Schwanger sein und trotzdem den Schritt ins Ausland wagen, um als Expat Karriere zu machen? Für viele ist das unvorstellbar. Gehört dieses Mindset der Vergangenheit an? Oder finden wir immer noch besonders in den traditionell-technischen Bereichen diese Haltung vor? Wie kannst du dem begegnen und deine beruflichen Ambitionen mit dem Privatleben optimal kombinieren? In diesem MeetUp gehen wir interaktiv auf deine Fragen ein. Wir tauschen uns aus und lernen aus dem Einfluss der Landes-Kulturen auf die Arbeitswelt. Erfahre, wie du deine eigene Strategie entwickelst, um die beste Lösung für dich zu finden.

„Mein großes Glück war, dass meine Familie mich und uns immer unterstützt
hat, ins Ausland zu gehen.“

herCAREER: Was war Ihr größtes Learning aus dem Schritt ins Ausland – mit Familie?

Simon: Wenn man sich entscheidet, für einen Auslandseinsatz bereitzustehen, dann sollte man sich über die eigene Motivation Gedanken machen. In meinem Fall, und es ist eher ‚unser Fall‘, weil mein Mann und ich beide versetzt wurden, hat uns vor allem die Aufgabe gereizt, etwas Neues in einer fremden Kultur aufbauen zu können. Somit sind wir als Familie gegangen und hatten aus unserer Zeit in Belgien, wo die Gesellschaft arbeitenden Frauen sehr offen gegenüber steht, bereits Selbstvertrauen sammeln können, dass es machbar ist. Ich hatte auch das Glück, dass der damalige Leiter der Produktion und Technik, ein Belgier und selbst Vater von drei Töchtern, keinen Zweifel daran ließ, dass ich dieser Aufgabe gewachsen war. Er unterstützte ebenso, dass wir als dual career couple versetzt wurden.
Natürlich kamen wir damals etwas unsicher am Flughafen in Shanghai an, aufgeregt, wie alles gehen würde, weil wir weder Wohnung noch Kindermädchen hatten. Damals wurde mir klar, dass ich zwei Optionen hatte: Ich würde mich immer um meinen Sohn sorgen, ängstlich sein, ob es ihm gut geht und das China-Abenteuer ihm gut tut. Oder ich würde Vertrauen haben in die Chinesen, die Situation und in mich. Und damals habe ich mich entschlossen, Vertrauen zu haben, und bin damit immer gut gefahren, vor allem in der fremden Kultur, die ich sehr schätzen gelernt habe.

herCAREER: Wie „verkaufe“ ich diesen Schritt meinem persönlichen Umfeld, wenn mir ausschließlich Gegenwind entgegenschlägt?

Simon: Mein großes Glück war, dass meine Familie mich und uns immer unterstützt hat, ins Ausland zu gehen. Meine Schwiegereltern lebten in den 50er Jahren in Indien und meine Eltern sind weltoffen. Hier hatte ich enormen Rückenwind. Und vor allem mein Mann hatte nie einen Zweifel, dass wir alles zusammen anpacken können.
Interessanterweise haben nur die deutschen Arbeitskollegen offensichtliche Bedenken gehabt. Ich habe darauf mit Abstand reagiert und mir die Personen gesucht, mit denen ich zusammenarbeiten konnte, um die Ziele der Projekte zu erreichen. Choose your battles.

herCAREER: Was ist Ihr Top Tipp für Frauen, die vor einer vergleichbaren Entscheidung stehen, und nicht wissen, wie sie sich entscheiden sollen?

Simon: Die Entscheidung, mit Familie ins Ausland zu gehen, ist eben eine Familiensache. Meiner Meinung nach sollten sich beide Partner einig sein und Aufgaben partnerschaftlich lösen. Dies ist übrigens mein Rat nicht nur fürs Ausland. Generell sollte auch im privaten Bereich Aufgabenteilung bestehen, wenn beide Partner arbeiten. Frauen begeben sich häufig dann doch in das traditionelle Rollenbild der ‚Frau im Haus‘, und das zusätzlich zum ‚Ihren-Mann-Stehen‘ im Beruf. Das ist langfristig eine starke Belastung. Daher Augen auf bei der Partnerwahl.
Mein Tipp ist außerdem, dass wir als Frauen im Beruf keinen Zweifel daran lassen, dass wir die Aufgaben lösen (daher ist das ‚back-office‘ so wichtig). Denn dies ist erst einmal die Voraussetzung, um die Chancen zu erhalten auf diese spannenden Jobs. Und es lässt sich dann auch alles lösen.
Als mein Sohn dann größer wurde, wurde mir auch klar, dass Kinder sehr fähig sind, mit verschiedenen Situationen umzugehen und die Auslandserfahrung eine Bereicherung für ihn ist. Ich habe erkannt, dass ich vor allem auch ihm vertrauen kann.

Über die Person

Als promovierte Chemikerin begann Lydia Simon in der Industrie und nahm Führungspositionen in verschiedenen Bereichen ein, die klassisch männerdominiert sind. Der berufliche Weg führte über Deutschland und Belgien nach China, wo sie in Shanghai 10 Jahre interkulturelle und interdisziplinäre Teams aufbaute. Ein Abstecher in die Selbständigkeit als Coach und Consultant verhalfen zu einer neuen Perspektive auf das Berufsleben und sich selbst. Seit 4 Jahren ist sie wieder in Deutschland und verantwortet den Bereich Sustainability weiter im industriellen Umfeld eines Chemie-Konzerns. Die Rückkehr nach Deutschland hat die Thematik Diversity & Inclusion für Lydia, zu einem Top Thema gemacht. Authentizität und Toleranz stehen für Sie im Mittelpunkt um Frauen in Führungspositionen zu fördern. Lydia ist als Mentorin und Ambassador in NRW bei „net4tec“, dem Karriere-Netzwerk für Frauen in MINT & Digital Business aktiv.

Dieses MeetUp wird präsentiert von net4tec und ist Teil der Karriere-MeetUps bei der herCAREER 2019, Ort und Zeitpunkt finden Sie im Programm.