde es einfach nicht richtig, dass Menschen sich da hinstellen und sagen, ich mache das jetzt für euch, das ist genauso wie wenn man eine Rassismusdebatte führt, ohne dass da jemand betroffenes dabei ist oder dass man über dicke Menschen seiht und auch kein dicker Mensch dabei ist. Also da muss man einfach …

00:29:53-1 Ingeborg Trampe: Das ist wie Blackfacing.

00:29:54-9 Tanja Marfo: Ja, man muss einfach ein bisschen Sensibilität dafür entwickeln und das muss man einfach auch von den Medien abverlangen finde ich mittlerweile. Man muss zur Rechenschaft ziehen, warum sind Frauen in euren Magazinen so? Warum berichtet ihr nur sehr einseitig über Diversität? Warum sind Themen wie Essstörungen für euch nicht wichtig? Das muss man verlangen und laut sein.

00:30:18-0 Ingeborg Trampe: Caro, auch du bist in einem Job, wo es natürlich um Inhalte geht, aber bei Frauen im Fernsehen geht es auch immer um Aussehen ne?

00:30:25-4 Carolin Matzko: Ich habe neun Jahre lang als Reporterin für Arte gearbeitet für Wissenssendungen, sehr bodenständige Themen.

00:30:32-9 Ingeborg Trampe: Geputztes Obst.

00:30:33-7 Carolin Matzko: Wasserstoff, Schweinezucht, Viren, Zucker, Tropenstürme, was es halt so gibt you name it. Ich habe Gletscher überquert, war auf Zuckerrohrplantagen, war in irgendwelchen Helikoptern unterwegs, so. Es hat niemanden interessiert. Es ist so verdienstvolles Fernsehen, ungefähr vergleichbar mit der SPD in Bayern. Gut, dass es das gibt, aber irgendwie so richtig eine Wurst vom Teller, wobei jetzt vor der Wahl vielleicht, aber egal. Und dann habe ich mich für einen anderen Job entschieden, weil ich auch mal was anderes machen wollte, was auch für mich als Mutter besser zu vereinbaren ist und habe die Rolle der Barfrau in der Late Night Show von meinem Freund Hannes Ringlstetter bekommen. Und da wurde mir eben, habe ich mich dann anders auch wahrgenommen selber und auch präsentieren können. Und da haben sie mich in einen Glitzeranzug gesteckt und haben mir die Haare hübsch gemacht und ich habe bisschen Pimmelwitze gerissen und ab da habe ich plötzlich likes bekommen auf Facebook und auf Insta, ich meine, in einem bescheidenen Ausmaß, wenn man es jetzt mit deinen vergleicht. Aber jetzt habe ich irgendwie 11.000 Follower auf Instagram, davor hatte ich 0 glaube ich. Weil es einfach Wurst ist.

Also in dem Moment, wo du … ich habe dann auch so ein bisschen probiert. Ich habe mich mal so abfotografiert mal so für Bilder, wie so Mädchen das machen, die dann viele Follower haben und das war beinahe ironisch, wenn ich dann vor so einem Aufzugspiegel stehe und irgendwie so, na wie ist euer Tag, trinkt ihr auch gern Milch morgens? Zack, likes. Ich dachte, das darf nicht wahr sein. Ich schaffe das kaum ohne zu lachen hinzukriegen, aber es funktioniert. Also diese Codes funktionieren. Und natürlich bediene ich da was. Aber für mich war auch, und da schreiben wir auch im Buch drüber, für mich war so ein krasser Punkt, dass ich da ja quasi eine Rolle eingenommen habe.

00:32:37-3 Ingeborg Trampe: Du hattest so einen wunderbaren Begriff mal genannt im Vorgespräch, Verpuppung, du verpuppst dich sozusagen.

00:32:41-9 Carolin Matzko: Ja genau, wenn ich mich dann halt so schick machen lasse und aufmarschel, dann verpuppe ich mich quasi für diese Rolle. Ich mache das auch total gerne, das macht auch Spaß. Ich meine, jeder zieht sich gerne schick an und yeah Baby heute, tschakatschaka. Meine Güte ja, ist so, mach ich für meinen Job, gehört dazu. Ansonsten ziehe ich wieder meine Brille an und meine Zahnspange und bin wieder zu Hause und gehe mit dem Hund. Diese Verpuppung ist also so ein Prozess, wo ich zu dieser Moderatorin der Behaupteten werde. Und dann hatten wir einmal die Nicole Jäger, falls jemand die von Ihnen kennt, hat ein Buch geschrieben auch über …

00:33:14-5 Ingeborg Trampe: Die Fettlöserin.

