„Ich mache Fehler, aber nicht denselben zwei Mal!“

Herausforderungen als Frau am Theater

Christiane Brammer ist eine deutsche Schauspielerin, bekannt geworden durch ihre Rollen im Tatort und in der Serie „Die Fallers“. Doch Brammer hat gleich mehrere Karrieren gemacht: Sie ist auch Theater-Gründerin – im Oktober 2015 eröffnete sie das Hofspielhaus in München – und Systemischer Stimmcoach. All das bewältigt sie, weil sie auf sich und ihre Bedürfnisse achtet.

Frau Brammer Sie sind Schauspielerin und durch Rollen zum Beispiel im Tatort bekannt geworden. Was waren die größten Herausforderungen für Sie, um als Frau in dieser Branche Karriere zu machen?

Ich habe viele Berufe – ich bin Schauspielerin, Sängerin, Regisseurin und Coach – und die größte Herausforderung in meinem Leben ist sicherlich, all das tagtäglich zu bewältigen. Das hat erst einmal nicht viel mit meinem Geschlecht zu tun. Doch dass ich eine Frau bin, hat schon einmal eine Rolle gespielt: Ein früheres Projekt ist daran gescheitert, dass ich von zwei Männern ausgebremst worden bin. Bevor ich das Hofspielhaus in München eröffnete, war ich auch schon in einem eigenen Objekt engagiert, eine Kabarett-Bühne. Heute mache ich mich nicht mehr von anderen Menschen abhängig. Ich mache Fehler, aber nicht denselben zwei Mal!

Sie gründeten 2015 das Hofspielhaus in München. Wie kam es dazu?

Auch meine Eltern hatten schon ein Theater, sie sind damit um die Welt gereist – das war damals noch möglich! – und ich wusste schon früh, dass ich auch einmal ein Theater besitzen wollte. Nach meiner Erfahrung rate ich aber jedem: Macht es allein! Es geht schneller und man kann auch schneller reagieren. Nur so kann man handlungsfähig bleiben. Doch ganz allein geht es natürlich nicht – die richtigen Mitarbeiter sind wichtig. Die muss man suchen und das kann sehr mühsam sein und lange dauern. Man muss sich trauen, zu warten und weiterzusuchen – und sich auch trauen, rechtzeitig die Reißleine ziehen, wenn es nicht klappt.

Was würden Sie Ihrem jüngeren Selbst heute raten, gibt es da etwas?

Nicht so richtig, aber ich würde gern mehr aussitzen. Das ist etwas, das mir nicht angenehm ist. Doch manche Dinge erledigen sich ja doch von allein – wenn man die Nerven hat, das abzuwarten!

Nur wenige Schauspieler sind wirklich erfolgreich und können davon leben. Wie gingen Sie zu Beginn Ihrer Karriere mit Zweiflern um?

Seit ich 19 Jahre alt bin, lebe ich in und von diesem Beruf. Ich habe nie Geld von anderen bekommen, im Gegenteil, eher war ich es, die andere unterstützt hat. Man braucht Talent, Fleiß, Disziplin, ein gutes Aussehen und natürlich etwas Glück. Und man muss lernen, mit Tiefschlägen umzugehen – ich sage jungen Schauspielern immer: Ihr müsst Euch nicht überall vorstellen, zu jedem Vorsprechen gehen, denn jede Absage ist eine Narbe. Ich versuche, ihr Selbstbewusstsein zu stärken: Lasst vermeintliche Chancen aus und sorgt für Euch! Und ich habe etwas Wichtiges gelernt: Wenn man am Anfang dieses Berufes steht, ist man sehr selbstbezogen. Man will Karriere machen, man will groß rauskommen – erst viel später habe ich erkannt, dass die Schauspielerei ein altruistischer Beruf ist: Ich schenke den Menschen etwas. Wenn sie zu mir ins Theater kommen, schenke ich ihnen zwei Stunden.

Wie vereinbaren Sie Beruf und Familie?

Im ersten Jahr vom Hofspielhaus habe ich 18 Stunden am Tag gearbeitet, da war ich sehr, sehr müde. Aber wenn man etwas aufbauen will, muss man sich damit abfinden. Doch später sollte man den Punkt finden, kürzer zu treten, sonst brennt man aus. Man läuft ja keine Kurzstrecke, sondern einen Marathon. Ich versuche immer recht strukturiert zu arbeiten, das ist mir wichtig, mache viele Pläne – aber ich kämpfe darum, nicht zu verkrampfen, flexibel zu bleiben. Wichtig ist auch der Mut zu delegieren – gerade für Frauen. Und zwar nicht nur für den jeweiligen Tag, sondern so richtig: Man muss Dinge abgeben und dann auch nicht mehr daran denken.

Wie wichtig ist ein Netzwerk?

Ich rate jedem: Wenn man keine Freude an Netzwerkveranstaltungen hat, sollte man es lassen, denn sonst ist man nicht gut dabei. Nur wenn man tut, was einem liegt, ist man glaubwürdig – und wenn es einem nicht gefällt, sollte man eben heimgehen. Für Veranstaltungen, wo man mit einem Glas Wein herumsteht, habe ich im Übrigen auch gar keine Zeit. Heute sehe ich das so: Ich vernetze mich nicht, sondern möchte interessante Menschen treffen – nur mit dieser Einstellung wird es das richtige Zusammentreffen.

Sie sind auch Stimm-Coach. Wie wichtig ist die Stimme für die Karriere?

Unsere Stimme ist unsere akustische Visitenkarte. Frauen haben da tatsächlich andere Themen als Männer. Oft empfinden sie ihre Stimme als zu piepsig oder zu laut oder zu schrill – übrigens sehen Männer das oft anders. Meistens stecken dahinter bestimmte Glaubenssätze, die man durchbrechen muss – vielleicht ist man als Kind einfach immer belohnt worden, leise zu sein. Am Ende geht es aber darum zu sich zu stehen: Vielleicht bin ich einfach leise, aber auch leise Menschen werden gehört. Es geht da doch viel eher um eine natürliche Autorität. Das geht nicht von heute auf morgen, aber ein Coach kann helfen, die für sich zu entdecken.

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