„Ich habe am meisten durch Kritik und Misserfolge gelernt und bin froh um jeden Stolperer, den ich hatte.“

Wie positioniert man sich als Freiberufler?

Freiberufler gibt es da draußen viele. Doch wie wird man sichtbar und bekommt sein Produkt oder seine Dienstleistung an die Kunden? Es gibt einige Dinge, die man beachten kann und ein paar Tipps und Tricks, wie es gelingen kann. Inga Höltmann, Gründerin der digitalen Führungskräfte-Akademie Accelerate Academy, ist seit vielen Jahren erfolgreich freiberuflich unterwegs und wird ihre Erkenntnisse auf der herCAREER bei verschiedenen Gelegenheiten teilen. Auf der Messe ist sie Referentin beim Live Training „Für Mitarbeiter und Personaler: Digital Leadership ganz konkret – Wie Weiterbildung in Zukunft aussehen wird“, diskutiert in der Diskussion „Schöne flexible Arbeitswelt? Warum sich viele Unternehmen so schwer damit tun“ und leitet das MeetUp „Wie man sich als Freiberufler positioniert und seine Marke aufbaut“. Zum Thema ihres MeetUps wurde sie im Vorfeld der Messe interviewt.

Was ist aus deiner Sicht für einen Freiberufler (oder auch Gründer) in der Anfangsphase unerlässlich, um auf sich (oder sein Produkt oder seine Firma) aufmerksam zu machen?

Gerade am Anfang ist Begeisterung enorm wichtig: Die Gewissheit, dass dieser Weg richtig ist und der unbedingte Wille, sich fehlende Kompetenzen anzueignen. Man sagt ja auch „Hire the mindset and teach the skills“: Die richtige Haltung kann man nur schwerlich entwickeln, Skills sind es, das man kontinuierlich ausbauen und weiterentwickeln kann (und sollte!).

Ich habe auch festgestellt, dass das richtige Umfeld enorm wichtig ist: Unterstützer und Kritiker, die auf dem eingeschlagenen Weg begleiten. Ich habe am meisten durch Kritik und Misserfolge gelernt und bin froh um jeden Stolperer, den ich hatte – und das ist keine Floskel, sondern wirklich ganz und gar ernst gemeint.

Du hast mit BizzMiss ein Online-Wirtschaftsmagazin für Frauen co-gegründet,  baust jetzt gerade die Accalerate Academy als digitale Plattform für Führungskräfte auf und arbeitest als freie Journalistin unter anderem für Deutschlandfunk. Zeit bzw. Zeitmanagement ist für Freiberufler und Gründerinnen ein essentielles Thema: Wie organisierst du dich und deine Projekte und hast du pragmatische Tipps für gutes Zeitmanagement?

Ich denke, dass das persönliche Zeit- und Projektmanagement Themen sind, die jeden Freiberufler durch seine Freiberuflichkeit begleiten. Es ist ein andauernder, vielleicht nie endender Prozess für jeden Selbständigen, der immer wieder Auseinandersetzung und Nachjustierung bedarf. Das zu verstehen, ist wichtig. Daneben hat sich auf der ganz alltäglichen Basis vor allem ein Prinzip für mich bewährt: Ich fange mit der wichtigsten Sache des Tages an, damit die erledigt ist. Bloß nicht erst ein paar E-Mails und die beiden Telefonate erledigen, dann ist der Vormittag nämlich um. Direkt einsteigen in das, was wichtig ist!

Du hast dich im Laufe deiner Journalistenlaufbahn auf das Thema New Work (im Rahmen von Digitalisierung) spezialisiert. Wie sieht für dich die Arbeit der Zukunft aus und wie können Freiberufler sich auch unter möglicherweise anderen Arbeitsbedingungen als heute positionieren und neue Kunden akquirieren?

Ich denke, dass wir in Zukunft zunehmend atypische Beschäftigungsverhältnisse sehen werden, also Beschäftigungsverhältnisse, die anders als unser „Normarbeitsverhältnis“ von 40 Stunden, Montag bis Freitag sind. Das ist eine sehr gute Nachricht, wie ich finde. Ich verbinde damit auch die Hoffnung, dass das zu einer Aufwertung dieser atypischen Beschäftigungsverhältnisse führt, denn diese anzuerkennen, damit tun wir uns ja gerade noch etwas schwer. Und gerade Frauen werden davon profitieren, auch das ist eine gute Nachricht!

Das wird zu einer Flexibilisierung der Arbeitswelt führen, die uns Freiheit und Selbstverantwortung zurückgeben wird. Und das hat auch ganz unmittelbare Auswirkungen auf unsere alltägliche Arbeit: Ich denke, dass für Freiberufler starke Netzwerke und feste Communities immer wichtiger werden. Wir übertragen ja gerade den Vernetzungsgedanken des Internets zunehmend auf die Offline-Welt und das wird weiter zunehmen – wir sind ja noch ganz am Anfang dieser Entwicklung.