00:33:16-7 Carolin Matzko: die Fettlöserin nennt sie sich, ist selber ein ordentliches Schlachtschiff die Lady und die hatten wir in der Sendung zu Gast und dann hatte Hannes das Interview mit ihr gemacht und ich dachte, ich bin nicht im Bild und hatte vergessen an dem Tag zu essen und hatte Hunger und mein Magen knurrte und da habe ich halt geguckt, gibt es hier irgendwas essbares, schaut ja gerade keiner, okay nur eine Gurke. Also habe ich eine Gurke aufgeschnitten und Gin Tonic getrunken und Gurke gegessen. Was ich nicht gemerkt habe ist, dass ein Schnittbild gedreht wurde von mir, also wie ich diese Gurke esse. Das wurde dann zum Kürzen des Interviews reingeschnitten. Nicole Jäger sagt was, was zu lang ist und damit es reinpasst, zack, zeigen wir die Caro, frisst gerade eine Gurke, Wurscht, lustig. Und dann habe ich einen totalen, also keinen großen, aber einen Shitstorm auf YouTube, als das Video hochgeladen wurde, bekommen, was soll das, dass die alte, die dünne olle da, eine Gurke isst? Was denkt die denn, wer sie ist? Und ich habe ja gar nichts gemacht. Und dann habe ich verstanden, dass ich Pars pro toto??? stehe, also ich bin ein Teil von einer Sehgewohnheit, der andere Frauen und Männer verletzt. Ich stehe plötzlich mit meiner Geschichte für was, was ich ja gar nicht so fühle. Und das finde ich schade und deswegen haben wir dieses Buch eben auch zusammen geschrieben, weil es uns wichtig ist, gemeinsam ein Statement zu setzen, dass wir auch zeigen wollen, wir Frauen sind auch, wir sind halt so, Menschen sind so, wir sind sehr optisch. Wer jetzt nicht irgendwie wie ich sieben Dioptrien haben und keine Sehbehinderungen haben, dann sehen wir uns erst mal und denken, ahja schau da, geiles Kleid, gut drauf, coole Schuhe, tja bisschen so jung, bisschen punky vielleicht, die /unverständlich/ noch etwas desinteressiert aber wird schon. Was macht sie vielleicht beruflich, vielleicht Pädagogin? Wir fangen sofort an…

00:34:59-4 Ingeborg Trampe: Das geht ja alles innerhalb von Millisekunden.

00:34:59-2 Carolin Matzko: Ah die ist so hipp, die könnte im Musikbusiness tätig sein mit diesem Knoten da oben. Also wir fangen sofort an, uns zu kategorisieren. Machen wir. Warum? Weil unser Hirn irgendwie das alles nicht verstoffwechseln kann, das heißt, wir bilden Kategorien, damit wir irgendwie einfacher durch das Leben kommen. Das heißt, wir müssen damit umgehen, aber wir wollen einfach eine gewisse Sensibilität dafür entwickeln, dass wir so schnell urteilen. Aber dass wir auch schnell dabei sind zu verurteilen. Und deswegen möchte ich einfach dazu aufrufen, vielleicht mit den Leuten erst mal zu reden und vielleicht ist es auch egal. Also wenn ich jetzt die Tanja sehe und das finde ich immer komisch, dass du jetzt auch da so ein Business draus gemacht hast, was super ist, aber ich denke immer, ist es für dich nicht manchmal auch schwer, dass du dich dann tagtäglich immer damit beschäftigen musst? Weil du bist ja so viel mehr und du kannst ja so viel mehr und du hast so viel mehr Themen, wir alle haben so viel mehr Themen.

00:35:51-7 Tanja Marfo: Ja, ich versuche das immer durch leichte Themen aufzubrechen, so wie Beauty und Styling und so, was ja auch meins ist. Also manchmal empfinde ich auch schon, also manchmal empfinde ich eine absolute Ungerechtigkeit, also das ist aber auch dann auf der anderen Seite auch so mein Motor. Das wandelt sich manchmal auch so ein bisschen in Wut um, gerade wenn ich dann halt solche Fashionshows sehe, wo dann ganz groß Diversity steht und ich genau weiß, meine Show 2019 war viel diverser, aber wir haben lange nicht so geile Budgets wie die, also das ärgert mich dann schon. Aber ich versuche dann immer, diese Wut tatsächlich auch in etwas positives umzumodeln. Und ich weiß, wenn ich das sage, dann helfe ich damit Menschen. Und das ist mir einfach viel wichtiger. Es ist natürlich manchmal auch lästig …

00:36:33-7 Carolin Matzko: Du wirst ja zum Beispiel auch verurteilt und geteert und gefedert dafür, wenn du sagst, du machst Sport.

00:36:38-8 Tanja Marfo: Ja, aber das machen alle.

00:36:39-5 Carolin Matzko: Was wir auch im Buch sagen, ist ein gewisses Übergewicht nicht gesund, genauso wie ein gewisses Untergewicht nicht gesund ist.

00:36:45-2 Tanja Marfo: Aber ich glaube, dass ist auf Instagram mittlerweile sowieso. Ob du Sport machst und Mutter bist, wo lässt du denn dein Kind, wenn du Sport machst, dann bist du eine schlechte Mutter. Ob du dick bist und dann Sport machst, ach das machst du ja eh nur für die Kamera. Oder ob du jetzt jeden Tag zum Sport gehst, dann bist du sportbesessen. Also jeder hat auf jedes …

00:37:00-9 Ingeborg Trampe: Auch wieder verurteilt.

00:37:04-7 Tanja Marfo: Genau, jeder hat für jedes Thema eine Verurteilung. Und das ist einfach gerade bei Instagram sehr sehr Gang und Gebe. Also ich finde eigentlich eher, dass der Ton die Musik macht und der erschreckt mich manchmal ein bisschen. Also dass da Leute dann tatsächlich sehr persönlich werden und auch wirklich sich Zeit nehmen, da lange Emails oder Nachrichten zu verfassen, natürlich dann anonym, um einen halt zu treffen. Aber man muss halt wissen, wenn man sich mit dem Thema beschäftigt und in die Öffentlichkeit geht, ist man halt auch Angriffsfläche so.

Und da muss man dann halt einen Ausgleich haben oder irgendein Ventil, ob das ein Boxsack ist oder dreimal am Tag Spazierengehen mit dem Hund, keine Ahnung, das muss man halt haben.

00:37:40-9 Ingeborg Trampe: Du schreibst ja auch in dem Buch, Caro hat es auch eben gesagt, du bist auf dem Weg. Beschreibe uns mal, wo du gerade stehst, weil es geht dir ja heute besser, denke ich mal, als vor ein paar Jahren definitiv.

00:37:51-0 Tanja Marfo: Ja.

00:37:51-6 Ingeborg Trampe: Ohne dass du dich jetzt aber so unter Druck setzen willst, so ich muss jetzt eine bestimmte Anzahl von Kilos noch abnehmen.

00:38:00-2 Tanja Marfo: Ja, ich mache mir natürlich über viele Sachen Gedanken, einmal wenn ich dann jetzt so 50 Kilo leichter wäre, wie ist das denn dann in meinem Business, findet man mich dann immer noch nett? Aber auf der anderen Seite denke ich auch, wenn ich mal schlank sein sollte, wo ich jetzt nicht von ausgehe, würde ich mich immer noch genauso stark machen für diese Themen. Ich glaube, meine Themen bleiben einfach die gleichen. Und mir war einfach wichtig, in dem Buch zu schreiben, dass es Menschen gibt, die auf dem Weg sind und auch in einem Buch drüber berichten. Also ich sehe sonst immer nur diesen Weg von, ich war mal ganz dick und gruselig und ich habe mich hässlich gefühlt, hin zu, jetzt bin ich schlank und schön und mein Leben 2.0 beginnt. Ich glaube schon, dass für Menschen Leben 2.0 ganz oft beginnt, aber das sollte möglichst nichts mit dem Gewicht zu tun haben. Weil ich muss mich heute im Hier und Jetzt toll finden, ich muss hier im Heute dafür sorgen, dass ich mich mag. Ob das jetzt Selbstliebe ist oder dass ich mit einem positiveren Mindset auf mich zugehe. Weil ich kann nicht lernen, mich in einen Körper, den ich hasse, den kann ich ja nicht auf einmal lieben, nur weil er schlank ist. Das ist schwierig. Also ich glaube eher, man muss von innen nach außen arbeiten. Also ich bin halt daran, Glaubenssätze für mich zu durchbrechen. Ich bin fünf Jahre kein Fahrrad gefahren, also habe ich mich letztes Jahr das erste Mal auf ein Fahrrad gesetzt, oh mein Gott, und bin sofort 25 Kilometer von Bergedorf nach Langenhorn gefahren, durch die ganze Hamburger Stadt an LKW vorbei, weil ich es einfach geil fand. Und so was ist halt für mich, das hilft mir. Und dann, was das Essen angeht, da merke ich einfach, dass es mir immer mehr gelingt, auf mich aufzupassen. Also dass ich regelmäßig esse, dass ich für mich sorge, dass ich Nahrung zu mir nehme, die mich nährt. Und das wird sich dann irgendwann im Außen zeigen, aber ich finde, das ist dann ja auch meine Sache. Also da werde ich dann immer mal ein bisschen persönlicher werden. Aber ich finde es wichtig zu sagen, dass es Leute gibt, die auf dem Weg sind. Und das muss für mich nicht in einem schlanken Körper enden.

00:39:53-2 Ingeborg Trampe: Okay, du hast vorhin gesagt, du bist mit TÜV Siegel sozusagen.

00:40:00-0 Carolin Matzko: Ich habe keine Essstörung mehr, nein. Habe ich nicht mehr.

00:40:01-7 Ingeborg Trampe: Aber ist man nicht trotzdem ein Leben lang gefährdet, dass man wieder in so eine Falle tappen könnte?

00:40:05-7 Carolin Matzko: Ich glaube, jetzt nicht mehr.

00:40:08-2 Ingeborg Trampe: Okay.

00:40:09-1 Carolin Matzko: Aber was für mich eine wichtige Lehre ist, jetzt aus dieser ganzen Aufarbeitung auch noch mal, ich bin rund um dieses Buch noch mal, weil ich auch einen Burnout hatte, weil ich zu viel gearbeitet habe, noch mal in Therapie gegangen, die jetzt dieses Jahr endet, nach vier Jahren noch mal und deswegen glaube ich nicht. Aber ich habe gelernt, dass wir sehr viel mehr akzeptieren müssen. Also es kommt nicht dieser perfekte Moment. Mein Leben ist nicht jetzt super, weil ich geheilt bin. Also ich bin wahnsinnig froh darüber, aber deswegen schaue ich mich nicht jeden Tag an und denke mir, meine Güte du bist eine geile Sau, Mann, komm her du Tag, ich mache was aus dir. Nein. Ich stehe genauso vor dem Spiegel und denke mir, Mensch krass, hängt der Arsch heute. Aber dann denke ich jetzt aber, bin ich recht pragmatisch und denke mir, naja in meiner Sendung ist ja eine Bar vor dem Teil, den ich nicht so mag. Sieht man ja nicht, ab da oben passt schon. Deswegen hadere ich mit dem Begriff der Selbstliebe, weil ich schaffe es nicht, mich komplett zu lieben und alles zu sagen, Mensch das ist aber toll. Aber ich bin sehr dankbar jetzt mittlerweile mit 42 und einem Bandscheibenvorfall und einem Tennisarm. Ich bin einfach sehr froh, wenn dieser Körper nicht schmerzt. Ich bin sehr dankbar, dass er mich durch dieses Leben trägt und dass er soweit gesund ist und dass ich mit dem Hund rausgehe und dass ich mit meiner Tochter Fahrrad fahren kann und dass er für mich da ist. Und ich akzeptiere ihn so. Und ich finde ihn jetzt nicht immer wahnsinnig knorke und es gibt auch Tage, wo ich zu meinem Mann sage, du sorry, get in jiggy with it, ist heute nicht, weil ich mag mich heute nicht, ich mag mich heute einfach nicht.

Ich kann jetzt nicht so tun, weil ich habe heute den ganzen Tag das Gefühl, ich stinke oder so. Also das ist halt so. Also ich akzeptiere ihn, ich nehme mich so an. Und das wünsche ich mir auch von anderen, dass sie uns so annehmen.

00:42:07-5 Tanja Marfo: Es ist ein schwieriges Thema der Selbstannahme, das stimmt schon. Ich meine, man stellt sich auch nicht jeden Tag vor den Spiegel und sagt halt das, ich finde mich jetzt toll. Manchmal muss man sich auch anschummeln oder anlügen oder auch das annehmen, dass man sich nicht gut fühlt.

00:42:20-9 Carolin Matzko: Ich versuche aber als Mama, das auch meiner Tochter, und das ist mir irgendwann aufgefallen, das habe ich dann auch aufgeschrieben, gedacht habe, wie habe ich gelernt, dass meine Mutter in den Spiegel guckt? Und meine Mutter kommt aus dem Rheinland und die stand immer so da und hat dann immer so gesagt, Schnecke, Schnecke schau, Mensch bin ich wieder fett geworden. Dann stand sie immer da und hat sich so einen Gürtel genommen und hat das so zusammengeschnürt, dass es hier oben so machte. Und dann habe ich mir gedacht, also für mich gehörte das zum guten Ton, Frauen stehen vor dem Spiegel und finden sich erst mal scheiße. Das ist so wie die Mädchen in der Schule, die gesagt haben, ich habe überhaupt nicht gelernt und dann eine Eins schreiben oder so, die dann aber einen nicht abschreiben lassen. Also es ist immer so, manche sagen das ja auch einfach so, obwohl sie wissen, dass sie eigentlich gut aussehen, wollen dann aber von außen noch mal die Bestätigung, nein du siehst ganz toll aus, super, super. Ich versuche meiner Tochter einfach vorzumachen, dass ich vor dem Spiegel stehe und das eigentlich egal ist, sondern ich mache dann meistens Quatsch. Ich ziehe mir dann eine Unterhose über den Kopf und tanze albern und dann tanzt sie albern mit. Und wenn sie sagt wieder, ich habe einen dicken Bauch, dann singe ich ihr das Kugelbauchlied vor, was wir erfunden haben und dann strecke ich meine Plauze raus und dann male ich mir hier Augen drauf und mache hallo. Also ich versuche, es über Humor zu lösen. Was aber natürlich auch zeigt, dass man irgendein Tool braucht, um damit umzugehen und das finde ich eigentlich schade. Ich habe meinen Mann nie gesehen, dass der vor dem Spiegel steht und irgendwie rumhadert. Sondern der zieht halt eine Hose an und geht in den Keller und macht Musik oder mäht den Rasen. Der ist halt so da mit sich. Das ist eigentlich das Ziel, finde ich, wir sollten einfach so mit uns da sein und für uns da sein.

00:44:08-0 Ingeborg Trampe: Ich hatte euch auch im Vorwege noch mal gefragt, welche Personen oder auch Accounts auf Social Media inspirieren euch. Ich glaube, du bist auch ein großer Fan von Lizzo beispielsweise, von der Sängerin, die zumindest ja auch nach außen sehr tough und selbstbewusst irgendwie rüberkommt.

00:44:26-4 Tanja Marfo: Ja, aber auch sehr verletzlich manchmal. Also sie redet ja auch offen über Depressionen. Doch, aber ich finde einfach, weil das jemand ist, der auf einmal da nackt und mit einer großen Größe da den Budy vor dem Spiegel shaked oder auf der Bühne, das finde ich einfach toll. Manchmal weiß ich halt auch nicht, so als Mama denke ich dann auch manchmal, ist das nicht vielleicht ein bisschen viel? Aber nein, es muss gesehen werden, es müssen alle Körperformen gesehen werden. Und außer Lizzo bin ich natürlich größer Oprah Fan, also immer schon gewesen und wünsche mir manchmal auch, ich hätte auch so eine Talkshow so wie Oprah. Weißt du, dann kommen so Leute und sitzen auf meiner Couch und schütten mir ihr Herz aus und ich sage dann, ey es wird alles wieder gut. Keine Ahnung. So was würde ich auch total toll finden. Ja, ich versuche halt mein Instagram, das haben wir auch im Buch geschrieben, das Instagram so zu gestalten, wie ich es mag. Also was mir gut tut. Wir haben im Buch darüber geschrieben, abonniert den Hashtag Alpaka, immer seht ihr ein lustiges, witziges Alpaka bei euch im Feed. Also ich versuche halt wirklich, den Accounts, die mir nichts bringen, einfach zu entflogen. Und ich habe dann irgendwie gemerkt, ich bin einer gefolgt, die hat ihr nacktes Kind, das war jetzt auch in den Medien, die hat ein Foto von sich nackt gemacht mit ihrer nackten Tochter als Baby, das fand ich so unmöglich in dem Moment. Weil ich dachte, dieses arme Kind kann sich nicht wehren, das gehört da nicht hin.

Ich versuche, meinen Feed so zu gestalten, wie es für mich am besten ist. Also Oprah, Lizzo auf jeden Fall und natürlich alle deutschen Plus Size Blogger, die Community ist so klein. Also da gibt es viele Leute, denen man folgen kann. Oder auch Magazine, es gibt so viele Magazine, die sich wirklich für Sichtbarkeit und Body Positivity einsetzen, also da ist es ganz groß. Oder ich schaue natürlich nach Amerika auch rüber, was passiert da so? Die Leute, die ich kennengelernt habe, wie geht es denen, wie ist es in Amerika mit dem Thema Body Positivity?

00:46:16-3 Ingeborg Trampe: Was wäre noch, wenn dir jetzt eine gute Fee einen Wunsch schenken würde, mit welchem Unternehmen würdest du gerne mal arbeiten?

00:46:23-5 Tanja Marfo: Das ist total witzig. Ich habe mir so eine Liste aufgeschrieben meiner Wunschkunden. Also ich würde natürlich schon gerne so was wie Levis würde ich mega gerne zusammenarbeiten, weil ich halt früher mich immer in diese Jeans reingequetscht habe, heute gibt es die bis zu einer großen Größe. Es sind auch einige tatsächlich in Erfüllung gegangen. Also Dough war so lange so ein Kooperationspartner, mit dem ich unbedingt zusammenarbeiten wollte Ja natürlich, wenn ich dann nach Amerika gucke, gibt es so ein paar Unternehmen oder Designer, Christian Siriano, wo ich mir immer denke, bitte mach mir ein Kleid. Und ach keine Ahnung, ich würde auch solche Leute gerne mal kennenlernen wie Ashley Graham oder so. Also ich habe die einmal gesehen 2014, aber ich würde mich halt gerne auch mal mit denen so unterhalten. Aber da gibt es schon viele Firmen, mit denen ich gerne mal zusammen arbeiten möchte, ja doch.

00:47:11-4 Ingeborg Trampe: Wir werden diese Kunde, es gibt ja einen Podcast dazu, den man noch mal hören kann.

00:47:15-4 Tanja Marfo: Bitte, hallo.

00:47:17-1 Ingeborg Trampe: Vielleicht hören das ja dann die entsprechenden Marketingleute, die es dann vielleicht ein bisschen ernster meinen dann auch mit dem Thema Diversity bei sich und eben nicht nur so, wir machen ein bisschen Diversity Kosmetik.

00:47:25-3 Tanja Marfo: Genau, da muss man sie eigentlich packen. Das möchte ich nämlich noch sagen, da muss man die nämlich eigentlich packen, weil gerade im Plus Size Bereich habe ich das Gefühl, dass sich diese Sichtbarkeit von großen Größen gerade auch in Katalogen oder auch online in der Präsenz der Firmen sehr zurückentwickelt. Da steht dann ein 38er Model mit ausgestopften Hüften, also die mit so Polstern vielleicht bearbeitet werden und schlanken Fesseln. Es kann nicht sein, dass Unternehmen, die bis zur Größe 60 oder größer fabrizieren nur die unterste Sichtbarkeit an Plus Size Modeln bedienen, das kann einfach nicht sein. Also d muss unbedingt mehr Realität her, da müssen sich alle Frauen und Männer wiederfinden dürfen.

00:47:57-9 Ingeborg Trampe: Genau. Du kriegst natürlich auch von der Fee noch einen Wunsch geschenkt. Was würdest du dir wünschen, jetzt gerade in Bezug auf euer Thema?

00:48:08-3 Carolin Matzko: Ich würde mich dem Oprah Winfrey Wunsch gerne anschließen. Also es ist tatsächlich so, was ich wahnsinnig gerne hätte, ich mache ja immer auf Bayern 2 hier dem Powersender eins zu eins der Talk einmal im Monat, diese langen Gespräche mit Menschen, wo man einfach Zeit hat. Und ich hätte gerne auch meine eigene Talkshow.

00:48:29-0 Tanja Marfo: Wir machen einfach eine zusammen und nennen die Size egal.

00:48:32-2 Carolin Matzko: Genau, eine gute Idee, wir sollten sofort Sponsoren suchen.

00:48:36-6 Tanja Marfo: Ja bitte.

00:48:37-9 Carolin Matzko: Deutsche Bank.

00:48:40-2 Ingeborg Trampe: Da ist aber leider keiner.

00:48:41-9 Tanja Marfo: /unverständlich/

00:48:47-3 Ingeborg Trampe: Wobei, es gibt ja, finde ich, ein tolles Beispiel auf Instagram, die Elena Ulig, die Schauspielerin und Moderatorin, die ja eigentlich angefangen hat, ihre eigene Show auf Instagram zu machen und jetzt wahnsinnig viele Follower hat und jetzt eben auch andere Jobs bekommt und so, weil sie ja auch gesagt hat, sie ist einfach eine ältere und auch rundere Frau, kriegt keine Rollen mehr.

00:49:09-9 Carolin Matzko: Was Business angeht kann ich alle Frauen nur ermutigen, ihre eigene Show zu machen. Und vielleicht kommt dann jemand drauf. Aber der Punkt ist, man muss das, was man tut, wirklich mit Liebe machen und Begeisterung. Weil ich finde, man merkt es Sachen an, wenn sie einfach nur gemacht sind, damit jemand anders sich dann nachher in der Hoffnung, dass sich irgendjemand draufsetzt und das so mitträgt. Also ich zweifele mittlerweile den Begriff des Erfolgs total an, weil ich weiß gar nicht mehr was das ist. Habe ich neulich auch gefragt, was eigentlich Erfolg wirklich ist. Und ich merke, ich bin am glücklichsten, wenn eine Grundsicherung besteht und ich meinen Seelenfrieden zu Hause mit meiner Familie und meinen Freunden habe. Ich brauche dieses Laute und dieses Viele und dieses Draußen, das strengt mich wahnsinnig an, ich bin einfach auch, glaube ich, jetzt schon zu alt dazu, das ist keine Koketterie. Mich strengt das an. Mir geht es wirklich auch viel um Inhalte. Also deswegen war die Frage vorhin mit Instagram, wem folgst du, ich folge zum Beispiel meiner Kollegin Natalie Amiri, die lange aus dem Iran berichtet hat, jetzt für die ARD. Und ich finde, weil wir vergleichen uns permanent und wenn wir jetzt mal, wir vergleichen uns immer nach so 10 Prozent nach oben. Wenn wir uns jetzt mal mit anderen Frauen vergleichen, die gerade in einer ganz anderen Lebenssituation sind, dann wirst du sehr schnell demütigt. Ich finde, Demut tut uns allen ganz gut.

00:50:33-6 Ingeborg Trampe: Schönes Schlusswort und auch, wenn man Sachen macht, man soll sie mit Liebe machen. Ich kann das Buch nur noch mal empfehlen, weil es ist wirklich sehr sehr persönlich und sehr nah, finde ich auch, was ihr da zulasst. Eure gegenseitige Geschichte zu reflektieren. Absolut lohnenswert es zu lesen. Genau, hier gibt es irgendwo auch einen Buchladen auf dem Gelände, wo man das auch auf jeden Fall jetzt gleich direkt kaufen kann beispielsweise. Ich bedanke mich ganz herzlich bei euch.

00:51:02-6 Carolin Matzko: Vielen Dank.

00:51:02-4 Ingeborg Trampe: Danke euch und namaste sozusagen.

00:51:11-0 Moderation: Wenn Sie jetzt Lust haben, in die Unterhaltung einzusteigen, dann besuchen Sie uns auf der nächsten herCareer Expo in München und netzwerken Sie zusammen mit tausenden ExpertInnen aus den verschiedensten Branchen und Fachbereichen. Oder fangen Sie gleich von zu Hause aus an, zum Beispiel über www.hercareer-lunchdates.com. Ob virtuell oder im Reallife, wir vernetzen Sie gern. Wenn Sie gerade eine neue Herausforderung suchen, dann probieren Sie unbedingt www.hercareer-jobmatch.com aus. Bei Fragen zum Podcast schreiben Sie uns einfach eine Mail an podcast@her-career.com . Abonnieren Sie den herCareer Voice Podcast auf iTunes, Spotify oder wo immer Sie Ihre Podcasts hören und empfehlen Sie uns bitte an Ihre liebsten KollegInnen. Alle Episoden gebündelt finden Sie zum Beispiel unter www.her-career.com/podcast . Wir sind glücklich und stolz, dass Sie ein Teil der herCareer Community sind. Danke, dass Sie anderen zuhören, um uns alle weiter zu bringen. So klingt female Empowerment.